11. Mai 2018
Kontaktallergien

Nickel: In Deutschland mehr Allergien als in Schweden

In einer internationalen Studie verglichen Forschende, wie viele Menschen in Schweden, Deutschland, den Niederlanden, Italien und Portugal eine Kontaktallergie gegen Metalle wie Nickel haben. Dabei fanden sie große Unterschiede, die sie im Fachmagazin 'Contact Dermatitis' beschreiben.

Foto von Piercings

© chones/fotolia

Das Wissenschaftsteam untersuchte insgesamt 3117 Menschen auf Kontaktallergien gegen Nickel, Kobalt und Chrom. Als Diagnosemethode nutzten sie Epikutantests, auch Patchtest genannt. Insgesamt zeigten 489 Personen eine Reaktion auf mindestens eines der Metalle (15,7 Prozent). Die allermeisten von ihnen reagierten auf Nickel (14,5 Prozent der Teilnehmer). Weit abgeschlagen folgte Kobalt (2,2 Prozent) und schließlich Chrom (0,8 Prozent).

Es gibt ein Nord-Süd-Gefälle

Im Ländervergleich schnitt Portugal am schlechtesten ab, hier zeigten 20 Prozent der Testpersonen eine Reaktion auf mindestens ein Metall. Die niedrigste Rate fanden die Forscher und Forscherinnen in Schweden, mit 8,5 Prozent. Deutschland lag mit 13,9 Prozent im Mittelfeld.

Diese Unterschiede führen die Wissenschaftler darauf zurück, dass der Nickelgehalt von Schmuck in Schweden früher als in den anderen Ländern reguliert wurde. Dort wurde bereits 1990 ein Verbot für Ohrringe eingeführt, die mehr als 0,05 Prozent Nickel enthielten. EU-weit folgte eine entsprechende Regulierung erst 2001. Seit 2007 ist in der REACH-Verordnung festgeschrieben, dass nickelhaltige Piercings nicht mehr als 0,2 Nanogramm (= Milliardstel Gramm) Nickel pro Quadratzentimeter freisetzen dürfen. Die besonders hohen Zahlen allergischer Reaktionen in Portugal, so mutmaßen die Wissenschaftler, könnten an einer unzureichenden Umsetzung dieser Regulierung liegen.

Frauen reagieren öfter auf Nickel

Die Wissenschaftler achteten zudem auf Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen sowie Menschen mit und ohne Piercings. Auf den ersten Blick zeigte sich, dass Frauen wesentlich häufiger eine Kontaktallergie gegen Metalle hatten als Männer. Eine genauere Analyse ergab, dass dies in erster Linie daran liegt, dass Frauen öfter Ohrringe oder andere Piercings tragen als Männer. Männer wie Frauen, die je ein Piercing hatten oder haben, reagierten deutlich öfter auf Nickel als ihre Geschlechtsgenossen ohne Piercing-Erfahrung.

Auch in den Altersgruppen waren Unterschiede zu sehen. So hatten deutlich mehr Menschen über 30 Jahren eine Nickelallergie als Jüngere. Dies könnte ebenfalls auf die Regulierungen zurückzuführen sein. Viele junge Menschen kamen nie in ihrem Leben mit Schmuck in Berührung, der einen hohen Nickelanteil hat.

Quelle:

Schuttelaar M.L.A et al.: Prevalence of contact allergy to metals in the European general population with a focus on nickel sulfate and piercings: The EDEN Fragrance Study. In: Contact Dermatitis. 2018; 1–9.

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