03. November 2017
Atopisches Ekzem

UV-Licht bei Neurodermitis – Fluch oder Segen?

Welchen Einfluss hat die UV-Strahlung der Sonne auf Neurodermitis? Dazu gibt es widersprüchliche Studienergebnisse. Ein Wissenschaftsteam aus Korea beobachtete nun, wie sich die Neurodermitis-Symptome bei Kindern bis sechs Jahre im Verlauf eines Jahres abhängig von der UV-Strahlung verändern.

Kind mit Neurodermitis im Herbst bei Sonnenlicht

© Martin Novak/fotolia

82 Kinder mit Neurodermitis aus Seoul nahmen von September 2013 bis August 2014 an der Studie teil. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmten den Schweregrad der Symptome und das Gesamt-IgE sowie das spezifische IgE gegen verschiedene häufige Nahrungsmittelallergene und Allergene aus der Luft im Blut.

Die Eltern beziehungsweise andere Betreuungspersonen notierten täglich die Neurodermitis-Symptome wie Juckreiz, Schlafstörungen oder Rötungen der Haut in einem Symptomtagebuch. Die UV-Strahlung erfassten die Forschenden mit Thermosäulen an 25 Standorten und verglichen die UV-Belastung mit den Symptomtagebüchern.


Sonne beeinflusst Neurodermitis-Symptome nicht immer gleich

Insgesamt zeigte sich, dass das Sonnenlicht die Haut beeinflussen kann.  Je nach Jahreszeit waren die Auswirkungen auf die Neurodermitis-Symptome jedoch unterschiedlich: Während sich die atopische Dermatitis im Herbst an sonnigen Tagen eher verschlechterte, war der Hautzustand an sonnenreichen Wintertagen besser. Interessanterweise zeigte sich im Sommer kein statistisch eindeutiger (signifikanter) Effekt, obwohl die UV-Einstrahlung in dieser Zeit am höchsten war.

Die genauen Gründe für diese Unterschiede konnte die Studie nicht aufdecken. Die Forschenden vermuten aber, dass ein angepasstes Verhalten der Patienten dafür verantwortlich sein könnte: Im Sommer vermieden die Kinder direkte Sonneneinstrahlung und schützen sich durch entsprechende Kleidung und Sonnencreme. Im Herbst, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, könnten sich die Patienten dagegen eher ungeschützt in der Sonne aufhalten – mit dem Effekt, dass die Haut mit mehr UV-Strahlung in Kontakt kommt, als während der Sommermonate.

Im Winter ist die Intensität der UV-Strahlung geringer. Die geringen Dosen könnten daher die Haut im Gegensatz zu den höheren Dosen im Herbst positiv beeinflussen.


Ergebnisse durch andere Studien gestützt

Die Ergebnisse der koreanischen Studie decken sich mit denen verschiedener älterer Untersuchungen, zum Beispiel aus Deutschland oder den USA, die ebenfalls eine Verschlechterung der Neurodermitis-Symptome beziehungsweise eine schlechtere Symptomkontrolle bei verstärkter UV-Strahlung beobachtete hatten.

Dagegen deuten andere Studien aus den USA und Australien darauf hin, dass Kinder, die in Regionen leben, in denen die Sonnenstrahlung das ganze Jahr über stark ist, seltener eine atopische Dermatitis entwickeln. Das Wissenschaftsteam aus Korea zieht daraus die Schlussfolgerung, dass eine hohe Sonneneinstrahlung möglicherweise das Risiko senkt, neu an Neurodermitis zu erkranken. Ein bereits bestehendes atopisches Ekzem scheint die UV-Strahlung dagegen eher zu verschlechtern.

Eine Schwäche der koreanischen Studie ist unter anderem, dass nicht die exakte UV-Einstrahlung gemessen wurde, der jedes einzelne Kind ausgesetzt war. Außerdem wurden Einflussfaktoren aus Innenräumen nicht in die Untersuchung einbezogen.

 

Quelle:

Kim, Y-M. et al.: Impact of solar ultraviolet radiation on atopic dermatitis symptoms in young children: A longitudinal study. In: Pediatr Allergy Immunol, 2017, 28:551-556

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