Fruktoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit)

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Ludger Klimek

Grundlagen

Die Fruktoseintoleranz (oder Fructoseintoleranz, Fruchtzuckerunverträglichkeit) gehört zu der Gruppe der Kohlenhydratverwertungsstörungen. Bei dieser Form der nicht allergisch bedingten Nahrungsmittelunverträglichkeit funktioniert der Transport von Fruchtzucker (Fruktose/Fructose) aus dem Darm in die Blutbahn nicht richtig. Dadurch verbleibt ein Teil des Fruchtzuckers im Darmtrakt und kann dort zu den typischen Beschwerden einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall führen.
 

Vorkommen von Fruchtzucker (Fruktose/Fructose)

Fruktose kommt natürlicherweise vor allem in Früchten (Obst, Beeren) und Honig vor, dementsprechend auch in Fruchtsäften, Most, Wein, Fruchtaufstrichen (Konfitüre, Marmelade) und anderen Lebensmitteln, deren Hauptbestandteil Früchte sind. Zudem ist er in Haushaltszucker enthalten, der aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr produziert wird, sowie als Süßungsmittel in vielen industriell hergestellten Fertigprodukten einschließlich Getränken (Limonaden, Softdrinks).
 

Fruktosemalabsorption

Ist von einer Fruktoseintoleranz die Rede, ist meist die intestinale Fruktoseintoleranz gemeint. Der medizinisch korrektere Begriff ist Fruktosemalabsorption. Der menschlichen Dünndarm kann nur etwa 35 bis 50 Gramm Fruktose auf einmal aufnehmen. Dies bedeutet, dass bei Verzehr größerer Mengen an Fruktose-reichen Lebensmitteln und/oder Süßigkeiten auch bei gesunden Menschen nicht aufgenommene Fruktose in die tieferen Darmabschnitte gelangt und dort durch Bakterien abgebaut wird. Hierbei bilden sich vermehrt Gase, die dann zu Beschwerden wie Blähungen, Krämpfen und Bauchschmerzen führen können. Dieser vorübergehende Fruktoseüberschuss ist unangenehm, aber nicht krankhaft.

Bei der intestinalen Fruktoseintoleranz beziehungsweise Fruktosemalabsorption (Fruktoseverdauungsstörung) kann der Dünndarm weniger als 25 Gramm Fruktose aufnehmen. Der Verzehr größerer Mengen führt zu Symptomen wie Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfen, Durchfall oder Verstopfung. Ursache der intestinalen Fruktoseintoleranz ist ein Defekt oder Mangel des Transportproteins GLUT-5, das für die Aufnahme des Fruchtzuckers im Dünndarm verantwortlich ist.

Verbreitung

Die Fruktosemalabsorption ist relativ häufig: In Europa und Nordamerika ist etwa jede/jeder dritte Erwachsene und zwei von drei Kleinkindern betroffen.

Diagnose

Ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz wird auch die Fruktosemalabsorption durch einen H2-Atemtest diagnostiziert. Dazu misst man nach Einnahme einer bestimmten Menge in Wasser gelöster Fruktose den Wasserstoffgehalt (H2) in der Atemluft und beobachtet zudem, ob Symptome auftreten.

Behandlung und Vorbeugung

Zur Fruktosemalabsorption liegt eine Stellungnahme von Experten in einem Positionspapier vor. Das darin enthaltene Behandlungskonzept beruht auf einer Ernährungstherapie. Demnach wird empfohlen, dass Betroffene mit einer intestinalen Fruktoseintoleranz zunächst vorübergehend (für maximal zwei Wochen) den Fruktosegehalt in ihrer Nahrung reduzieren. Daran schließt sich eine bis zu sechswöchige Phase an, in der sie testen, wie viel Fruktose sie vertragen, da die Verträglichkeit individuell unterschiedlich ist. Dabei kann es helfen, wenn man die Zusammensetzung der Nahrung gezielt verändert, insbesondere indem man Fruktose-haltige Lebensmittel mit bestimmten anderen Nahrungsbestandteilen, vor allem Traubenzucker (Glukose), aber auch Fett und Eiweiß kombiniert. Hierdurch lässt sich die Dauer der Darmpassage verlängern. Eine Ernährungsberatung ist hierbei empfehlenswert. Eine strikte Meidung allen Fruchtzuckers ist bei der Fruktosemalabsorption nicht notwendig.

