16. Juni 2017
Medikamente gegen Allergien

Cortison in Tablettenform: Nebenwirkungen auch nach kurzer Behandlung möglich

Glukokortikoide, darunter ihr bekanntester Vertreter das Cortison, haben sich in vielen Darreichungsformen als wirksame Allergiemedikamente erwiesen. Es gibt sie als Salben, Nasen- und Augentropfen, zum Inhalieren oder als Tabletten. In dieser letzten Form werden sie nur bei sehr schweren Allergieausprägungen verordnet, da die Nebenwirkungen einer langfristigen Tabletteneinnahme gut bekannt sind. Für kurze Behandlungszeiten war die Datenlage bislang unbefriedigend.

Chemische Formel von Cortison / Quelle: ©Zerbor/fotolia

Nebenwirkungen von Glukokortikoiden. Quelle: ©Zerbor/fotolia

Eine aktuelle Studie im British Medical Journal deutet darauf hin, dass auch bei kurzer Behandlungsdauer mit Glukokortikoiden in Tablettenform Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen sind. Die US-Forschergruppe analysierte die Daten von mehr als 1,5 Millionen krankenversicherten Amerikanern. Ein Fünftel von ihnen, mehr als 300.000 Menschen, erhielten eine Kurzzeittherapie von weniger als 30 Tagen mit Glukokortikoid-Tabletten. Bei fast der Hälfte der Patienten dauerte die Behandlung nur 6 Tage. Die Forscher suchten in den Patientenunterlagen aller Behandelten nach Fällen von Knochenbrüchen, Thrombosen und Blutvergiftungen, die auch in Zusammenhang mit Glukokortikoiden auftreten können. Sie beschränkten sich dabei auf den Zeitraum zwischen dem 5. und 90. Tag nach dem Arztbesuch. Zum Vergleich analysierten sie für den gleichen Zeitraum die Unterlagen der übrigen mehr als 1,2 Millionen Patienten, die keine Cortison-Tabletten erhalten hatten.

Risiko bei Cortison-Tabletten leicht erhöht

Sie fanden ein leicht erhöhtes Risiko für alle drei Erkrankungen unter den Cortison-Patienten. Knochenbrüche kamen bei 0,51 Prozent dieser Menschen vor, in der Vergleichsgruppe bei 0,39 Prozent. Thrombosen erlitten 0,14 Prozent der Glukokortikoid-Patienten. Unter allen anderen lag die Rate bei 0,09 Prozent. Die seltenste der drei Erkrankungen, die Blutvergiftung, traf in der Gruppe mit Glukokortikoid-Tabletten 0,05 Prozent, ansonsten nur 0,02 Prozent.

Ein Nachteil bei Beobachtungsstudien, die auf Behandlungen zurückblicken, liegt darin, dass der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht genau darstellbar ist. Die beobachteten Komplikationen können auch eine Folge nicht des Medikaments, sondern der Erkrankung sein, zu deren Behandlung die Tabletten verordnet wurden. Die Forscherinnen und Forscher sehen einen Bedarf an weiteren Studien, um den bestmöglichen Einsatz von Glukokortikoid-Tabletten zu finden und zu klären, ob Behandlungsalternativen die Patientensicherheit verbessern.

 

Quelle:

Waljee, A. et al.: Short term use of oral corticosteroids and related harms among adults in the United States: population based cohort study. In: BMJ 2017; 357; j1415

Wir verwenden Cookies um Ihnen den Besuch der Webseite so angenehm wie möglich zu machen. Wir benötigen Cookies um die Dienste ständig zu verbessern, bestimmte Features zu ermöglichen und wenn wir Dienste bzw. Inhalte Dritter einbetten, wie beispielsweise den Videoplayer. Durch die Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Wir verwenden unterschiedliche Arten von Cookies. Hier haben Sie die Möglichkeit, Ihre Cookie-Einstellungen zu personalisieren:

Einstellung anzeigen.
In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen.

Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.