03. Juli 2018
Therapieforschung

„Impfung“ zeigt erfolgversprechende Wirkung bei Katzenallergie

Ein neuartiger Therapieansatz in Form einer passiven Impfung mit IgG-Antikörpern kann allergische Reaktionen auf Inhalationsallergene abschwächen. Darauf weisen tierexperimentelle und klinische Studien am Menschen hin, die kürzlich anlässlich des Europäischen Allergiekongresses (EAACI) in München vorgestellt und im Fachjournal ,Nature Communications‘ veröffentlicht wurden.

Illustration mit Antikörpern und Zellen

© ustas - Fotolia

Akute allergische Symptome werden verursacht durch die Vernetzung von Allergen-spezifischem Immunglobulin E (IgE) mit bestimmten Rezeptoren auf der Oberfläche von Immunzellen – eine Reaktion, die durch die Bindung von Allergenen an die IgE-Antikörper ausgelöst wird. Bei der schon seit langem eingesetzten spezifischen Immuntherapie hat man beobachtet, dass im Laufe der Behandlung die Menge eines anderen Typs von Immunglobulinen, nämlich der allergenspezifischen IgG-Antikörper im Körper ansteigt. Man nimmt deshalb an, dass die IgG-Antikörper die Bindung der Allergene an IgE-Moleküle verhindern können, indem sie selbst die Bindungsstellen blockieren.  

Vor diesem Hintergrund hat eine internationale Arbeitsgruppe einen neuartigen Ansatz zur Behandlung von allergischem Schnupfen aufgrund einer Katzenallergie untersucht. Dazu produzierten die Forscher größere Mengen von zwei verschiedenen sogenannten monoklonalen IgG-Antikörpern, die gegen das Hauptallergen „Fel d 1“ von Katzen gerichtet sind. Zunächst untersuchten sie die Effekte an Mäusen, denen sie die Antikörper injizierten. Dieses Vorgehen ist vergleichbar mit einer passiven Impfung, bei der ebenfalls Immunglobuline injiziert werden. Ein Beispiel dafür ist die Gabe von Tetanus-Immunglobulinen zur Verhinderung von Wundstarrkrampf (Tetanus), wenn  eine nicht (ausreichend) geimpfte Person eine Verletzung erlitten hat.

 

IgG-Antikörper verhindern IgE-vermittelte Reaktion

Aufgrund vielversprechender tierexperimenteller Ergebnisse folgte im nächsten Schritt eine randomisierte, doppelblinde Studie an 73 Patienten mit Katzenallergie, bei denen die Effekte einer Injektion der monoklonalen Antikörper mit denen eines Scheinpräparats (Placebo) verglichen wurden.

Sowohl im Mausmodell als auch am Menschen konnte das Forscherteam zeigen, dass die allergische Reaktion schwächer wird, wenn der Anteil an spezifischem IgG im Verhältnis zum IgE (IgG/IgE-Quotient) zunimmt. Dies ließ sich auch bei nasaler Provokation mit Katzenallergenen bestätigen. Schon eine einzige Dosis der blockierenden IgG-Antikörper reichte aus, um die Entwicklung sowohl von gefühlten Symptomen wie auch gemessenen Reaktionen eines allergischen Schnupfens signifikant zu unterdrücken. Dabei war die Wirkung nach acht Tagen vergleichbar mit dem nach Jahren beobachteten Erfolg einer herkömmlichen spezifischen Immuntherapie. Die Effekte der Antikörper im Vergleich zu Placebo spiegelten sich auch bei der Überprüfung im Pricktest sowie in verschiedenen Labortests wider. Das Ansprechen blieb zwölf Wochen erhalten. Die Antikörpertherapie wurde allgemein gut vertragen.

Den Autoren zufolge weisen diese Ergebnisse auf einen neuartigen Ansatz in der Behandlung allergischer Erkrankungen hin. Durch direkte Verabreichung menschlicher anti-allergener Antikörper, die die Bindung einer Vielzahl allergenspezifischer IgE-Antikörper an Allergene blockieren, könnte in Zukunft bei Betroffenen eine rasche und bedeutsame Symptomlinderung erreicht werden. Die Anwendung auf weitere Allergene könnte dann auch einen wichtigen Beitrag zur personalisierten Allergiebehandlung leisten.

 

Quellen:

Orengo, J.M., et al.: Treating cat allergy with monoclonal IgG antibodies that bind allergen and prevent IgE engagement. In: Nat Comm 2018; 9: 1421

Shamji, M.: Cat allergen-specific IgG4 as a biological. European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) Kongress, München; mündlicher Vortrag am 28.05.2018

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