08. August 2017
Sublinguale spezifische Immuntherapie

Asthma-Prävention durch Hyposensibilisierung bei Kindern mit Gräserpollenallergie

Bei Kindern mit Heuschnupfen infolge einer Gräserpollenallergie lässt sich das Asthma-Risiko durch eine dreijährige spezifische Immuntherapie mit Gräserpollen-Tabletten auch längerfristig senken. Darauf weisen kürzlich veröffentlichte Ergebnisse einer großen randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie hin.

Kind nimmt Tablette zur Asthma-Prävention ein

© Victoria/fotolia

Eine spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) zielt auf die immunologische Ursache von Heuschnupfen (allergische Rhinitis oder Rhinokonjunktivitis) und allergischem Asthma bronchiale ab und kann den Verlauf dieser Erkrankungen günstig beeinflussen. Die Allergenpräparate können dabei entweder subkutan (lateinisch für „unter die Haut“) gespritzt oder in Form von Tropfen oder Tabletten über den Mund verabreicht werden. Letzteres bezeichnet man als sublinguale (lateinisch für „unter die Zunge“) Immuntherapie. Dementsprechend unterscheidet man SCIT (subkutane Immuntherapie) und SLIT (sublinguale Immuntherapie).

Die Wirksamkeit einer spezifischen Immuntherapie bei allergischem Heuschnupfen - mit oder ohne begleitendes Asthma bronchiale - wurde in mehreren Studien nachgewiesen. Weniger gut belegt sind die Effekte einer Vorbeugung (Prävention) im Hinblick auf eine Beteiligung der unteren Atemwege, also die Entwicklung von Asthma bronchiale. Dies wurde in einer groß angelegten internationalen Studie untersucht, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht wurden.

An der Studie mit der Kurzbezeichnung GAP (Grazax Asthma Prevention) nahmen insgesamt 812 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren aus elf europäischen Ländern teil. Alle litten unter Heuschnupfen aufgrund einer Gräserpollenallergie, jedoch ohne Anzeichen für Asthma. Ziel der Studie war es zu untersuchen, ob eine frühzeitige SLIT mit Gräserpollen-Tabletten während der dreijährigen Behandlung und in den darauf folgenden zwei Jahren die Entwicklung von Asthma verhindern kann.  Dazu erhielt die Hälfte der Kinder über drei Jahre Gräserpollen-Tabletten, die andere Hälfte ein Scheinpräparat (Placebo). Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) den beiden Gruppen zugeteilt und „doppelblind“ behandelt, das heißt weder sie selbst noch die betreuenden Ärztinnen und Ärzte wussten, wer die Allergentabletten beziehungsweise Placebo erhielt. Alle wurden anschließend über weitere zwei Jahre nachbeobachtet. Es handelt sich um die erste derartige große Studie zu dieser Fragestellung.

 

Asthma- und Heuschnupfen-Symptome deutlich reduziert

Unter Kindern, die mit Gräserpollen-Tabletten behandelt wurden, war der Anteil mit Asthma-Symptomen oder Bedarf für Asthma-Medikamente bis zum Ende der Studie etwa ein Drittel geringer als in der Gruppe, die Placebo einnahm. Zudem kam es während der fünfjährigen Studiendauer mit dem Allergenpräparat zu einem Rückgang der Heuschnupfen-Symptome um 22 bis 30 Prozent verglichen mit Placebo. Je jünger die Kinder bei Therapiebeginn waren, umso höher war der Anteil derer, bei denen in der zweijährigen Nachbeobachtungsphase nach Therapieende das Auftreten von Asthmasymptomen verhindert werden konnte, und die demzufolge keine Asthmamedikamente benötigten. Auf den Zeitpunkt des Auftretens von Asthma zeigte die spezifische Immuntherapie keinen Einfluss.

Die Therapieerfolge schlugen sich auch in den Ergebnissen der Allergietests nieder: Sowohl das Labortests zur Allergie-Diagnosegesamte Immunglobulin E (IgE) als auch das Gräserpollen-spezifische IgE sowie die Hautreaktionen im Pricktest waren in der Behandlungsgruppe im Vergleich zur Placebogruppe vermindert. 

Die Studie wurde von einem pharmazeutischen Unternehmen gesponsert, das die untersuchten Präparate herstellt.

Quellen:

Valovirta, E. et al.: Results from the 5-year SQ grass SLIT-tablet asthma prevention (GAP) trial in children with grass pollen allergy. In: J Allerg Clin Immunol 2017

S2k-Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. In: Allergo J Int 2014; 23: 282

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