01. Juni 2018
Pollenallergie/Heuschnupfen

Erste Weltkarte der Pollenmessstationen ist online

Am Münchner Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM) hat ein Wissenschaftsteam um Prof. Jeroen Buters die erste weltweite Karte der Pollen- und Pilzmessstationen zusammengestellt. Eingeflossen sind Daten von 879 Stationen auf allen fünf Kontinenten.

Pollenfalle auf einem Hausdach

Pollenfalle auf einem Hausdach. Quelle: UNIKA-T

Die Forscherinnen und Forscher haben ihre Arbeit in der Zeitschrift ‚Clinical and Translational Allergy‘ vorgestellt. Auf einer interaktiven Karte lässt sich jede Station bis auf Straßenebene heranzoomen. So erfahren die Nutzer zum Beispiel, dass sich in Spanien eine Station nur wenige Kilometer außerhalb von Palma de Mallorca befindet. Mit einem Klick auf die Station gelangt man zu E-Mail-Adresse und Telefonnummer der verantwortlichen Wissenschaftler. Pollenallergische Touristen und deren Ärztinnen und Ärzte können jetzt direkt erfahren, ob sie sich bei einem Urlaub in Palma auf eine erhöhte Pollen- oder Pilzsporenbelastung in der Luft gefasst machen müssen.

 

Das Messnetz hat sehr große Löcher

Etwa 15 Prozent der Bevölkerung in Europa haben eine Pollenallergie. Dennoch hat das Netz der Pollenmessstationen viele Löcher. Hinzu kommt, dass die Messungen in den meisten Ländern nicht von der öffentlichen Hand, sondern von privaten Organisationen betrieben werden, die Daten also nicht ohne weiteres zugänglich sind. Eine Zusammenstellung erschien den Wissenschaftlern daher dringend notwendig, auch um den wissenschaftlichen Austausch zu erleichtern.

Nur Frankreich und die Schweiz betreiben in Europa öffentliche Messstationen für Pollen. Weltweiter Spitzenreiter ist Japan. Dort überzieht ein Netz von 143 Stationen das ganze Land. In Europa liegt Italien mit 88 Pollenfallen knapp vor Frankreich. Metropolen wie Mailand, Tokio, Toronto oder Paris weisen gleich mehrere Stationen auf.  In Deutschland gibt es bislang nur 44 Fallen. Ganze Landstriche, wie beispielsweise der Raum zwischen Hamburg und Berlin, sind noch gar nicht abgedeckt.

 

Bislang unklare Datenbasis bei Pollen-Apps

Die Autoren kritisieren, dass im Gegensatz zur Pollenmessung die Kontrolle der Luft auf nichtbiologische Schadstoffe ganz selbstverständlich als öffentliche Aufgabe gesehen und flächendeckend durchgeführt wird. Die Belastung der Atemluft mit Schwefel- oder Kohlendioxid ist jederzeit aus öffentlich zugänglichen Datenbanken abrufbar und in vielen Ländern Gegenstand politischer Diskussion.

Zwar gebe es auch viele Pollen-Apps fürs Handy, doch angesichts der vergleichsweise geringen Zahl von Messstationen sei die Herkunft der Daten nicht nachvollziehbar und deren Qualität fraglich, schreiben die Autoren. So müssen sich Pollenallergiker in Bayern, dem größten Flächenland der Bundesrepublik, derzeit noch mit Daten aus drei weit auseinander liegenden Messstationen begnügen.

Deren Zahl wird in Zukunft wachsen. In Bayern ist diese Investition bereits fest eingeplant. Und so ist auch die interaktive Landkarte des ZAUM auf Wachstum angelegt. Wer immer eine Messstation kennt, die dort noch nicht verzeichnet ist, kann die Kontaktdaten direkt in die Datenbank eingeben.

Link zur Weltkarte:  https://www.zaum-online.de/pollen/pollen-monitoring-map-of-the-world.html

 

Quelle: 
Buters J. et al.: Pollen and Spores Monitoring in the World. In: Clinical and Translational Allergy, 2018. 10.1186/s13601-018-0197-8

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