21. September 2017
Schwere allergische Reaktionen

Starke Zunahme von Anaphylaxien bei Lebensmittelallergien in den USA

Von 2007 bis 2016 haben anaphylaktische Reaktionen auf Nahrungsmittel in den USA drastisch zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der US-amerikanischen Nonprofit-Organisation FAIR Health. Der Studie liegen die Versichertendaten von 150 Millionen privatversicherten US-Amerikanern zugrunde. Weitere Daten aus der Studie sollen in Kürze in einem White Paper veröffentlicht werden.

Eier, Erdbeeren, Brötchen und andere Lebensmittel, mit der Lupe vergrößert

© udra11/fotolia

Anaphylaxien bezeichnen in der Fachsprache akut auftretende allergische Reaktionen. Bekannt ist vor allem der umgangssprachlich so bezeichnete „anaphylaktische Schock“, bei dem Atemnot, Blutdruckabfall sowie Herz- und Kreislaufversagen binnen Minuten nach Kontakt mit einem Allergen zu einer lebensbedrohlichen Lage führen können.

Anaphylaktische Reaktionen auf Lebensmittel haben sich in den USA der aktuellen Studie von FAIR Health zufolge in den letzten zehn Jahren nahezu verfünffacht. Die Untersuchung beruht auf insgesamt 24 Milliarden Versicherungsansprüchen, die die Privatversicherten geltend gemacht hatten. Der Anteil der Versicherten mit einer diagnostizierten anaphylaktischen Nahrungsmittelreaktion stieg von knapp 5 Prozent im Jahr 2007 auf gut 22 Prozent im Jahr 2016. Den höchsten Anteil darunter hatten Reaktionen nach Erdnussverzehr (26 Prozent), gefolgt von Baumnüssen und Samen (18 Prozent), Hühnereiweiß und Krustentieren (7 und 6 Prozent).

Über ein Drittel der Anaphylaxien treten bei Erwachsenen auf

Besonders überraschte die Wissenschaftler die Altersverteilung der dokumentierten Anaphylaxien - 34 Prozent waren Erwachsene über 18 Jahren. Daher müsse überprüft werden, wie hoch der Anteil von Allergien tatsächlich ist, die sich bis zum Erwachsenenalter wieder auflösen, so die Autoren.

Als denkbare Gründe für den Anstieg anaphylaktischer Reaktionen insbesondere auf Erdnussverzehr nennen die Wissenschaftler den häufigeren Einsatz von Antibiotika, die Zunahme von Kaiserschnittgeburten und eine zunehmend sterile Wohnumgebung. All dies könne die Darmflora und damit auch die frühkindliche Entwicklung des Immunsystems beeinflussen. Ein weiterer Grund könne darin liegen, dass Ärzte Eltern von Risikokindern bis vor kurzem empfohlen hatten, in der Kinderernährung potentiell allergene Nahrungsbestandteile wie Erdnüsse zu vermeiden.

FAIR Health hat angekündigt, in Kürze weitere Ergebnisse aus ihrer Untersuchung zu veröffentlichen.

 

Quellen:
Gelburd, R.: Food Allergies: New Data on a Growing Health Issue. online publiziert August 2017 (letzter Abruf: 21.09.2017)

FAIR Health: Claim Lines with Diagnoses of Anaphylactic Food Reactions Climbed 377 Percent from 2007 to 2016. – Pressemitteilung vom 22.08.2017

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