25. April 2017
Allergie & Alltag

Heuschnupfen mindert Leistungen in Schule und Beruf

Akuter Heuschnupfen schränkt die Leistungsfähigkeit ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine deutsch-amerikanische Forschergruppe. Die Wissenschaftler verglichen die Leistungen von 41 Heuschnupfen-Betroffenen und 42 gesunden Menschen bei Merkfähigkeiten und dem gleichzeitigen Erledigen mehrerer Aufgaben (Multitasking) – zwei zentralen Feldern des schulischen und Berufsalltags.

Frau mit Heuschnupfen vor Bildschirm

© contrastwerkstatt/fotolia

Die Gruppen wurden zweimal getestet, während und außerhalb der Allergiesaison. So war es möglich, sowohl den Unterschied zwischen Heuschnupfen-Betroffenen und gesunden Menschen festzustellen als auch den individuellen Leistungsabfall, den akuter Heuschnupfen jeweils verursacht.

Das wurde getestet

Im Gedächtnistest legten die Wissenschaftler den Gruppen zwei Listen mit je 15 Wörtern vor. Die Wörter wurden mehrmals vorgelesen und in unterschiedlichen Zeitabständen abgefragt, um Daten für Kurz- und Langzeitgedächtnis zu erhalten.

Anschließend mussten die Teilnehmer gleichzeitig Zahlen und Töne erkennen. Sahen sie eine Zahl, sollten sie Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand aufzeigen, beim Hören eines Tons war dieselbe Geste mit der linken Hand gefordert. An Reaktionszeit und Fehlerzahl ließ sich die Leistung der Probanden beim gleichzeitigen Erledigen zweier einfacher Aufgaben messen.

Kurz- und Langzeitgedächtnis leiden unter Heuschnupfen

Die Merkleistung der Menschen mit Heuschnupfen fiel deutlich ab, und zwar sowohl beim Kurz- wie beim Langzeitgedächtnis. Je länger sie schon an Heuschnupfen litten, desto größer waren die Gedächtnislücken. Die Schwere der Symptome spielte allerdings keine Rolle.

Dies deckt sich mit früheren Studien, in denen gezeigt werden konnte, dass die Einnahme antientzündlicher Medikamente am Merkdefizit nichts ändert. Im Winter erreichten die Heuschnupfen-Betroffenen hingegen mühelos das Leistungsniveau der gesunden Probanden.

Multitasking: Heuschnupfen-Geplagte behelfen sich mit Trick

Bei der Auswertung des Multitasking-Tests erlebten die Wissenschaftler eine Überraschung: Zwar war die Reaktionszeit der Allergie-Betroffenen deutlich länger. Sie hatten aber eine Strategie entwickelt, die dazu führte, dass die Anzahl ihrer Fehler genauso gering war wie bei den gesunden Testpersonen.

Anstatt wie vereinbart sofort auf eine Zahl zu reagieren, warteten die Allergiker, bis auch ein Ton erklang, und machten erst dann die vereinbarten Zeichen für beide Aufgaben.

Im Winter wandten sie diesen Kniff nicht an, sondern bearbeiteten beide Aufgaben wie vorgegeben und ohne Leistungsunterschiede zur Kontrollgruppe.

Diese Beobachtungen könnten darauf hinweisen, dass Allergie-Betroffene ihre Arbeitsstrategien verändern, um Leistungsdefizite zu kompensieren. Um diese Vermutungen belegen oder widerlegen zu können, ist weitere Forschungsarbeit notwendig.

Einfluss von Heuschnupfen bislang wenig beachtet

Dem Einfluss von Heuschnupfen auf die Leistungsfähigkeit in Schule und Beruf wird nach Ansicht der Studien-Autoren bis heute zu wenig Beachtung geschenkt. Sie plädieren für spezielle Lernprogramme, um den Betroffenen zu helfen, die Allergie-bedingten Leistungsschwankungen möglichst auszugleichen.

Quelle:

Trikojat, K. et al.: Memory and multitasking performance during acute allergic inflammation in seasonal allergic rhinitis. In: Clinical & Experimental Allergy, 2017, 47:479-487

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