21. Juli 2017
Atopische Dermatitis

Warum Neurodermitis im Sommer besonders jucken könnte

Aktuell diskutieren mehrere deutsche Medien die Frage, ob bei manchen Menschen mit Neurodermitis die Haut im Sommer stärker betroffen ist. Die Frage wurde durch eine Publikation aufgeworfen, die zeigt, dass ein Mix aus Pollen und UV-Strahlung Hautzellen zusetzt.

Wald, Sonne, Pollen

© Fotolia/John Smith

Neurodermitis, auch bekannt als atopisches Ekzem, gilt als Zivilisationskrankheit und kommt häufig in hoch entwickelten Industrienationen vor. Sie ist die häufigste chronische Hauterkrankung: In Deutschland erhob das Robert Koch-Institut letztmals zwischen 2009 und 2012 die Zahl der von Neurodermitis betroffenen Kinder. In der Befragung zeigte sich, dass 14,3 Prozent aller Kinder mindestens einmal an Neurodermitis erkrankt waren. Aktuelle Schätzungen gehen mittlerweile von rund 20 Prozent betroffener Kinder aus.

Zu den Symptomen hinzu kommt, dass die Krankheit als die Eintrittspforte für die „Karriere“ der Allergiker angesehen wird. Oft entstehen erst durch die Barrierestörung der Haut eine Sensibilisierung und eine manifeste Allergie. Deswegen ist es wichtig, einer Neurodermitis vorzubeugen. Neben dem üblichen Stufenschema der Neurodermitis-Therapie gibt es weitere Behandlungsstrategien, darunter auch Aufenthalte an sonnenreichen Orten.

Mix aus Pollen und UV-Strahlen sorgt für Entzündung

Doch gerade im Sommer könnten manche Neurodermitiker besonders betroffen sein, wie die nun diskutierte Publikation im Fachmagazin ‚Experimental Dermatology‘ zeigt. Im offiziellen Publikationsorgan der European Immunodermatology Society und Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung  konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nämlich zeigen, dass die Kombination aus Pollen und den energiereicheren UV-B- Strahlen in menschlichen Hautzellen besonders heftige Reaktionen auslösen kann.

Sie gehen zurück auf das sogenannte Inflammasom: Dieser Eiweißkomplex steckt in menschlichen Zellen und gehört zum angeborenen Immunsystem. Durch Anwesenheit der Pollen löst das Inflammasom eine Entzündungsreaktion aus. Dabei mache es keinen Unterschied, ob es sich um Pollen von Ambrosia, der Birke oder Gräsern handelte, so die Autoren. Kombinierten die Wissenschaftler diesen Reiz mit UV-B-Strahlen, so steigerte sich die Entzündungsreaktion noch und war stärker als bei den beiden Einzelkomponenten. Konkret wurde die Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen, sogenannten Interleukinen, gemessen.

Einschränkend muss man sagen, dass diese Ergebnisse auf Experimente aus der Grundlagenforschung mit menschlichen Hautzellen zurückgehen. Inwiefern sie sich in Patienten bestätigen, müssen künftige Untersuchungen zeigen.

Quelle:
Dittlein, D. et al.: Pollen and UV-B radiation strongly affect the inflammasome response in human primary keratinocytes. In: Experimental Dermatology, 2017, DOI: 10.1111/exd.13120

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