29. März 2019
Forschung

Pflaster gegen Erdnussallergie

Eine internationale Studie hat den Nutzen einer Pflaster-Immuntherapie gegen Erdnussallergie geprüft. Gut ein Drittel der behandelten Kinder tolerierten danach kleine Mengen des Allergens. Die Bewertung des Therapieansatzes fällt unterschiedlich aus.

Eine junge blonde Frau lehnt eine Schale mit Erdnüssen ab

© Albina Glisic/ fotolia.com

Momentan ist die einzig mögliche Behandlung einer Erdnussallergie die strikte Auslassungsdiät. Eine große internationale (Phase 3)-Studie prüfte die Wirksamkeit einer spezifischen Immuntherapie, bei der die Allergene über die Haut aufgenommen werden. Diesen Therapieansatz bezeichnet man auch als epikutane Immuntherapie (EPIT).

An der Studie nahmen 356 Kinder mit Erdnussallergie teil. Ihr Durchschnittsalter betrug sieben Jahre. Zu Beginn wurde mit einer Lebensmittelprovokation ermittelt, bei welcher Mindestmenge von Allergenen  bereits Beschwerden auftraten. So konnten die Forschenden sehen, ob sich die Toleranzschwelle eines Kindes während der Studie nennenswert veränderte.

Zwei Drittel der Kinder erhielten täglich ein neues Hautpflaster, das 250 Mikrogramm Erdnussprotein enthielt. Die Zeit pro Tag, in der sie das Pflaster trugen, wurde nach und nach verlängert. Ein Drittel der Kinder erhielten ein Pflaster ohne Allergene (Placebo-Gruppe).

 

Positive Ergebnisse, aber nicht so aussagekräftig wie erwartet

Die Allergen-Pflaster zeigten bei 35,5 Prozent der behandelten Kinder eine positive Wirkung. Diese Kinder vertrugen nach einem Jahr Behandlung mindestens 300 Milligramm Erdnussprotein, was in etwa einem Erdnusskern entspricht. Allerdings gab es auch in der Placebo-Gruppe Kinder, deren Toleranz im Studienverlauf deutlich anstieg. In dieser Gruppe vertrugen 13,6 Prozent danach etwa einen Erdnusskern.

Der Unterschied zwischen den Gruppen war zwar deutlich (statistisch signifikant), fiel jedoch nicht so groß aus wie erhofft. Zum einen ist eine Therapie-Ansprechrate von 35 Prozent nicht besonders hoch. Zum anderen ist die Aussagekraft der Studie schwächer als erwartet, da zuvor von den Forschenden festgelegte Bedingungen im Hinblick auf den Vertrauensbereich (Konfidenzintervall) nicht erfüllt waren.

 

Keine Heilung, aber weniger Risiko

Da es bisher keine ursächliche Therapie gibt, sind die Ergebnisse dennoch bedeutsam. Zudem waren die unerwünschten Ereignisse in der Studie überschaubar. Sie bestanden hauptsächlich aus lokalen Hautreaktionen wie Juckreiz oder Rötung durch das Pflaster. Es gab zehn mittelschwere anaphylaktische Reaktionen, die mit der Behandlung in Zusammenhang gebracht wurden.  

Das Ziel des Behandlungsansatzes ist nicht, dass Menschen mit Allergie ganz normal Erdnüsse essen können. Vielmehr will man deren Risiko im Alltag senken, eine schwere allergische Reaktion zu erleiden, wenn sie das Allergen auch nur in Spuren zu sich nehmen. Ein weiterer Ansatz, der momentan erforscht wird, ist die orale spezifische Immuntherapie (OIT), bei der Erdnussprotein über den Mund aufgenommen wird. Hier ist die Ansprech-Rate höher, allerdings auch die Rate an unerwünschten Ereignissen.

 

Quelle:

Fleischer, D. M. et al: Effect of Epicutaneous Immunotherapy vs Placebo on Reaction to Peanut Protein Ingestion Among Children With Peanut Allergy - The PEPITES Randomized Clinical Trial. In: JAMA. 2019;321(10) S. 946-955. doi:10.1001/jama.2019.1113

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