17. April 2018
Neurodermitis

Übungen gegen das Kratzen

Verhaltenstherapeutische Übungen eignen sich gut, um bei Kindern den für Neurodermitis charakteristischen Kreislauf aus Jucken und Kratzen zu durchbrechen. Das ist das Ergebnis einer kleinen randomisierten Studie aus Schweden, die im Fachmagazin British Journal of Dermatology veröffentlicht wurde.

Asiatischer Junge presst die Zeigefinger gegen die Wangen, um bei Neurodermitis das Kratzen zu verhindern.

© Wong Sze Fei/fotolia

Wenn bei Kindern mit Neurodermitis die Haut juckt, verschafft Kratzen ihnen zunächst schnelle Erleichterung. Doch dabei wird die Haut verletzt, reagiert früher empfindlich, der Juckreiz verstärkt sich und das Kratzen wird häufiger. Ein schwedisches Forscherteam hat jetzt an Kindern zwischen 5 und 13 Jahren erprobt, ob das Erlernen einfacher Alternativstrategien gegen das Kratzen zusätzlich zum Auftragen einer steroidhaltigen Creme wirkungsvoller ist als das Eincremen alleine.

 

Fäuste ballen oder kneifen

39 Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Während in der Kontrollgruppe die Eltern nur die Anweisung erhielten, das Kind 30 Minuten am Tag intensiv zu beobachten und betroffene Hautstellen täglich mit Steroidcreme (Mometasonfuroat)zu behandeln, wurden die Eltern in der Interventionsgruppe zusätzlich angehalten, mit dem Kind alternative Verhaltensweisen einzuüben. Statt zu kratzen sollten die Kinder zunächst 30 Sekunden lang die Fäuste ballen und  dann die juckende Stelle leicht kneifen und den Fingernagel hineinpressen. Dies schädigt die Haut nicht und die Kinder machen trotzdem die Erfahrung, dass der Juckreiz nachlässt. Statt das Kratzen zu verbieten, sollten die Eltern die Kinder jedes Mal loben, wenn sie die neu erlernten Alternativmethoden anwendeten.

Diese Methode, bekannt als Habit-Reversal-Training (HRT), hat bei Erwachsenen in mehreren Studien den Hautzustand verbessert. Die schwedischen Forscher konnten nachweisen, dass auch bei Kindern die Kombination aus HRT und Steroidbehandlung deutlich besser funktionierte als die Steroidbehandlung alleine.

 

Hautzustand verbessert

Zu Beginn der Behandlung und jeweils nach drei und acht Wochen wurde in beiden Gruppen der Hautzustand anhand objektiver Kriterien (Scoring Atopic Dermatitis, SCORAD) von einem Dermatologen eingestuft. Für eine schwere Neurodermitis steht ein SCORAD-Wert von 41 und mehr Punkten, eine leichte Erkrankung liegt bei weniger als 15 Punkten vor. Vor Beginn der Behandlung war der SCORAD in beiden Gruppen in etwa gleich (39,7 und 37,7 Punkte). Das heißt, die Kinder hatten alle eine mittelschwere bis schwere Neurodermitis. Nach drei Wochen hatte sich in der Interventionsgruppe der Hautzustand um durchschnittlich 31, 9 Punkte verbessert. Diese Kinder hatten nur noch eine leichte Neurodermitis. In der Kontrollgruppe, in der nur Cortisoncremes angewandt wurden, sank der SCORAD lediglich um 23,9 Punkte. Er lag also bei 13,8, nahe an der Grenze zwischen leichter und mittelschwerer Neurodermitis.

Auch der Langzeiteffekt spricht für die Anwendung von HRT. Nach acht Wochen hatte die Interventionsgruppe noch immer einen im Durchschnitt um 31,7 Punkte niedrigeren SCORAD-Wert als zu Beginn. Bei der Kontrollgruppe betrug die Verbesserung nur noch 19,7 Punkte, das heißt, die Kinder hatten hier die Grenze zwischen leichter und mittelschwerer Neurodermitis schon wieder überschritten.

 

Quelle: Noren, p. et al.: The positive effects of habit reversal treatment of scratching in children with atopic dermatitis: a randomized controlled study. In: British Journal of Dermatology, Vol. 178, Nr. 3, März 2018, S. 665-674

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