05. Juni 2018
Vorgeburtliche Risikofaktoren

Hinweise auf erhöhtes Allergierisiko durch Stress im Mutterleib

Leidet die werdende Mutter während der Schwangerschaft unter psychosozialen Belastungen, kann dadurch das Erkrankungsrisiko für Asthma und Allergien beim Ungeborenen zumindest mäßig zunehmen. Zu diesem Schluss kommt eine Übersichtsstudie, in der die Auswirkungen vorgeburtlicher Stressfaktoren analysiert wurden.

Foto einer schwangeren Frau, die depressiv wirkt © Antonioguillem/Fotolia

© Antonioguillem/Fotolia

Für die spätere Entwicklung von allergischen Erkrankungen einschließlich Asthma bronchiale werden möglicherweise schon im Mutterleib erste Weichen gestellt. Stress scheint das Atopie-Risiko des ungeborenen Kindes zu beeinflussen, indem er dazu führt, dass anhaltend das Hormon Cortisol ausgeschüttet wird. Dies wiederum hat zur Folge, dass bei der Entwicklung von T-Helferzellen weniger TH1- und mehr TH2-Lymphozyten gebildet werden. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht zugunsten der TH2-Immunantwort, die bei allergischen Reaktionen eine maßgebliche Rolle spielt.

Ein internationales Forscherteam aus Schweden, Finnland, Irland und Großbritannien hat die Bedeutung von psychosozialem Stress werdender Mütter für das Allergie- und Asthmarisiko ihrer Kinder in einer Übersichtsstudie (Metaanalyse) näher unter die Lupe genommen. Als Stressfaktoren galten dabei psychische Störungen mit Veränderung der Stimmungslage (zum Beispiel Depression), Angst, Gewalterfahrung, Todesfälle und/oder soziale/wirtschaftliche Probleme, die während der Schwangerschaft auftraten und sowohl subjektiv als auch objektiv erfasst wurden.

Aus einer Vielzahl von Studien, die zwischen 1960 und 2016 veröffentlicht wurden, erfüllten 30 die Einschlusskriterien für die Metaanalyse, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift ,Clinical & Experimental Allergy‘ veröffentlicht wurden. Die Auswertung ergab, dass jede Art von psychosozialer Belastung für die Mutter beim Kind mit einem erhöhten Risiko für Neurodermitis (atopisches Ekzem), allergische Rhinitis, pfeifende Atemgeräusche (Giemen, als ein mögliches Zeichen für Asthma bronchiale) und Asthma verbunden war. Dabei war der ungünstige Einfluss im Vergleich zu anderen Stressfaktoren am stärksten, wenn die Mutter in der Schwangerschaft an Angstsymptomen oder Depression gelitten hatte. Am deutlichsten waren die Auswirkungen von Stress während des dritten Schwangerschaftsdrittels (Trimester) im Vergleich zum ersten oder zweiten Trimester.

Das Forscherteam folgert aus den Studienergebnissen, dass das Erkrankungsrisiko für Asthma und allergische Erkrankungen durch vorgeburtlichen Stress – wenn auch nur mäßig – erhöht wurde. Das im dritten Schwangerschaftstrimester besonders erhöhte Risiko könnte eher auf eine zunehmend anwachsende Stressbelastung im Verlauf der Schwangerschaft zurückzuführen sein als auf einen spezifischen Effekt in dieser Schwangerschaftsphase. Den Autoren zufolge spiegeln die Ergebnisse möglicherweise tatsächlich ursächliche Zusammenhänge wider. Sie könnten aber auch auf methodischen Verzerrungen, insbesondere auf nicht beseitigten Störfaktoren der analysierten Arbeiten beruhen. Weitere Studien werden daher notwendig sein, um die Zusammenhänge und ihre zugrunde liegenden Mechanismen genauer bewerten zu können.

 

Quelle:

Flanigan, C., et al.: Prenatal maternal psychosocial stress and offspring's asthma and allergic disease: A systematic review and meta-analysis. In: Clin Exp Allergy 2018; 48(4): 403-414


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