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Neurodermitis: Vorbeugende Hautpflege wirkungslos?

Eltern, deren Kinder ein erhöhtes Risiko für eine Neurodermitis haben, wird häufig geraten, sie vorbeugend ein bis zweimal täglich mit einer Pflegecreme einzucremen. Aktuelle Studien kommen nun zu dem Schluss, dass diese Mühe vergebens sein könnte.
Großaufnahme des Kopfes eines Babys mit hellblauem Schnuller, die Wangen sind, wie für Neurodermitis bei Säuglingen typisch, gerötet

© Kristin Grndler/stock.adobe.com

 

Im Rahmen der BEEP-Studie (kurz für „Barrier Enhancement for Eczema Prevention“) untersuchten britische Forschende, ob das Eincremen mit einer Feuchtigkeitscreme das Auftreten einer Neurodermitis verhindern kann. Dazu beobachteten sie rund 1.400 Neugeborene, die aufgrund ihrer Familienanamnese ein erhöhtes Neurodermitis-Risiko aufwiesen.
 

BEEP-Studie findet keinen Nutzen des vorsorglichen Eincremens

Etwa die Hälfte davon wurde im ersten Lebensjahr zusätzlich zur normalen Hautpflege einmal täglich am gesamten Körper - außer der behaarten Kopfhaut - mit einer Feuchtigkeitssalbe eingecremt eingeschmiert. Die andere Hälfte erhielt keine über das übliche Maß hinausgehende Hautpflege. Anschließend erfassten die Forschenden, ob die Kinder im Alter von zwei Jahren eine Neurodermitis entwickelt hatten.

Das Ergebnis: Die zusätzliche tägliche Pflege mit einer Feuchtigkeitscreme im ersten Lebensjahr konnte nicht verhindern, dass die Kinder eine Neurodermitis entwickelten. Gleichzeitig traten bei den Säuglingen mit der intensiveren Hautpflege jedoch häufiger Hautinfektionen auf. Die Forschenden schlussfolgern daraus, dass die vorbeugende Hautpflege für Kinder mit erhöhtem Neurodermitis-Risiko nicht empfehlenswert ist. Sie wollen jedoch weiter beobachten, ob sich mit zunehmendem Alter doch noch Unterschiede zeigen.
 

Skandinavische Studie kommt zu übereinstimmendem Ergebnis

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die skandinavische PreventADALL-Studie (kurz für „Preventing Atopic Dermatitis and Allergies in Children“). Hier wurden rund 2.400 Neugeborene in zwei Gruppen eingeteilt: Die Kinder in der ersten Gruppe wurden ab der zweiten Lebenswoche regelmäßig von ihren Eltern mit Badeöl und Gesichtscreme gepflegt. In der zweiten Gruppe wurden keine besonderen Pflegemaßnahmen angewendet.

Auch in der PreventADALL-Studie zeigte sich keine schützende Wirkung der intensiveren Hautpflege, aber auch keine negativen Effekte.
 

Unerwartetes Ergebnis

Die Ergebnisse der BEEP- und der PreventADALL-Studie sind unerwartet. Es ist unklar, ob das Eincremen tatsächlich keine vorbeugende Wirkung hat oder ob andere Faktoren wie die Art, die Häufigkeit oder Zeitpunkt und Dauer der intensivierten Hautpflege angepasst werden müssten.

Derzeit läuft noch eine weitere Studie, die ebenfalls den Effekt des vorbeugenden Eincremens untersucht. An der PEBBLES-Studie (kurz für „Prevention of Eczema by a Barrier Lipid Equilibrium Strategy“) in Australien nehmen 760 Säuglingen mit erhöhtem Neurodermitis-Risiko teil. Ergebnisse werden jedoch erst für Mitte 2021 erwartet.

 

Quellen:

Chalmers, J.R. et al.: Daily emollient during infancy for prevention of eczema: the BEEP randomized controlled trial. In: The Lancet, 2020, doi: 10.1016/S0140-6736(19)32984-8

Perrett, K.P. et al.: Emollients for prevention of atopic dematitis in infancy. In: The Lancet, 2020, doi: 10.1016/S0140-6736(19)33174-5

Skjerven, H.O. et al.: Skin emollient and early complementary feeding to prevent infant atopic dermatitis (PreventADALL): a factorial, multicenter, cluster-randomised trial. In: The Lancet, 2020, doi: 10.1016/S0140-6736(19)32983-6

Neurodermitis: Emollienzien schützen in Studien nicht vor Ekzemen. www.aerzteblatt.de (Letzter Abruf: 24.2.2020)

 

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