Neurodermitis: Künstliche Intelligenz schafft Erkenntnisse für Prävention und Therapie

Eine auf Patient:innen zugeschnittene Behandlung erfordert genaue Erkenntnisse über das individuelle Krankheitsbild. Forschende haben jetzt für das Krankheitsbild Neurodermitis Merkmale identifiziert, die mit der individuellen Ausprägung und dem Schweregrad der chronisch-entzündliche Hauterkrankung verbunden sind. Das Team hofft, dass hiermit personalisierte Vorbeugungs- und Therapie-Ansätze entwickelt werden können.
 Künstliche Intelligenz in der Medizin - ©tippapatt - stock.adobe.com

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Bezeichnend für Neurodermitis, auch atopische Dermatitis (AD) genannt, ist, dass die Entstehungsmechanismen sehr unterschiedlich und vielschichtig sind. Zudem unterscheidet sich auch das äußere Erscheinungsbild dieser chronisch entzündliche Hauterkrankung. Forschende wollten daher die individuelle Ausprägung der Neurodermitis von Jugendlichen und Erwachsenen mit beispielsweise Alter, Geschlecht, Blutwerten und Lebensstilfaktoren wie Sport und Rauchen in Verbindung bringen, um personalisierte Behandlungen zu ermöglichen. Um eine sehr große Anzahl an Daten von vielen Patient:innen objektiv erfassen und auswerten zu können, verwendete das Forschungsteam Methoden der „Künstliche Intelligenz“. Hierbei handelt es sich um eine Programmierung, die Algorithmen nutzt, um spezielle Fragestellungen zu beantworten. 

Objektiv erfassbare Daten ermöglichen Präzisionsmedizin

An der Studie nahmen 367 Neurodermitis-Patienten der Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Bonn teil. Sie wurden zunächst entsprechend des individuellen Schweregrades eingeteilt und dann mittels eines maschinellen Lernansatzes der Künstlichen Intelligenz in Bezug auf 130 verschiedener Faktoren analysiert.

Alter und Lebensstil spielen eine Rolle

Das Ergebnis der maschinellen Analyse: Patient:innen, bei denen die Erkrankung zum ersten Mal im Alter zwischen 12 und 21 Jahren oder älter als 52 Jahre auftrat, hatten eine schwere Neurodermitis.. Außerdem waren Männer und Personen, die seltener als einmal pro Woche Sport betreiben oder früher geraucht haben, häufiger betroffen. Blutwerte und Faktoren wie kreisrunder Haarausfall und rissige Lippen konnten ebenfalls mit einer schweren Atopischen Dermatitis in Verbindung gebracht werden.

Die Forschenden hoffen, dass diese Erkenntnisse ein tieferes Verständnis der Krankheit, eine genauere Überwachung für Menschen mit einer Veranlagung für Neurodermitis und personalisierte Therapien ermöglichen.

 

Quelle:

Maintz L. et al.: Machine Learning-Based Deep Phenotyping of Atopic Dermatitis: Severity-Associated Factors in Adolescent and Adult Patients, JAMA Dermatol, November 2021