24. Oktober 2017
Allergenvermeidung

Lebensmittelallergie: Fisch ist nicht gleich Fisch

Ein Wissenschaftsteam aus Norwegen, Schweden und Luxemburg hat die Annahme widerlegt, dass Menschen mit einer Allergie gegen Fischeiweiße am besten vollständigen auf Fisch verzichten sollten. Die Ergebnisse publizierten sie im ‚Journal of Allergy and Clinical Immunology‘.

Verschiedene Fischsorten

©Alexander Raths/Fotolia

Die Zahl der Menschen, bei denen einmal im Leben eine Nahrungsmittelallergie ärztlich festgestellt wird, liegt nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts zwischen 2,9 Prozent bei Männern und 6,4 Prozent bei Frauen. Die Folgen für die Betroffenen können aber mitunter gravierend sein, wie aktuelle Zahlen aus den USA zeigen.

Die Therapie der Nahrungsmittelallergie beruht auf zwei Säulen: der kurzfristigen Behandlung akuter Reaktionen und langfristigen Strategien, um eine Konfrontation mit dem Allergen zu vermeiden. Das ist auch und vor allem für Menschen mit Allergien gegen Fischeiweiß tragisch, da sie dadurch auf wertvolle Omega-3-Fettsäuren, Jod und leicht verdauliche Eiweiße verzichten müssen.

„Gemischte Fischplatte“ für die Probanden

Die aktuelle Studie stellt den grundsätzlichen Verzicht auf Fisch nun aber in Frage. Dazu hatten die Forscherinnen und Forscher insgesamt 35 diagnostizierte Fischallergiker zwischen 5 und 19 Jahren untersucht. Sie wurden gebeten, verschiedene Fischarten zu verkosten. Das geschah doppelt verblindet, also weder dem Patienten noch dem Arzt war bekannt, worum es sich handelte. Möglich waren Kabeljau, Lachs und Makrele oder ein Placebo. Anschließend bestimmte das Team IgE-Antikörper im Blut der Probanden. Diese Moleküle sind verantwortlich für allergische Reaktionen.

Die Tests ergaben, dass rund jeder Dritte (zehn Teilnehmer) auf mindestens eine der drei Fischarten nicht allergisch reagierte. Jucken, Schwellungen und Bläschenbildung im Mundraum waren die häufigsten Symptome. Allerdings war bei 14 der 35 Teilnehmer mehr als ein Organ betroffen, Anaphylaxien kamen aber nicht vor. Am häufigsten und schwersten waren Reaktionen gegen Kabeljau.

In die Studie wurden zudem neuste Erkenntnisse mit aufgenommen: Bisher gingen Forscher davon aus, dass Menschen mit einer Fischallergie vor allem auf Parvalbumin reagieren; ein Eiweiß, das insbesondere in den Muskelzellen weißer Fische vorkommt. In ihrer aktuellen Studie testeten die Forscher nun auch auf Antikörper gegen die Stoffwechselenzyme Enolase und Aldolase, von denen seit kurzem bekannt ist, dass sie ebenfalls eine Überreaktion auslösen können.

Ob eine Allergie gegen mehrere Fischarten (Kreuzallergie) vorliegt, konnten Allergologen bisher nur durch Provokationstests herausfinden, bei denen Betroffenen verschiedene Fischsorten essen mussten, so die Autoren in einer Mitteilung. Die beschriebenen Labortests sind im Gegensatz dazu nicht mit dem Risiko einer allergischen Reaktion für den Patienten verbunden. Die nun untersuchten Antikörper aus dem Blut wären zudem ein gut geeigneter Marker, der solche aufwändigen Untersuchungen ersetzen könne und eine personalisierte Diagnostik ermögliche.

 

Quellen:
Sørensen, M. et al.: Cross-reactivity in fish allergy: A double-blind, placebo-controlled food-challenge trial. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2017, DOI: 10.1016/j.jaci.2017.03.043

Ärztezeitung: Wann Fischallergiker Fisch essen können. Artikel vom 9. Oktober 2017

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