07. Dezember 2018
Erdnussallergie

Mehr Schutz durch eine orale Immuntherapie (OIT)?

Bisher gibt es keine wirksame Behandlung für Menschen mit einer Erdnuss-Allergie. Zwei aktuelle Studien belegen jetzt: Eine orale Immuntherapie kann die Toleranz-Schwelle immerhin anheben. Zwei Drittel der Studienteilnehmer konnten danach kleine Mengen an Erdnüssen essen, ohne allergische Symptome zu entwickeln.

Erdnüsse: Sie können bei Allergikern starke Reaktionen hervorrufen.

© karepa/ fotolia

Menschen mit einer Allergie gegen Erdnüsse reagieren oft schon auf winzige Spuren davon in Lebensmitteln. Die Angst vor einer Anaphylaxie begleitet sie im Alltag. Zwar gibt es bisher keine Therapie, doch ein neuer Ansatz verspricht, das Risiko für Betroffene im Alltag zu mindern. Bei der oralen Immuntherapie (OIT) wird versucht, den Körper langsam an das Allergen zu gewöhnen, indem es „oral“, also über den Mund aufgenommen wird. Das Konzept ähnelt der spezifischen Immuntherapie per Spritze oder Tablette (Hyposensibilisierung) für Personen mit allergischer Rhinitis. Bisher fehlten aber Belege, dass dieses Prinzip auch bei einer Erdnussallergie einen merklichen Effekt hat – und zugleich sicher genug ist. Die Ergebnisse zweier aktueller Studien sind vielversprechend.

Eine Studie, die an mehreren deutschen Zentren durchgeführt wurde, zeigte, dass schon eine relativ geringe Tages-Dosis Erdnussprotein die Toleranz von Allergikern verbessern kann. 62 Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren wurden in zwei Gruppen unterteilt: eine Kontrollgruppe, die ein Scheinmedikament (Placebo) erhielt, und eine Behandlungsgruppe, die täglich ein Präparat aus Erdnussprotein zu sich nahm. Die Dosis wurde allmählich gesteigert, bis sie eine Höhe zwischen 125-250 Milligramm erreicht hatte. Die Behandlung erstreckte sich über 16 Monate. Der Erfolg wurde anschließend durch einen oralen Provokationstest überprüft. 23 der behandelten Kinder vertrugen danach 300 Milligramm Erdnussprotein, was etwa einem Erdnusskern entspricht; 13 von ihnen sogar 4,5 Gramm, also etwa 9 Erdnusskerne. In der Placebogruppe vertrugen nach der Studie lediglich 5 Kinder 300 Milligramm und nur eines 4,5 Gramm. Die Forschenden beobachteten in dieser Studie keinen Unterschied in der Anzahl und Schwere allergischer Reaktionen zwischen beiden Gruppen.

 

Präparat auf dem Prüfstand

An einer weiteren Studie (Phase-3-Studie namens PALISADE) nahmen 500 Kinder mit Erdnussallergie im Alter von 4 bis 17 Jahren teil, an Zentren in Europa und Nordamerika. Auch hier gab es eine Kontroll- und eine Behandlungsgruppe. Die Dosis wurde allmählich bis auf 300 Milligramm Erdnussprotein gesteigert; diese wurde ein halbes Jahr lang verabreicht.

Zu Beginn der Untersuchung vertrug kein Kind mehr als 30 Milligramm Erdnussprotein, was ungefähr einem Zehntel einer Erdnuss entspricht. Zum Abschluss der Studie vertrugen zwei Drittel der Kinder in der Behandlungsgruppe mindestens 600 Milligramm Erdnussprotein. In der Placebogruppe vertrugen nur vier Prozent der Kinder diese Dosis. Durch diese höhere Toleranzschwelle wären Allergiker im Alltag vor schweren Reaktionen durch Spuren von Erdnüssen gefeit.

 

Teils schwere Reaktionen

Der Großteil der Teilnehmenden erlebte im Laufe der Studie allerdings unerwünschte Ereignisse, dies betraf 95 Prozent aller Kinder – also auch viele Kinder, die Placebo erhielten. In der Behandlungsgruppe traten allerdings häufiger moderate bis schwere Ereignisse auf. Zum Vergleich: In der Behandlungsgruppe zeigte jedes Dritte Kind milde Ereignisse, knapp 60 Prozent  moderate; bei 4,3 Prozent (also bei 16 Kindern) traten schwere auf. In der Kontrollgruppe traten bei jedem zweiten Kind milde unerwünschte Ereignisse auf, bei 44,4 Prozent moderate und nur bei einem Kind (0,8 Prozent) schwere. Beim Provokationstest am Ende der Studie war es andersherum: Hier zeigten die Kinder in der Placebo-Gruppe etwa doppelt so häufig moderate sowie schwere Reaktionen wie die behandelten Kinder. Bei unerwünschten Ereignissen handelt es sich um einen Vorfall, der im Rahmen einer klinischen Studie zu einem Arzneimittel bei einer Versuchsperson auftritt. Dies können Nebenwirkungen eines Präparats sein, aber auch andere Symptome, die nur zufällig im Studienzeitraum auftreten.

Die vorliegende Studie wurde von dem US-Unternehmen Aimmune Therapeutics finanziert, das das getestete Präparat entwickelt. Im Laufe des kommenden Jahres will das Unternehmen die Zulassung des Präparates bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) beantragen.

Bei Erwachsenen mit Nahrungsmittelallergie konnte bisher kein relevanter Effekt einer OIT gezeigt werden.

 

Quellen:

Blümchen K., et al.: Efficacy, safety, and quality of life in a multi-center, randomized, placebo-controlled trial of low-dose peanut oral immunotherapy in peanut allergic children. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice (2018), online (abgerufen am 5.12.2018)

AR101 Oral Immunotherapy for Peanut Allergy. In: The New England Journal of Medicine (2018), online abgerufen am 05.12.2018. DOI: 10.1056/NEJMoa1812856

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