05. Januar 2018
Krankheitsverlauf

Neurodermitis – keine „Kinderkrankheit“

Über den Krankheitsverlauf der Neurodermitis gibt es wenige und teils widersprüchliche Daten. Lange galt sie als Erkrankung des Kindesalters, die sich „auswächst“. Eine aktuelle Auswertung der Neurodermitis-Verläufe von über 13.500 Personen bis ins junge Erwachsenenalter kommt zu einem anderen Ergebnis.

Kinder und Jugendliche verschiedener Altersgruppen als Symbol, dass sich Neurodermitis nicht immer auswächst

© MurielleB/fotolia

Bislang wurde Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) häufig als eine Erkrankung angesehen, die sich innerhalb der ersten zwei Lebensjahre erstmals bemerkbar macht, während des Kindesalters schubweise immer wieder zu Symptomen führt und sich in vielen Fällen während des Jugendalters bessert. Über die Faktoren, die beeinflussen, ob sich die atopische Dermatitis nach der Kindheit bessert oder nicht, ist wenig bekannt.

Das Wissenschaftsteam wertete sieben nordeuropäische Langzeit-Studien mit insgesamt 13.515 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Neurodermitis im Alter von drei Monaten bis 26 Jahren aus. Jede der betrachteten Studien erfasste zu drei bis sechs unterschiedlichen Zeitpunkten, wie viele der teilnehmenden Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Neurodermitis litten.

Dabei zeigte sich, dass die Häufigkeit der Hauterkrankung nur um etwa ein Prozent zurückging. Die Studienautorinnen und -autoren schlussfolgern daraus, dass die atopische Dermatitis bei jungen Erwachsene in etwa genauso oft vorkommt wie bei Kindern.


Abheilen der Symptome versus Neuerkrankungen bei Erwachsenen

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich die Neurodermitis nicht bei einigen Kindern im Jugendalter verbessert: Die Studie unterscheidet nicht, ob die Hauterkrankung bei betroffenen Erwachsenen bereits in der Kindheit auftrat. Es ist also möglich, dass sich die Zahl der Kinder, bei denen sich die atopische Dermatitis „auswächst“, und die Zahl derer, die erst im Erwachsenenalter erstmals Neurodermitis-Symptome entwickeln, ausgleichen.

Für die Studienergebnisse spricht dagegen, dass immer mehr Studien genetische Ursachen, die zu einer veränderten Hautbarriere und einem fehlgeleiteten Immunsystem führen, für die Entstehung der Neurodermitis verantwortlich machen. Auch bevölkerungsbasierte Schätzungen gehen davon aus, dass die atopische Dermatitis bei Erwachsenen etwa genauso häufig vorkommt wie bei Kindern.

 

Quelle:

Abuabara, K. et al.: The prevalence of atopic dermatitis beyond childhood: A systematic review and meta-analysis of longitudinal studies. In: Allergy, 2017, DOI: 10.1111/all.13320

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