17. Oktober 2017
Epidemiologische Daten zur Allergieprävention

Welchen Einfluss hat Nahrungsmittel-Vielfalt im ersten Lebensjahr auf das Allergierisiko?

Kürzlich veröffentlichte Langzeitergebnisse einer großen deutschen Bevölkerungsstudie zeigen keine eindeutigen Hinweise darauf, dass vielfältige Beikost im ersten Lebensjahr das Risiko für allergische Erkrankungen senkt.

Bild mit vielfältigen Arten von Nahrungsmitteln

© Okea-Fotolia

Bei Kindern mit hohem Allergierisiko scheint die frühe Einführung von bedeutenden Lebensmittelallergenen wie Erdnuss oder Ei im Hinblick auf die spätere Entwicklung von Nahrungsmittelallergien vorbeugend zu wirken. Darauf weist eine Reihe kürzlich publizierter klinischer Studiendaten hin. Deshalb wird diskutiert, ob die Empfehlungen in der S3-Leitlinie Allergieprävention geändert werden sollen. Dort heißt es unter anderem, dass „es für einen präventiven Effekt durch die Einführung potenter Nahrungsmittelallergene vor dem vollendeten vierten Lebensmonat derzeit keine gesicherten Belege gibt“.

Darüber hinaus gibt es Hinweise aus zwei Studien dafür, dass eine große Nahrungsmittel-Vielfalt bei der Zufütterung im ersten Lebensjahr vor der späteren Entwicklung allergischer Erkrankungen bei Kindern schützen könnte. Diese Daten basieren allerdings auf ausgewählten Patientengruppen und konnten ursächliche Zusammenhänge methodisch bedingt nicht schlüssig belegen. 

Eine Arbeitsgruppe vom Helmholtz Zentrum München in Zusammenarbeit mit der Universität München und weiteren Einrichtungen hat zu diesen Fragestellungen ebenfalls umfangreiches Datenmaterial aus Deutschland ausgewertet. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen wurden vor kurzem in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Daten basieren auf der Bevölkerungsstudie LISAplus. In den Jahren 1997 bis 1999 dokumentierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ernährung und den Gesundheitszustand bei Kindern im Alter bis zu sechs Monaten. In den Folgejahren wurden die Kinder weiter beobachtet.

 

Keine eindeutige Risikoreduktion durch vielfältige Ernährung

Mittlerweile liegen Langzeitdaten von mehr als 2.500 teilnehmenden Kindern bis zu einem Alter von 15 Jahren vor. Sie erlauben Rückschlüsse auf Basis einer großen Teilnehmerzahl und eines langen Beobachtungszeitraums. Die Arbeitsgruppe untersuchte insbesondere die Zusammenhänge von Nahrungsmittel-Vielfalt mit Neurodermitis (atopisches Ekzem), allergischem Asthma und allergischer Rhinitis (Heuschnupfen) sowie mit einer Sensibilisierung auf Inhalations- und Lebensmittelallergene. Dabei teilten sie die Teilnehmer in zwei Gruppen auf: Kinder ohne frühe Hautsymptome und Kinder mit Hautveränderungen (Ekzeme, Milchschorf, Quaddeln oder andere Hautausschläge), die im Verlauf des ersten Lebensjahres auftraten.   

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten lediglich für ein Kriterium einen statistischen Zusammenhang ermitteln: Demnach hatten Kinder mit frühen Hautsymptomen, die während des ersten Lebensjahres eine große Vielfalt an Nahrungsmitteln verzehrten, ein niedrigeres Risiko für eine allergische Sensibilisierung auf Inhalationsallergene bis zum Alter von 15 Jahren. Jedoch ist nicht klar, ob das niedrigere Risiko für allergische Sensibilisierung eine Folge der größeren Nahrungsmittel-Vielfalt ist; oder ob dieser Eindruck lediglich dadurch entsteht, dass Eltern, deren Kinder frühe Hautsymptome zeigen, die Nahrungsmittel-Vielfalt ihrer Kinder zum Beispiel aus Angst vor Lebensmittelallergien reduzieren.

 

Quelle:

Markevych, I. et al.: Food diversity during the first year of life and allergic diseases until 15 years. In: J Allergy Clin Immunol 2017. doi: 10.1016/j.jaci.2017.08.011.

 

Weiterführende Informationen:

Schäfer, T. et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014. AWMF-Register Nr. 061/016. Stand: Juli 2014.

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