Wie kann man schon vor der Geburt Allergien vorbeugen?

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Thilo Biedermann und Prof. Dr. Ulf Darsow

Die nachfolgenden Empfehlungen gelten für alle Kinder, ob allergiegefährdet oder nicht.

Aufgrund aktueller wissenschaftlicher Daten haben sich manche Empfehlungen geändert: Während man früher von allergieauslösenden Lebensmitteln wie Nüssen, Kuhmilch oder Fisch abgeraten hat, gilt heute das Prinzip des „langsamen Gewöhnens“ – und zwar schon im ersten Lebensjahr.

Auch für die (werdende) Mutter sind spezielle Diäten vom Tisch. Bei Luftschadstoffen wie Abgasen, Tabakrauch oder Schimmel sieht das jedoch anders aus. Hier kann das Vermeiden oder Vermindern Allergien durchaus vorbeugen.

Ernährung der Mutter: vollwertig und vielseitig

© airborne77/fotolia
Verschiedene Lebensmittel im Rahmein einer ausgewogenen Ernährung zur Allergieprävention, zum Beispiel Fisch, Milch, Eier, Nüsse, Obst und Gemüse

Die allgemeine Empfehlung, sich ausgewogen und nährstoffreich zu ernähren, gilt auch für werdende und stillende Mütter. Dabei können die „10 Regeln“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) helfen.

Anders als früher empfohlen, müssen Schwangere nicht auf eine besonders allergenarme Kost achten. Studien zeigen, dass das Vermeiden von Lebensmitteln, die besonders häufig Allergien auslösen, keine Schutzfunktion für das Kind hat. Weitere Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass es das kindliche Allergierisiko sogar senken kann, wenn die Mutter in der Schwangerschaft und Stillzeit Meeresfisch isst. Daher wurde diese Empfehlung auch in die aktualisierte Leitlinie zur Allergieprävention aufgenommen.

Müttern wird zudem empfohlen, auf ein normales Körpergewicht zu achten, denn sowohl ein Zuviel schadet dem Baby hinsichtlich des Allergierisikos, als auch ein Zuwenig hinsichtlich einer Unterversorgung.

Die Geburt: Kaiserschnitt oder natürliche Entbindung?

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Rate medizinisch notwendiger Kaiserschnitte bei etwa zehn Prozent. In Deutschland  kommt zur Zeit jedoch etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Das ist doppelt so viel wie noch vor 25 Jahren.

Die Zahl der operativen Entbindungen steigt, obwohl die natürliche Geburt nachweislich viele positive Effekte hat: So bekommt das Kind im Geburtskanal für sein Immunsystem wichtige Bakterien mit, was das Risiko für spätere Atemwegs- und Verdauungsprobleme senkt.

Auch im Hinblick auf Allergien wird vom Kaiserschnitt ohne medizinischen Grund abgeraten. Studien-Daten zeigen, dass Kaiserschnittkinder später eher zu allergischen Erkrankungen neigen, insbesondere Asthma und Neurodermitis. Wissenschaftler vermuten, dass die im Vergleich zur Spontangeburt andere, spätere oder weniger vielfältige Bakterienbesiedelung im Darm und auf der Haut hierfür eine wesentliche Rolle spielt.

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Thilo Biedermann

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: tilo.biedermannnoSp@m@tum.de

