12. Januar 2018
Antibiotika bei Kleinkindern

Erhöhen Antibiotika die Wahrscheinlichkeit von Allergien?

Ein klinisches Forscherteam aus den Niederlanden hat in einer umfangreichen Recherche Ergebnisse zum Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antibiotika im Baby- und Kleinkindalter und Allergien zusammengetragen. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „Allergy“ publiziert.

Fieberthermometer, Schnuller und Antibiotika liegen auf einer braunen Unterlage

©sabdiz-stock.adobe.com/fotolia

Die Wissenschaftler durchforsteten 3839 Veröffentlichungen aus dem Zeitraum zwischen Januar 1966 und November 2015. Insgesamt 34 Studien mit mehr als 340 000 Patienten fanden schließlich Eingang in die Analyse.

Ergebnis: Auf Grundlage dieser Daten haben Kinder, die in den ersten zwei Lebensjahren Antibiotika bekommen, eine signifikant erhöhte Wahrscheinlichkeit, später Heuschnupfen, Kontaktekzeme oder Lebensmittelallergien zu entwickeln. Für Heuschnupfen hatten diese Kinder eine um 23 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, für Kontaktekzeme lag sie bei 26 und für Lebensmittelallergien sogar bei 42 Prozent.

Die Forscher fragten auch, ob diese Kinder häufiger positive Pricktests zeigen oder einen höheren Spiegel an spezifischen IgE-Antikörpern im Blut aufweisen. Für diese objektiven Kriterien einer erhöhten Allergie-Anfälligkeit fand sich jedoch kein Zusammenhang.

 

Ethische Dilemmata

Immer wieder ist in der Fachliteratur die Rede von einer erhöhten Allergiegefahr bei frühem Kontakt mit Antibiotika. Gewissheit, ob ein solcher Zusammenhang wirklich besteht, könnten nur doppelblinde randomisierte Studien geben. Doch die Autoren erinnern daran, dass dies aus ethischen Gründen nicht denkbar ist. Schließlich kann man nicht gesunden Kleinkindern Antibiotika verabreichen. Genauso wenig ist es zulässig, aus Forschungsgründen Antibiotika nicht zu geben, wenn sie medizinisch notwendig sind.

Also  versuchte das Forscherteam, Indizien bei einer möglichst großen Patientengruppe zu sammeln. Auf die Schwächen dieser Methode weisen sie selbst hin. So gibt es bei einer so großen Anzahl von Studien natürlich Unterschiede in der Methodik. In einigen Studien fehlten Angaben zur Art und Menge der eingenommenen Antibiotika. Daher war es nicht möglich, Unterschiede in der Allergie-Anfälligkeit zwischen älteren Breitspektrum-Antibiotika und neueren Vertretern der Wirkstoffgruppe herauszufiltern. Einige Studien verließen sich bei der Antibiotika-Gabe und den Allergie-Symptomen auf Angaben der Eltern, obwohl diese sich vielleicht nur ungenau erinnern.

 

Allergien ohne Sensibilisierung

Um diese Unsicherheiten auszuräumen, überprüften die Forscher ihr Ergebnis in mehreren kleinen Untergruppen. Das Resultat bestätigte sich: Die Wahrscheinlichkeit für Heuschnupfen, Kontaktekzeme und Lebensmittelallergien war nach frühem Antibiotika-Kontakt signifikant höher, nicht jedoch die Sensibilisierungsrate. Doch dieses Phänomen, dass Kinder Allergie-Symptome zeigen, ohne sensibilisiert zu sein, ist auch schon in zahlreichen früheren Studien aufgetaucht. Die Frage, warum das so ist, konnte bis heute nicht schlüssig beantwortet werden.

 

Quellen:

Ahmadizar, F. et al.: Early-life antibiotic exposure increases the risk of developing allergic symptoms later in life: A meta-analysis. In: Allergy. 2017;1–16. DOI: 10.1111/all.13332

Abraham et al.: The relationship between seroatopy and symptoms of either allergic rhinitis or asthma. In: J Allergy. Clin Immunol. 2007;119:1099-1104

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