Allergische Erkrankungen: Rolle und Potenzial von Rehabilitation

Mann mit Arztkittel hält eine virtuelles Schild in der Hand, auf dem der Schriftzug "Rehabilitation" steht, daneben weitere kleine Schriftzüge u.a. mit Kreuz
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Inhalt: 

Rehabilitationsmaßnahmen sind auch bei allergischen Erkrankungen in gewissen Stadien sinnvoll. Für Menschen, die schon länger eine Allergie haben,  ist eine Rehabilitation mit ihren vielfältigen Maßnahmen sinnvoll. Sie ergänzen und unterstützen akute oder längerfristige Behandlungsmaßnahmen.

Der Begriff Rehabilitation oder kurz „Reha“ bedeutet wörtlich „Wiederherstellung“: Betroffene sollen ihren ursprünglichen Gesundheitszustand und ihre Leistungsfähigkeit wiedererlangen. Bei chronischen Erkrankungen , wie einer Allergie oder Neurodermitis, ist eine vollständige Heilung nicht immer möglich. Eine Rehabilitation kann den Betroffenen dennoch Vorteile bieten:

  • Vorbeugung von Verschlimmerungen, Folgeschäden und Rückfällen
  • besseres Allgemeinbefinden
  • höhere Belastungsfähigkeit
  • dadurch Steigerung der Lebensqualität

Im Sinne der (tertiären) Prävention beugt eine medizinische Rehabilitation damit nicht der Krankheit selbst vor, sondern einer ungünstigen weiteren Entwicklung des Krankheitsverlaufs. Dadurch können mögliche Einschränkungen in Beruf, Schule oder Ausbildung oft vermieden werden. Die Reha kann zudem dazu beitragen, das Alltagsleben, auch im Hinblick auf Urlaub, Hobbies und Freizeitgestaltung so normal wie möglich zu gestalten.

Eine Reha dauert bei Erwachsenen in der Regel mindestens drei Wochen, bei Kindern mindestens vier Wochen. Je nach Bedarf kann die Maßnahme gegebenenfalls verlängert werden.

Kurz erklärt:

Ziel der Rehabilitation für chronisch erkrankte Menschen ist es, den Gesundheitszustand und die Lebensqualität zu verbessern, Verschlimmerungen des Gesundheitszustandes zu vermeiden, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten, zu verbessern oder wiederherzustellen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Kur oder Reha?

Oft werden die Begriffe Rehabilitation und Kur verwechselt. Im Gegensatz zur Rehabilitation ist die Kur eine allgemeine Maßnahme zur Gesunderhaltung, wenn noch keine Erkrankung eingetreten ist, aber Risiken für eine Erkrankung bestehen. Die allgemein geschwächte Gesundheit soll wieder gestärkt und gefördert werden.

Seit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 wird der Begriff "Kur" offiziell zwar nicht mehr im Sinne von medizinischer Rehabilitation verwendet, viele Kurorte und Heilbäder werben jedoch weiterhin damit. Er gilt noch für Badekuren oder die klassische Mutter-Vater-Kind-Kur, in der erkrankte oder belastete Eltern unterstützt werden. Kinder, die noch zu klein sind, um vorübergehend getrennt zu werden, begleiten den Elternteil.

Im Gegensatz dazu ist eine  Kinder- oder Jugend-Reha eine spezielle Rehabilitationsmaßnahme für das erkrankte Kind, zum Beispiel mit Asthma oder schwerer NeurodermitisKinder unter zwölf Jahren können grundsätzlich von einem Elternteil begleitet werden. Über den zwölften Geburtstag hinaus können Eltern das Kind unter bestimmten Umständen begleiten. Dies muss jedoch individuell mit dem Leistungsträger, der für die Reha-Maßnahme aufkommt, geklärt werden. In der Regel unterstützen dabei die behandelnden Kinder- und Hausärzt:innen oder das Gesundheitsamt.

Darüber hinaus werden Mutter oder Vater in die Reha mit einbezogen, da sie zu Hause die Betreuung und Umsetzung aller Maßnahmen verantwortlich begleiten müssen, beispielsweise die regelmäßige Hautpflege bei Neurodermitis oder die richtige Ernährung bei Lebensmittelallergien. Eine medizinische Behandlung erwachsener Begleitpersonen erfolgt bei dieser Maßnahme nicht.

KURZ ERKLÄRT

Es gilt der Grundsatz "ambulant vor stationär": Erst wenn ambulante Maßnahmen nicht ausreichen oder medizinische Gründe dafür sprechen, wird die stationäre Reha angestrebt. 

 

 

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

  • Bauer, P. et al.: Langzeiteffekt der stationären Rehabilitation bei Kindern und Jugendlichen mit mittelschwerem und schwerem Asthma bronchiale. In: Pneumologie, 2002, 56(8): 478-485
  • Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) (Hrsg., 2013): Arbeitshilfe für die Rehabilitation von Menschen mit allergischen Hauterkrankungen. ISBN: 978-3-943714-09-8
  • Bundesgesundheitsministerium (Hrsg., 2016): Vorsorge und Rehabilitation
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.): Forschung in der Rehabilitation.
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
  • Bundesverband der Pneumologen (Hrsg.): Häufigkeit von Asthma bronchialeDeutsche Gesellschaft für Pädiatrische Rehabilitation und Prävention (Hrsg.): Infoblatt zu einer Reha(bilitation) für Kinder & Jugendliche „Asthma bronchiale“ (Letzter Abruf: 30.07.2021)
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Therapiekonzept, Leistungsspektrum der Dermatologie
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2009): Rahmenkonzept zur medizinischen Rehabilitation in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Ambulante Reha
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2020): Medizinische Rehabilitation: Wie sie Ihnen hilft. - 15. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2020): Mit Rehabilitation wieder fit für den Job. - 15. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2021): Rehabilitation für Kinder und Jugendliche. – 16. Auflage
  • Deutsche Rentenversicherung - Reha für Kinder und Jugendliche (deutsche-rentenversicherung.de)
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg., 2016): Reha-Therapiestandards für Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale, Adipositas, Neurodermitis
  • Deutsche Rentenversicherung Bund (Hrsg.): Zuzahlung - Wer zahlt was?
  • Eisenmann, A. et al.: S1-Leitlinie Stationäre dermatologische Rehabilitation. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 013-083 (Stand: 01/2020)
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  • Gemeinsamer Bundesausschuss (Hrsg., 2020): Rehabilitations-Richtlinie
  • Hibbeler, B.: Rehabilitation: Krankenkassen in der Pflicht. In: Dtsch Arztebl 2007; 104(17): A-1136 / B-1014 / C-966
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  • Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (Hrsg., 2018): Begutachtungsanleitung „Vorsorge und Rehabilitation“
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Letzte Aktualisierung:

03.09.2021