07. Juni 2019
Erdnussallergie

Orale Immuntherapie – rechtfertigt der Nutzen die Risiken?

Die orale Immuntherapie ist eine aufkommende experimentelle Behandlung für Erdnussallergien. Allerdings kann sie mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen. Inwieweit diese im Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen, hat ein internationales Forschungsteam nun geprüft.

Mehrere Erdnüsse liegen auf einem Holztisch, einige davon sind geschält.

© karepa/ fotolia

Für Patienten mit Erdnussallergie ist mittlerweile gut belegt, dass die verfügbaren oralen Immuntherapien (OIT) mit Erdnuss wirksam zu einer Desensibilisierung führen können. Das heißt, sie können eine Toleranz gegenüber gewissen Allergenmengen auslösen. Allerdings ist ebenso gut belegt, dass sie das Risiko für allergische und anaphylaktische Reaktionen erheblich erhöhen.

So lautet das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die verfügbaren Studiendaten zu Wirkungen und Nebenwirkungen von oralen Immuntherapien analysierten. Sie fanden 12 kontrollierte Studien mit insgesamt 1041 Teilnehmenden, deren Durchschnittsalter knapp neun Jahre betrug.

 

Beträchtliche Nebenwirkungen

In diesen Studien zeigte sich, dass die Kinder, die eine OIT erhielten, im Behandlungszeitraum ein etwa dreimal höheres Risiko für eine anaphylaktische Reaktion hatten als Kinder in den Kontrollgruppen. Die Kinder in den Kontrollgruppen erhielten entweder ein Placebo oder gar keine Behandlung im jeweiligen Studienzeitraum. Alle Kinder vermieden es, Erdnüsse zu essen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder in den OIT-Gruppen eine Adrenalinspritze benutzen mussten, war zirka verdoppelt. Auch das Risiko für schwerwiegende andere Nebenwirkungen und nicht-anaphylaktische Reaktionen war unter OIT erhöht.

Dafür „bestanden“ die Kinder nach einer OIT mit einer 12-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit einen oralen Provokationstest, verglichen mit Kindern der Kontrollgruppe. Das heißt, die OIT führte häufiger zu einer Toleranz gegenüber kleinen Erdnuss-Mengen, die im Alltag versehentlich aufgenommen werden können. Die Lebensqualität wiederum unterschied sich nicht deutlich zwischen den beiden Gruppen.  

Die Autorinnen und Autoren schreiben, dass sicherere Ansätze zur Behandlung von Erdnussallergien nötig sind, sowie mehr gute randomisierte kontrollierte Studien, in denen für Patienten wichtige Fragestellungen untersucht werden.

 

Quelle:

Chu, D. K., et al.: Oral immunotherapy for peanut allergy (PACE): a systematic review and meta-analysis of efficacy and safety. In: The Lancet; 393; 10187; S. 2222-2232.

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