07. November 2017
Nickel, Duft- und Farbstoffe

Körperschmuck und Haarfarbe: Risiken für Kontaktallergien bei Jugendlichen

Piercings sowie der Gebrauch von Hygiene- und Kosmetikprodukten einschließlich Haarfärbemitteln scheinen das Risiko für eine Kontaktallergie zu erhöhen. Dies zeigen Ergebnisse einer schwedischen Studie bei Jugendlichen.

Weibliche Jugendliche mit gefärbten Haaren, Piercings und Tattoos

© Fotolia

Body Piercings und Tätowierungen sind vor allem bei jüngeren Menschen beliebt und haben in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Doch Ärzte warnen immer wieder vor potenziellen Risiken und Komplikationen. Dazu zählen insbesondere Infektionen und deren Folgeerscheinungen. Aber auch Reaktionen des Immunsystems auf den Kontakt mit Fremdkörpern sind möglich, darunter vor allem eine Kontaktallergie (auch Kontaktsensibilisierung), die zu einem Kontaktekzem führen kann.

Um die Risiken von Piercing, Tattoos und anderen Angewohnheiten in Bezug auf die Entwicklung allergischer Hauterkrankungen bei Jugendlichen näher zu untersuchen, wertete eine schwedische Arbeitsgruppe im Rahmen einer großen Bevölkerungs-basierten Studie Fragebögen und Epikutantests aus. Sie suchte dabei nach Zusammenhängen zwischen dem Hautkontakt mit verschiedenen potenziellen Kontaktallergenen und Hautveränderungen sowie nachweisbaren Kontaktallergien. Dazu wurden insgesamt 3115 Jugendliche im Alter von 16 Jahren befragt. Die Web-basierten Fragen bezogen sich auf entsprechende Kontakte zu häufigen Kontaktallergenen. Hierzu zählten Piercing oder Tattoos, der Gebrauch von Kosmetik- und Körperpflegeprodukten einschließlich Haarfärbemitteln sowie damit möglicherweise zusammenhängende Hautveränderungen wie Ekzeme oder juckende Hautausschläge. Bei 2285 Befragten wurde zusätzlich ein Epikutantest durchgeführt, um zu prüfen, ob eine Kontaktsensibilisierung vorlag.

Die Auswertung ergab, dass ein großer Anteil insbesondere der weiblichen Teenager Piercings (55,4 Prozent) hatte oder ihre Haare färbte (50,1 Prozent). Piercings und Hautveränderungen nach Kontakt mit verschiedenen Metallgegenständen waren mit einem erhöhten Risiko für Nickelallergie verbunden. Zudem fand sich ein Zusammenhang zwischen juckenden Hautausschlägen oder Ekzemen infolge des Gebrauchs von Hygieneprodukten oder Make-up und einer Reaktion im Epikutantest auf Duftstoffe (Duftstoff-Mix I). Jugendliche, die ihre Haare färbten, hatten ein erhöhtes Risiko für eine Kontaktallergie auf den Farbstoff para-Phenylendiamin (PPD), ein häufiges Kontaktallergen. Zum Risiko von Tätowierungen waren in dieser Studie keine Aussagen möglich, da nur ein relativ geringer Anteil der Befragten (2,4 Prozent) Tattoos aufwies.

Die Autoren weisen darauf hin, dass die beobachteten Verhaltensweisen ein Risiko für die Entwicklung lebenslanger Kontaktallergien mit sich bringen und zu allergischer Kontaktdermatitis und Handekzemen infolge des beruflichen Kontakts sowie des Gebrauchs von Kosmetik- und Pflegeprodukten führen können. Dies beeinträchtige das Alltagsleben und die Arbeitsfähigkeit. 

 

Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor Allergierisiken

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass Piercings das Risiko erhöhen, gegenüber Nickel sensibilisiert zu werden und eine Kontaktallergie zu entwickeln. In einer weiteren Stellungnahme warnt das BfR zudem vor den Risiken durch Tätowierungen und Permanent Make-up: Hierbei spielen Farbstoffe einschließlich PPD als potentielle Kontaktallergene eine wichtige Rolle.

Quellen:

Lagrelius, M. et al.: A population-based study of self-reported skin exposures and symptoms in relation to contact allergy in adolescents. In: Contact Dermatitis 2017; 77: 242-249

Piercing kann zur Sensibilisierung gegenüber Nickel führen. Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Nr. 046/2008

Gesundheitsgefahren durch Tätowierungen und Permanent Make-up. Aktualisierte Stellungnahme des BfR Nr. 19/2007 vom März 2004

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