14. November 2017
Wirkstoffforschung

Fehlalarm im Immunsystem verhindert

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Fachmagazin ‚Molecular Therapy‘ einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von Kontaktallergien vorgestellt. Der Trick dabei: Sie verhindern einen Fehlalarm des Immunsystems, indem sie die Kommunikation zwischen bestimmten Zelltypen unterbinden.

Dendritische Zellen

©Kateryna_Kon/Fotolia

Bei Allergien richtet sich das körpereigene Immunsystem gegen eigentlich harmlose Strukturen. Daran beteiligt sind unter anderem die dendritischen Zellen (lateinisch: dendriticus = „verzweigt“). Sie patrouillieren durch den Körper, erkennen die (vermeintlichen) Eindringlinge, zerlegen sie und präsentieren die Einzelbestandteile den sogenannten T-Zellen. Diese werden dadurch in einen Alarmzustand versetzt und sorgen für die Reaktion. Bei Allergien allerdings handelt es sich dabei um einen Fehlalarm.

Um dieses Szenario zu verhindern, hat eine Bonner Forschergruppe nun versucht, die dendritischen Zellen an diesem Fehlalarm zu hindern. Dazu konzentrierten sich die Wissenschaftler auf das Molekül CCL17, eine Art Lockstoff. Schütten die dendritischen Zellen CCL17 aus, bindet es an einen Rezeptor auf der Oberfläche der T-Zellen, wodurch diese aktiviert werden und daraufhin in das vermeintliche Einsatzgebiet eilen.

Künftige Therapiemöglichkeit bei Kontaktallergien?

Um diese Reaktion zu verhindern, entwickelten die Wissenschaftler eine Substanz, die fest an CCL17 bindet und so verhindert, dass es an den Rezeptor der T-Zellen andocken kann. Bei dem entsprechenden Wirkstoff handelt es sich um ein sogenanntes Aptamer, das mit der Erbsubstanz DNA verwandt ist. Aptamere können durch ihre 3D-Struktur sehr spezifisch an bestimmte Zielstrukturen binden, sich um sie herumfalten und ihre Funktion dadurch blockieren.

Um den Effekt zu studieren, behandelten die Forscher Mäuse mit einer Kontaktallergie. Tiere, die das Aptamer erhalten hatten, zeigten beim Kontakt mit dem Allergen signifikant schwächere Entzündungsreaktionen und weniger T-Zellen im Gewebe des betroffenen Hautbereichs.

Die Studie zeigt, dass der Einsatz von Aptameren sich dazu eignen könnte, um in die Kommunikation von Immunzellen eingreifen zu können. Ob dieser Effekt auch beim Menschen funktioniert, müssen weitere Studien erst noch zeigen. Weitere mögliche Anwendungsgebiete wären den Autoren zufolge auch Autoimmunkrankheiten wie etwa Rheuma. Einschränkend muss erwähnt werden, dass neben CCL17 rund 50 weitere Botenstoffe bei der Immunantwort eine Rolle spielen.


Quellen:
Fülle, L. et al.: RNA aptamers recognizing murine CCL17 inhibit T cell chemotaxis and reduce contact hypersensitivity in vivo. In: Molecular Therapy, 2017, DOI: 10.1016/j.ymthe.2017.10.005

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Neuer Ansatz zur Bekämpfung von Kontaktallergien. Pressemitteilung vom 27. Oktober 2017

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