09. Mai 2017
Allergieforschung mit dem Flugzeug

Pollen fliegen höher und weiter als angenommen

Pflanzenpollen und Pilzsporen finden sich überall in der Luft, auch in Höhen über 2000 Metern. Das berichten Forscherinnen und Forscher im Fachmagazin ‚Scientific Reports‘. Bisher ging man davon aus, dass solche Allergenträger vor allem dort vorkommen, wo sie freigesetzt werden, nämlich in der Nähe des Bodens.

Flugzeug

Mit Hilfe eines Flugzeugs fanden die Wissenschaftler sogar Pollen in 2000 Metern Höhe. Quelle: Dr. Athanasios Damialis

Pflanzenpollen und Pilzsporen sind bedeutende Auslöser von Allergien der Atemwege. Diese sind in industrialisierten Ländern weit verbreitet: Etwa ein Drittel der Erwachsenen und bis zu 50 Prozent der Kinder leiden an Heuschnupfen und/oder allergischem Asthma bronchiale.

Um die Betroffenen rechtzeitig auf die zu erwartende Allergenbelastung vorzubereiten, werden mancherorts die Konzentrationen solcher luftgetragenen Allergene regelmäßig erfasst und in verschiedenen Medien als Pollenflugvorhersagen veröffentlicht. Die Messstationen liegen hauptsächlich in stadtnahen, dicht bevölkerten Gegenden. Die Pollenquellen befinden sich jedoch häufig außerhalb der Städte, wo die pflanzliche Vegetation üppiger ist.

Um Informationen zur Verbreitung von Pollen über große Entfernungen zu sammeln, untersuchte das Forscherteam in der aktuellen Arbeit, welche Pollen wie oft in den unterschiedlichen Zonen der Atmosphäre vorkommen. Dazu sammelten die Forscherinnen und Forscher Luftproben und zwar sowohl auf Höhe des Meeresspiegels als auch in Höhen von bis zu 2000 Metern ‑ mit Hilfe eines Flugzeugs. Eine solche Untersuchung der Pollen- und Pilzsporenverteilung in der Atmosphäre ist den Autoren zufolge weltweit bisher einzigartig.

Bemerkenswert war, dass sich auch in Höhen von 2000 Metern zahlreiche Luftallergene fanden. Dabei nahm die Häufigkeit und Vielfalt der Pollen- und Sporenarten mit der Höhe tendenziell zu.

Diese Ergebnisse widerlegen den weit verbreiteten Mythos, dass Pollen und Pilzsporen in der Außenluft nur von nahe gelegenen Quellen stammen und daher auch nur in deren näherer Umgebung allergische Symptome auslösen. Sie zeigen vielmehr, dass die Inhalationsallergene über große Entfernungen verbreitet werden und nahezu überall wie auch in Höhen von bis zu mehreren Kilometern vorkommen können. Das bedeutet auch, dass sich der Kontakt mit Allergenträgern in der Luft nicht vollständig ausschließen lässt.

 

Quellen:

Damialis, A. et al.: Estimating the abundance of airborne pollen and fungal spores at variable elevations using an aircraft: how high can they fly? In: Scientific Reports, 2017, DOI: 10.1038/srep44535

Helmholtz Zentrum München: Pollenjagd mit dem Flugzeug: Sie sind überall. Pressemitteilung vom 3. April 2017

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