22. Juni 2018
Kreidezähne

Raue Haut, raue Zähne?

Kinder, die Neurodermitis oder Nahrungsmittelallergien haben, sind deutlich öfter von Kreidezähnen betroffen als andere. Darauf weist eine aktuelle Studie aus Spanien hin, die im Fachmagazin ‚Journal of Clinical Pediatric Dentistry‘ erschienen ist. Dies könnte heißen, dass diese Kinder eine engmaschigere Zahnvorsorge benötigen.

Mädchen beim Zahnarzt

© Ilshat/Fotolia

Kreidezähne heißen so, weil sie entfernt an Kreide erinnern. Anders als gesunde Zähne sind sie nicht glatt sondern matt und rau, denn der Zahnschmelz ist schlecht entwickelt. In der Fachsprache spricht man von „Molare-Inzisive-Hypomineralisation“ (MIH). Der Ausdruck beschreibt, dass sowohl die Backen- als auch die Schneidezähne nicht ausreichend mineralisiert sind.

Solche Kreidezähne sind anfälliger für Karies. Sind die Zähne besonders instabil und brüchig, können sogar unabhängig von Bakterien Löcher entstehen. Es scheint, dass Kreidezähne häufiger werden, auch bei Kindern in Deutschland. Je nach Erhebung werden sie bei bis zu 29 Prozent der Kinder entdeckt, in unterschiedlichen Schweregraden.

Eine aktuelle Studie zeigt jetzt eine Assoziation zwischen dem mangelhaften Zahnschmelz und den Erkrankungen Neurodermitis (atopische Dermatitis) und Nahrungsmittelallergien. Ein Wissenschaftsteam aus Barcelona, Spanien, hat dafür 705 Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren untersucht. Bei 56 von ihnen (knapp 8 Prozent) fanden sie Kreidezähne. Die allermeisten dieser Kinder litten entweder an Neurodermitis oder an einer Nahrungsmittelallergie.

Fluorid und regelmäßige Untersuchungen

Eine frühere Studie hatte bereits einen Zusammenhang zwischen Asthma und Kreidezähnen angedeutet. Noch sind die Ursachen für die schlechte Zahnschmelzentwicklung ungeklärt. Erklärungsversuche reichen von Bisphenol-A, einem Bestandteil in einigen Plastikprodukten, das im Tiermodell die Zahnschmelzentwicklung hemmt, über bis hin zu bestimmten Infekten oder Medikamenten im Kleinkindalter. Der Aufbau des Zahnschmelzes ist bis etwa zum vierten Lebensjahr abgeschlossen und kann danach nicht mehr verbessert werden.

Das heißt, Kreidezähne können nicht „geheilt“ werden. Es gibt aber Empfehlungen um die Zähne länger zu erhalten. Dazu gehört, sie regelmäßig mit fluoridhaltiger Zahnpasta und Fluoridlack-Behandlungen beim Arzt zu stärken. Treten Löcher auf oder brechen Zähne ab, müssen sie durch Füllungen oder Kronen behandelt werden.

Weitere Studien sind nötig, um zu klären, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen atopischen Erkrankungen und MIH besteht. Bestätigt er sich, wäre es ratsam, Kinder mit Allergien oder Neurodermitis besonders engmaschig beim Zahnarzt untersuchen zu lassen. Bestätigt sich der Zusammenhang, wäre dies vielleicht auch eine erste Spur, um die Entstehung und die Ursachen der Kreidezähne aufzudecken. 

 

 

Quellen:

Hernandez, M. et al: Molar-Incisor Hypomineralization: Positive Correlation with Atopic Dermatitis and Food Allergies. In Journal of Clinical Pediatric Dentistry. 2018 May 15. doi: 10.17796/1053-4625-42.5.4.

Gonçalves Tourino, L. F. P., et al.: Association between Molar Incisor Hypomineralization in Schoolchildren and Both Prenatal and Postnatal Factors: A Population-Based Study. In PLoS One. 2016; 11(6). doi: 10.1371/journal.pone.0156332

Bekes, K.: Ätiologie und Therapie von MIH-Zähnen. In ZWP online, 2015

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