06. Februar 2018
Nahrungsmittelallergien

Kuh-Diät gegen Milchallergie?

Ein österreichisches Forschungsteam hat herausgefunden, dass die sogenannte Retinsäure ein wichtiges Kuhmilch-Allergen entschärfen kann. Möglicherweise könne eine Grünfutter-reiche Ernährung der Kuh das Allergiepotenzial der Milch senken, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ‚Scientific Reports‘.

Kuh auf der Weide mit Grünfutter

© Britta und Ralph Hoppe/Fotolia

Die Kuhmilch gehört zu den sieben wichtigsten Nahrungsmittelallergenen in Europa. Eine entsprechende Allergie prägt sich meist im ersten Lebensjahr aus und betrifft rund drei bis fünf Prozent der Kinder. Die Symptome reichen von Mund- oder Schleimhautschwellungen über Durchfälle oder die Verschlechterung einer Neurodermitis bis hin zu einem allergischen Schock – allerdings nur in seltenen Fällen.

Bis zum Erwachsenenalter klingt eine Milchallergie zwar meist ab, aber das Risiko weiterer Allergien oder für allergisches Asthma kann sich erhöhen. Denn im Gegensatz zur mit der Erkrankung häufig verwechselten Laktoseintoleranz, bei der durch das fehlende Enzym Laktat lediglich Milchzucker schlecht verdaut wird, reagiert in diesem Fall das Immunsystem selbst mit einem Abwehrmechanismus gegen Milchproteine. Es kommt zur Bildung von speziellen Immunzellen, die Antikörper gegen die Milcheiweiße produzieren und damit eine potentiell gefährlichere allergische Reaktion auslösen.

Die Autoren der aktuellen Studie konnten nun zeigen, dass das aber nicht immer der Fall sein muss: Sie fanden heraus, dass sich das Milch-Allergen Bos d 5 (auch beta-Lactoglobulin) quasi entschärfen lässt. Dazu muss das Vitamin A-Stoffwechselprodukt Retinsäure an das Allergen andocken. Durch die Bindung in eine bestimmte Proteintasche kann die Retinsäure nämlich die Form von Bos d 5 verändern, sodass das Immunsystem dieses als weniger feindlich einstuft.

Das zeigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Zellkultur: Hatte das Milchallergen Retinsäure gebunden, antworteten die Zellen mit weniger Entzündungsbotenstoffen (Interleukin 10 und 13 sowie Interferon gamma) und es wurden weniger T-Zellen (CD3+ und CD4+) gebildet als ohne Retinsäure.

Hilft mehr Grünfutter für die Kühe?

Eine adäquate Beladung des Milchproteins könnte also verhindern, dass sich Kleinkinder oder auch Erwachsene sensibilisieren und eine Milchallergie entwickeln. Einzige Voraussetzung für diese günstige Reaktion sei, dass die Kühe ausreichend mit Vitamin A versorgt sind, so die Autoren in einer Mitteilung. Das sei beispielsweise durch eine an Grünfutter reiche Ernährung zu erzielen. Ob der positive Effekt von Vitamin A auch durch Nahrungsmittelzusätze erwirkt werden könne, sei fraglich. Entsprechende Folgestudien müssten allerdings noch durchgeführt werden.

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