09. Februar 2018
Neuer Forschungsansatz

Allergie bereits auf der Zelle verhindern

Kann die Entstehung einer allergischen Reaktion künftig schon auf Zellebene gestoppt werden? Im Labor ist dies vor kurzem mit Hilfe eines künstlichen Antikörpers gelungen. Die Arbeit eines europäischen Forscherteams aus Aarhus und Marburg/Gießen ist im Fachblatt „Nature Communications“ veröffentlicht.

Sie können in Zukunft vielleicht eine Allergie verhindern: Y-förmige Antikörper unter dem Mikroskop

© fotoliaxrender/fotolia

Der Antikörper, den die Wissenschaftler untersuchten, war im Labor in der Lage, den Botenstoff Immunglobulin E (IgE) quasi in eine molekulare Falle zu locken. Immunglobulin E spielt eine entscheidende Rolle bei den so genannten Allergien vom Soforttyp. Dazu gehören so häufige Erkrankungen wie allergisches Asthma, Pollenallergie (Heuschnupfen), Hausstaubmilben- und Insektengiftallergie. Immunglobulin E, das speziell gegen ein Soforttyp-Allergen gerichtet ist (spezifisches IgE) sorgt dafür, dass beim Eindringen dieses Allergens in den Körper Entzündungen und andere Abwehrmaßnahmen des Immunsystems einsetzen. Die erste Reaktion kann sich binnen Minuten bemerkbar machen, daher die Bezeichnung  „Soforttyp.“

 

Antikörper stört Entzündungsprozess

Die Forscher untersuchten einen künstlich hergestellten Antikörper mit der Bezeichnung 026sdab, von dem sie vermuteten, dass er sich für die Verhinderung der allergischen Reaktion eignet. Durch strukturelle Analysen konnten sie den genauen Aufbau und die Funktion von 026sdab darstellen. Der Antikörper fixiert die Struktur von IgE in einer bestimmten Form, in der der Botenstoff quasi „gefesselt“ ist. Damit kann IgE die Entzündungsprozesse, die sich in klassischen Allergie-Symptomen äußern, nicht mehr einleiten.

Um zu überprüfen, wie sich dieser Mechanismus bei Patienten auswirken könnte, setzte das Team den Antikörper 026sdab im Labor dem Blut dreier Patienten zu, die auf verschiedene Soforttyp-Allergene sensibilisiert waren. Ergebnis: 15 Minuten nach der Zusetzung von 026sdab waren nur noch 30 Prozent der ursprünglichen IgE-Menge auf Allergie-relevanten Immunzellen vorhanden, bei längerer Einwirkzeit sank der IgE-Anteil weiter, bis auf 20 Prozent.  Der Antikörper „entwaffnet“ quasi die Immunantwort.

 

Immunzellen tolerieren Allergen

Anschließend testeten die Forscherinnen und Forscher den Antikörper in Blutproben von sechs Patienten mit Birkenpollenallergie. Sie stellten fest, dass 026sdab auch die Empfindlichkeit der basophilen Granulozyten gegen das Birkenpollenallergen Bet v 1 reduzierte, und zwar um 50 bis 95 Prozent.

Die Ergebnisse legen nahe, dass strukturelle Veränderungen im IgE einen neuen Angriffspunkt bei allergischen Erkrankungen darstellen könnten. Das Forscherteam hält es daher für möglich, dass künstliche Antikörper wie 026sdab ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung neuer Anti-IgE-Wirkstoffe gegen Soforttyp-Allergien und Asthma sein könnten. Notwendig sind aber noch eine Vielzahl detaillierter Studien, um die Mechanismen der Reaktion genau zu verstehen und sie später in der klinischen Testphase an Patienten zu erproben.

Quelle:

Jabs, F. et al.: Trapping IgE in a closed conformation by mimickingCD23 binding prevents and disrupts FcεRI Interaction. In: Nature Communications 2018, DOI: 10.1038/s41467-017-02312-77

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