05. Mai 2017
Asthma-Entstehung

Phthalate als Risikofaktor für allergisches Asthma bei Kindern?

Sind schwangere Frauen Phthalaten ausgesetzt, kann dies bei ihrem Ungeborenen deutlich das Risiko erhöhen, allergisches Asthma zu entwickeln. Dies fand eine Forschergruppe heraus, die Urinproben von Schwangeren auf Phthalat-Rückstände untersuchte. Anschließend beobachtete sie, ob die Kinder allergisches Asthma entwickelten.

Kleiner Junge mit allergischem Asthma verwendet Asthmaspray

© taborsky/fotolia

Im Rahmen der LINA-Studie (Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluss auf das Neugeborenen-Allergierisiko) untersuchten die Forscherinnen und Forscher Urinproben werdender Mütter auf zehn verschiedene Abbauprodukte von Phthalaten. Anschließend erfassten sie, ob bei den neugeborenen Kindern in den ersten sechs Lebensjahren allergisches Asthma ärztlich festgestellt wurde. Insgesamt wurden die Daten von 371 Mutter-Kind-Paaren analysiert.

Das Forscherteam stellte fest, dass deutlich mehr Kinder Asthma entwickelten, wenn ihre Mütter einen erhöhten Gehalt des Abbauprodukts Mono-n-butylphthalat (kurz: MnBP) im Urin aufwiesen. MnBP erhöhte auch das Risiko einer Sensibilisierung gegenüber Allergenen aus der Luft (zum Beispiel Baum- oder Gräserpollen). Bei anderen Phthalat-Rückständen zeigten sich dagegen keine aussagekräftigen Zusammenhänge mit dem Asthma-Risiko.

Was steckt hinter dem erhöhten Asthma-Risiko?

Wie es zu dem erhöhten Risiko für allergisches Asthma kommt, fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch eine Untersuchung an Mäusen heraus. Sie erhielten während der Trächtigkeit oder während Trächtigkeit und Säugezeit Phthalate über das Trinkwasser. Der Gehalt an BnBP im Urin der Mäuse war vergleichbar mit denen der stark belasteten Frauen der LINA-Studie.

Bei den Mäusen veränderte das Phthalat-Abbauprodukt Erbgut-Bereiche, die an der Steuerung des Immunsystems beteiligt sind. Diese Veränderungen beeinflussten bei den Nachkommen der Mäuse die Schwere allergischer Atemwegsentzündungen, aus denen sich allergisches Asthma entwickeln kann. Diese ließen sich auch bei der Enkelgeneration der während Trächtigkeit und Säugezeit MnBP-belasteten Mäuse nachweisen. 

Ähnliche Erbgut-Veränderungen wie bei den Mäusen fanden die Forscher auch im Blut der untersuchten Kinder mit Asthma. Die Forschergruppe geht davon aus, dass Phthalate auch die Entstehung weiterer Erkrankungen, bei denen das körpereigene Abwehrsystem eine Rolle spielt, beeinflussen können. An dieser Fragestellung wird weiterhin geforscht.

Was sind Phthalate?

Phthalate sind verschiedene chemische Verbindungen, die in der Industrie vorwiegend als Weichmacher für Kunststoffe (insbesondere PVC) dienen. Sie kommen in vielen Alltagsgegenständen vor – zum Beispiel in Bodenbelägen und Tapeten, Kinderspielzeug, Sportgeräten, kunststoffbeschichteten Verpackungsmaterialien und Kosmetika.

Phthalate lösen sich aus dem Kunststoff heraus, wenn dieser mit Wasser oder Fett in Berührung kommt – zum Beispiel beim Kontakt mit der Haut oder mit Lebensmitteln. Zudem gelangen sie in die Luft und können eingeatmet werden. Der Mensch ist Phthalaten daher sein gesamtes Leben ausgesetzt – sogar im Mutterleib.


Quelle:
Jahreis, S. et al.: Maternal Phthalate Exposure Promotes Allergic Airway Inflammation over Two Generations Via Epigenetic Modifications. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, doi: 10.1016/j.jaci.2017.03.017


Weitere Informationen zu Phthalaten stellt zum Beispiel das Bundesinstitut für Risikobewertung bereit.

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