Spezifische Immuntherapie gegen Insektengift erhöht Lebensqualität

Die Anwesenheit einer Biene oder Wespe versetzt Menschen mit Insektengiftallergie oft in Alarmbereitschaft, denn beispielsweise ein Bienenstich kann bei ihnen zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen. Eine Studie ergab nun, dass eine Hyposensibilisierung Lebensqualität und Therapieerfolg dieser Allergiker:innen erhöhen kann.
Wespe auf der Haut - ©nataba.stock.adobe

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Juckreiz, Rötung und Schwellung an der Einstichstelle eines Insektenstichs sind normal. Wenn es jedoch aufgrund einer Insektengiftallergie zu Symptomen wie Herzkreislauf- und Magendarmbeschwerden, Atemnot oder gar zu einem anaphylaktischen Schock kommt, kann es für Menschen mit Insektengiftallergie jedoch gefährlich werden. Oft beeinflusst die Sorge vor schwerwiegenden allergischen Reaktionen des Soforttpys die Betroffenen so sehr, dass sich ihr physischer und psychischer Gesundheitszustand deutlich verschlechtert – bis hin zur Depression.

Hat die spezifische Immuntherapie Einfluss auf die Lebensqualität?

Wissenschaftler:innen wollten nun herausfinden, ob eine sogenannte Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT), auch Hyposensibilisierung genannt, sowie der anschließende kontrollierte Insektenstich-Provokationtest, durch den die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung überprüft wird, die physische und psychische Gesundheit von Patienten:innen mit Insektengiftallergie in Form von Lebensqualität, Angst, Depression und Therapietreue beeinflusst.

Hierfür befragten die Forschenden zwischen Juli 2017 und August 2017 142 Patient:innen mithilfe eines validierten Fragebogens. Die Teilnehmer:innen wurden in drei Gruppen eingeteilt, von denen die Gruppe (A) sowohl eine ASIT als auch einen anschließenden Insektenstich-Provokationstest, der gut vertragen wurde / unauffällig war, erhalten hatte. Die Gruppe (B) erhielt bereits eine ASIT, jedoch wurde noch keine Insektenstich-Provokationstest durchgeführt und die Gruppe (C) hatte weder eine ASIT noch einen Insektenstich-Provokationstest erhalten. Die Ergebnisse wurden nach Geschlecht, Alter, Insektenart und Schweregrad der anaphylaktischen Reaktion differenziert ausgewertet.

 

Hyposensibilisierung schafft Sicherheit

Die Auswertung der Fragebögen ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und den Parametern Geschlecht und Behandlungszustand: Alle Patient:innen gaben an, dass sich ihre Lebensqualität nach der ASIT mit anschließendem, unauffälligen Insektenstich-Provokationstest verbesserte. Besonders stark profitierten Männer und Patient:innen mit einer Gelbwespengiftallergie, wenn sie den Insektenstich-Provokationstest gut vertragen hatten. Insgesamt hatten weder das Alter der Patienten noch die Insektenart einen relevanten Einfluss auf die Lebensqualität, Depressionen oder Ängste. Allerdings wiesen Frauen eine geringere Lebensqualität und höhere Angst- und Depressionswerte auf als Männer.

Mentale Beruhigung durch Stichtest

Die Studie zeigte deutlich den Nutzen des Insektenstich-Provokationstestes: Er scheint den Behandlungserfolg für Patient:innen objektiv nachvollziehbar zu machen und durch diese Sicherheit, deren Lebensqualität deutlich zu erhöhen. Da ein Insektenstich unter kontrollierten Bedingungen auch im Verlauf einer ASIT durchgeführt werden kann, wäre dies eine Möglichkeit, bereits während laufender Therapie die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern.

 

Quelle:

Eitel, T. et al.: Impact of specific immunotherapy and sting challenge on the quality of life in patients with hymenoptera venom allergy. World Allergy Organization Journal, Mai 2021