27. Juli 2017
Adipositas

Macht Hausstaub dick?

Bestimmte Substanzen im Hausstaub lösen nicht nur Allergien aus, sie könnten auch zur Fettleibigkeit (Adipositas) beitragen. Zumindest an Mäusen konnte ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der amerikanischen Duke University dies nun erstmals zeigen.

Mann steht auf Waage

© Vladimirs.Koskins/fotolia

Sie testeten bei elf Hausstaubproben und über 40  schwer flüchtige organische Verbindungen (semivolatile organic compounds, SVOCs), die sich im Hausstaub häufig anreichern, den Einfluss auf das Fettgewebe. Ergebnis: Bei zehn Hausstaub-Extrakten und 28 SVOCs ergaben sich im Mausmodell Entwicklungen, die zu einem Anstieg des Körperfetts führten. Hier zeige sich eine neue mögliche Gesundheitsgefahr, schreiben die Autoren.

Es gibt zwei Wege, auf denen chemische Substanzen zum Entstehen von Fettzellen beitragen können: Manche regen direkt deren Produktion an, manche begünstigen die Einlagerung von Nahrungsfetten, den so genannten Triglyceriden, in die Fettzellen. Einige Substanzen im Hausstaub waren im Test in der Lage, sogar beide Prozesse anzustoßen.

Fettzellen-Bildung bei geringen Konzentrationen

Die Forscherinnen und Forscher nahmen Staubproben aus elf Haushalten im US-Bundestaat North Carolina. Sie wählten Personen, die seit mindestens zwei Jahren in ihrer Wohnung oder ihrem Haus lebten, und baten die Bewohner, zwei Tage vor Probenentnahme im Haus nicht zu saugen. Die Staubproben wurden eingefroren, konzentriert und getrocknet.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler testeten die Hausstaubproben mit Hilfe eines Mausmodells, das seit 40 Jahren eingesetzt wird, um Substanzen zu überprüfen, die eventuell den Stoffwechsel beeinflussen könnten. Nach zehn Tagen unter dem Einfluss der Proben prüften sie, ob es einer vermehrten Einlagerung von Triglyceriden oder zur Bildung von Fettzellen gekommen war.  Bei sieben Proben fanden sie eine deutliche Zunahme der Triglyceride, und zwar schon bei sehr geringen Konzentrationen unterhalb von einem Milligramm pro Milliliter, bei neun Proben kam es zur Bildung von Fettzellen. Nur eine Hausstaubprobe zeigte keinen Einfluss auf das Fettgewebe.   

Nach demselben Prinzip untersuchten die Forscher dann mehr als 40  SVOCs. Ihnen allen ist eines gemeinsam: Rückstände werden sehr häufig in Innenräumen festgestellt. Unter den getesteten Stoffen waren Bromidverbindungen, Organophospate, per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFASs),  Phtalate und Pestizide.

Bromidverbindungen kommen zum Beispiel in Flammschutzmitteln und Desinfektionsmitteln vor, Organophosphate außerdem in Kunststoffen, Lacken und Insektenvernichtungsmitteln. Phtalate finden sich als Weichmacher ebenfalls in Kunststoffen, aber auch in Kosmetika und Medikamenten. PFASs werden unter anderem in Outdoor- und Arbeitsbekleidung sowie in Lebensmittelverpackungen verwendet. Insgesamt 28 dieser Substanzen trugen im Laborversuch zum Wachstum des Fettgewebes bei.

Hausstaub ist nicht gleich Hausstaub

Hausstaub ist ein in jedem Wohnraum anders zusammengesetztes Gemisch. Es besteht neben einigen der oben genannten Chemikalien aus vielen verschiedenen Komponenten, zum Beispiel:

  • Milbenkot
  • Textilfasern
  • Pilzsporen
  • Bakterien
  • Nahrungsmittelresten
  • menschlichen und gegebenenfalls tierischen Hautschuppen

Aus ihren Ergebnissen schließen die Forscher, dass dieses Gemisch in fast jeder Zusammensetzung Substanzen enthält, die das Wachstum des Fettgewebes fördern.

Nach Schätzungen der US-Umweltbehörde (Environmental Protection Agency, EPA) nehmen Kinder jeden Tag etwa 50 Milligramm Hausstaub auf. Die das Fettgewebe fördernden Reaktionen spielten sich im Labor bei Konzentrationen ab, die bis zu 16.000-mal geringer waren als diese Dosis. Bei einigen der getesteten Stoffe ist noch unklar, wieviel davon tatsächlich in den Blutkreislauf gelangt und welche Mechanismen im Körper den Prozess steuern. Die Autoren empfehlen hier weitere Studien, um die Abläufe genau analysieren zu können und unter realistischen Bedingungen die Übertragbarkeit dieser Laborergebnisse auf den Menschen zu überprüfen.

 

Quellen:

Kassotis, C. et al.: Characterization of Adipogenic Activity of House Dust Extracts and Semi-Volatile Indoor Contaminants in 3T3-L1 Cells. In: Environ. Sci. Technol., June 7, 2017, DOI: 10.1021/acs.est.7b01788

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