Prof. Dr. Ulf Darsow

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München

E-Mail: ulf.darsownoSp@m@tum.de

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

  • Bellach, J. et al.: Prävention von Nahrungsmittelallergien durch frühe Exposition mit Nahrungsmitteln. In: Pädiatrische Allergologie, 2014, 04: 6
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Hrsg.): Zeitschrift für Kinder- und Jugendgesundheit-Ratgeber der Kinder und Jugendärzte, Heft 4/05
  • Beyer, K.: Die Rolle der Ernährung in der Prävention atopischer Erkrankungen. In: Pädiatrische Allergologie, 2018, Sonderheft „Prävention“: 8-12
  • Boyle, RJ. et al.: Hydrolysed formula and risk of allergic or autoimmune disease: systematic review and meta-analysis. In: BMJ, 2016, 352: i974
  • Braig, S. et al.: Maternal prenatal stress and child atopic dermatitis up to age 2 years: The Ulm SPATZ health study. In Pediatr Allergy Immunol, 2017, 28(2):144-151
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg., 2007): Säuglingsnahrung aus Sojaeiweiß ist kein Ersatz für Kuhmilchprodukte. Stellungnahme Nr. 043/2007 vom 21.05.20107 (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Update der S3-Leitlinie Allergieprävention weicht von Stillempfehlung der Nationalen Stillkommission ab. Stellungnahme der Nationalen Stillkommission am BfR vom 30.04.2015. In:_Bundesgesundheitsbl, 2015, 58: 875-876
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.): Nachgefragt: Häufige Fragen von der Schwangerschaft bis ins Kleinkindalter (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (Hrsg., 2014): Nationaler Aktionsplan Allergie (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe (Hrsg.): www.dha-allergien.de (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Europäische Gesellschaft für gesundes Bauen und Innenraumhygiene (Hrsg.): Emissionen aus Holz und Holzwerkstoffen (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Fleming et al.: Psychological interventions for adults with asthma. In: Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jan 25;(1):CD002982
  • Dalgard, FJ  et al.: The psychological burden of skin diseases: a cross-sectional multicenter study among dermatological out-patients in 13 European countries. In: J Invest Dermatol. 2015 Apr;135(4):984-91
  • Guarneri et al.: Allergic contact dermatitis and asthma caused by limonene in a labourer handling citrus fruits. In: Contact Dermatitis, 2008;58(5):315-6
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (Hrsg.): Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Helmholtz Zentrum München: GINI-Studie (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Helmholtz Zentrum München: LISAplus-Studie (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Langen, U. et al.: Häufigkeit allergischer  Erkrankungen in  Deutschland. In: Bundesgesundheitsblatt 2013, 56:698–706
  • Muraro, A. et al.: EAACI Food Allergy and Anaphylaxis Guidelines. Primary prevention of food allergy. In: Allergy, 2014, 69 (5): 590-601
  • Oddoy, A.: Gesundheitliche Wirkungen des Ozons aus pathophysiologischer Sicht (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Raulf-Heimsoth, M.: Berufliche Allergien der Haut und Lunge. In: IPA-Journal, 2013, 01: 32
  • Renz, H.: Allergien auf dem Vormarsch. In: IPA-Journal, 2014, 03:28
  • Riedler, J.: Präbiotika in der Allergieprävention bei Kindern. In: Pädiatrische Allergologie, 2010, 04: 6
  • Riem, L.: Mit Creme den Neurodermitis-Ausbruch verhindern. Online-Publikation der Ärzte Zeitung vom 06.01.2016 (Letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Schäfer, T. et al.: S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014. In: Allergo Journal International, 2014, 23: 186-199 (in Überarbeitung; letzter Abruf: 14.11.2019)
  • Szajewska, H. and Horvath, A.: A partially hydrolyzed 100 % whey formula and the risko of eczema and any allergy: an updated meta-analysis. In: World Allergy Organization Journal, 2017, 10 (1): 27
  • Volz, T. et al. „NOD2 Signalling critically influences sensitization to orally ingested allergens“. In: Journal of Investigative Dermatology 136:9 (2016). S. 201
  • World Allergy Organization: Leitlinien zur Prävention allergischer Erkrankungen mit Präbiotika bzw. Probiotika (Letzer Abruf: 14.11.2019)
  • Worm, M.: Erdnussallergie: Kann eine frühe Einführung von Erdnuss das Risiko für die Entwicklung einer Erdnussallergie beeinflussen?, Charité (Hrsg.)

Letzte Aktualisierung:

14. November 2019

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