19. September 2017
Nahrungsmittelallergien

Intelligenter Schlüsselanhänger erkennt Allergene im Essen

Ein Forschungsteam der US-amerikanischen Harvard Medial School hat ein Gerät entwickelt, das binnen zehn Minuten mögliche Allergen-Verunreinigungen im Essen feststellt. Die Ergebnisse stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun im Fachmagazin ‚ACS Nano‘ vor.

Intelligenter Schlüsselanhänger erkennt Allergene in Lebensmitteln

Copyright: American Chemical Society

Als Nahrungsmittelallergie bezeichnet man eine Reaktion des Immunsystems gegen Eiweiße in Lebensmitteln. Die Folge können Schwellungen (Angioödem) an Händen, Gesicht, Beinen oder Schleimhäuten sein. Juckender Ausschlag (Urtikaria) oder Beschwerden im Magen-Darm-Bereich können ebenfalls auftreten. Ein lebensgefährlicher Zusammenbruch mehrerer Körpersysteme (siehe aktueller Schwerpunkt Anaphylaxie) ist bei diesem Krankheitsbild selten, aber möglich.                            

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung einer Nahrungsmittelallergie besteht darin, das verantwortliche Allergen - sofern es bekannt ist - strikt zu meiden. Schwierig wird das für die Betroffenen vor allem dann, wenn sie auswärts essen oder die Zusammensetzung der Produkte unklar ist. Zudem sind auch Allergen-Verunreinigungen und Verwechslungen schwer auszuschließen.

Neuer Prototyp für unterwegs

Um den Betroffenen hier mehr Sicherheit zu geben, hat ein Forscherteam nun einen tragbaren Detektor entworfen, der binnen zehn Minuten Allergene im Essen anzeigen kann. Er hört auf den Namen iEAT (integrated exogenous antigen testing) und besteht aus einem Handgerät für die Extraktion der Allergene sowie einem elektronischen Lesegerät im Schlüsselanhängerformat, das die Ergebnisse drahtlos an ein Smartphone weitergibt.

Die aktuelle Version erkennt fünf Proteine, die allergische Reaktionen beziehungsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten auslösen können. Im Einzelnen sind das Ara h1 aus Erdnüssen, Cor a1 aus Haselnüssen, Casein aus Milch, Ovalbumin aus Eiern und Gliadin aus Weizen. Zudem erkennt das Gerät auch kleinere Mengen als sie bisher mit den Standard-Analysemethoden erfasst werden.

Mit ersten Tests unter Restaurantbedingungen konnten die Erfinder auch die Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen – mit unerwarteten Ergebnissen: Nach Angaben der Forscher hätte sich dabei etwa das in Eiweiß vorkommende Ovalbumin in Bier gefunden. Den Autoren zufolge waren derartige Analysen bisher nur mit sperrigem Labor-Equipment durchzuführen oder aber sehr langwierig und wenig sensitiv.

Wie die Wissenschaftler berichten, würden sich die theoretischen Kosten auf rund 40 Dollar belaufen. Allerdings handelt es sich aktuell um einen Prototyp, der bisher nicht im Handel verfügbar ist. Auch die Testung weiterer Substanzen bis hin zu Pestiziden stellen die Autoren in Aussicht.

Das Forschungsfeld rund um Nahrungsmittelallergien ist momentan in Bewegung: Erst kürzlich gelang es, mit einer oralen spezifischen Immuntherapie bei Kindern, die allergische Immunantwort auf Erdnüsse dauerhaft zu unterdrücken.

 

Quellen:
Lin, H.Y. et al.: Integrated Magneto-Chemical Sensor For On-Site Food Allergen Detection. In: ACS Nano, 2017, DOI: 10.1021/acsnano.7b04318

American Chemical Society: Keychain detector could catch food allergens before it’s too late. Pressemitteilung vom 6. September 2017

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