Forschungsansätze zu Anaphylaxie

Aktuelle Forschungen betreffen einerseits die Frage, warum anaphylaktische Reaktionen in den letzten Jahren in allen westlichen Ländern zunehmend häufiger beobachtet werden und welches besondere Risikofaktoren (zum Beispiel auslösende Allergenstruktur, Alter, Geschlecht, Einnahme von Betablockern) Gründe für das Auftreten sind. Hier engagiert sich in Deutschland und Europa das Network for Online Registration of Anaphylaxie (NORA).

Im Hinblick auf den Verlauf der Erkrankung sind französische Forscherinnen und Forscher im Herbst 2016 vielleicht der Frage einen Schritt näher gekommen, welche Vorgänge bei der schweren Anaphylaxie zum fast gleichzeitigen Versagen mehrerer Organsysteme führen können. Sie fanden heraus, dass Mastzellen als Reaktion auf einen Allergenkontakt nicht nur Entzündungsbotenstoffe wie Histamin produzieren, sondern in Einzelfällen auch gleich die gesamten Vorratskammern (secretory granules), welche die Entzündungsbotenstoffe enthalten, an die Zelloberfläche entsenden. Wenn das gleichzeitig in mehreren Organsystemen passiert, entsteht das Krankheitsbild der lebensbedrohlichen Anaphylaxie.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entdeckten auch den „Motor“ dieses Transportvorganges, den Botenstoff kinesin-1. An Mäusen konnten sie nachweisen, dass die Entfernung eines Bestandteils von kinesin-1 dazu führte, dass wesentlich weniger secretory granules die Zelloberfläche erreichten. In der Konsequenz waren bei diesen Mäusen die allergischen Reaktionen weit schwächer ausgeprägt. Die Forscherinnen hoffen jetzt, diesen Mechanismus einmal durch Medikamente steuern zu können.

Für die therapeutische Versorgung werden Strategien geprüft, wie auch bei Nahrungsmitteln vielleicht eine Hyposensibilisierung zur Toleranzentwicklung führen kann (zum Beispiel orale Immuntherapie bei Erdnussallergie).

Letzte Aktualisierung: 13. März 2017 / Quellen
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Quellen:
  • Allergie, Umwelt und Gesundheit – allum.de: Anaphylaktischer Schock - der allergologische Notfall (letzter Abruf 25.01.17)
  • Anaphylaxie-Experten (Hrsg.): Anaphylaxie erkennen und handeln. Erklärvideo undatiert
    (letzter Abruf 06.03.2017)
  • Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Aktionsplan Allergien - Allergieportal. (eingestellt am 31.12.2012)
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  • Worm, M. et al.: Food-induced anaphylaxis - data from the anaphylaxis registry. In: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2016 Jul;59(7): 836 - 840
Letzte Aktualisierung:
13. März 2017
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Prof. Dr. Regina Treudler
Universitätsklinikum Leipzig, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Leipziger Centrum für Allergologie (LICA)

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