Erbliche Fruktoseintoleranz

Die intestinale Fruktoseintoleranz beziehungsweise Fruktosemalabsorption ist abzugrenzen von einer sehr seltenen angeborenen Stoffwechselstörung, der erblichen (hereditären) Fruktoseintoleranz (Abkürzung: HFI). Diese entsteht durch einen genetisch bedingten Defekt des Enzyms Aldolase B (Fruktose-1-Phosphat-Aldolase). Dies führt dazu, dass ein Stoffwechselprodukt der Fruktose, das Fruktose-1-Phosphat sich in der Leber anhäuft, weil es dort nicht weiter verarbeitet werden kann. Dadurch werden weitere Stoffwechselvorgänge blockiert, die unter anderem für die Bereitstellung von Energie im Körper wichtig sind.

Die Folgen einer erblichen Fruktoseintoleranz sind neben Magen-Darm-Beschwerden deutlich erniedrigte Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie), längerfristig – das heißt bei weiterer Fruktosezufuhr – zunehmend auch Einschränkungen der Leber- und Nierenfunktion sowie Gerinnungsstörungen.

Die Erkrankung macht sich bemerkbar, sobald bei betroffenen Kleinkindern Fruktose-haltige Lebensmittel zugefüttert werden. In Deutschland kommt sie bei etwa einem unter 20.000 Menschen vor. Die hereditäre Fruktoseintoleranz besteht lebenslang und erfordert eine streng Fruktose-freie Diät.

Sorbitintoleranz (Sorbitunverträglichkeit)

Gut zu wissen:

Der Zuckeralkohol Sorbit ist in vielen Obstsorten, insbesondere Trockenfrüchten enthalten und wird in industriell hergestellten Produkten – auch unter der Bezeichnung E420 – als Zuckeraustauschstoff, Trägerstoff und Feuchthaltemittel verwendet.

Die Sorbitintoleranz oder -malabsorption (Sorbitunverträglichkeit) ist häufig mit einer Fruktosemalabsorption gekoppelt und verursacht auch die gleichen Beschwerden.

Neben einer Sorbitintoleranz kann der Zuckeralkohol weitere Kohlenhydratunverträglichkeiten auslösen oder verstärken – vor allem eine Fruktosemalabsorption, da Sorbit in Fruktose umgewandelt werden kann.

Die Diagnosestellung der Sorbitunverträglichkeit erfolgt ebenfalls durch den H2-Atemtest nach Aufnahme einer bestimmten Menge Sorbit. Zur Behandlung beziehungsweise Vorbeugung wird empfohlen, die Sorbitmenge in der Nahrung zu reduzieren.

Wie bei der Fruktosemalabsorption kann es zusätzlich helfen, durch Zufuhr von Traubenzucker (Glukose) die Aufnahme von Fruktose (einschließlich des aus Sorbit gebildeten Fruktose-Anteils) zu verbessern. Eine Beratung durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft ist empfehlenswert.

Wissenschaftliche Beratung

Prof. Dr. Ludger Klimek

Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA)

c/o Zentrum für Rhinologie und Allergologie

E-Mail: Ludger.KlimeknoSp@m@allergiezentrum.org

Weiterführende Informationen zur Fruktoseintoleranz und Sorbitunverträglichkeit:

Informationen zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB): https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-unvertraeglichkeit/was-ist-das/

Zertifizierte Ernährungsberatung:
Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB):
- Informationen zur Ernährungsberatung: https://www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-allergien/behandlung/ernaehrungsberatung/
- Allergie-Wegweiser: https://www.allergie-wegweiser.de/

Arbeitskreis Diätetik in der Allergologie: www.ak-dida.de

Selbsthilfegruppe Fructoseintoleranz: http://fructoseintoleranz.de/

Quellen:

  • Biedermann, T. et al. (Hrsg., 2016): Allergologie. Springer, Berlin/Heidelberg, 2. Aufl., ISBN9783642372025
  • Kleine-Tebbe, J., et al.: Nahrungsmittelallergien und andere -unverträglichkeiten. Bedeutung, Begriffe und Begrenzung. In: Bundesgesundheitsbl 2016; 59: 705–722
  • Kleine-Tebbe, J. et al.: Rationale Diagnostik von Nahrungsmittelallergien. In: Allergologie 2016; 9: 409-424
  • Müller, F. u. Bachmann, O.: Nahrungsmittelallergie. Assoziierte Erkrankungen und Differentialdiagnosen. In: Darsow, U. u. Raap U. (Hrsg.): Allergologie kompakt. Dustri Verlag, Müchen-Deisenhofen, 2016, ISBN: 9783871854835
  • Raithel, M. et al.: Kohlenhydratmalassimilation häufig vorkommender Mono- und Disaccharide. In: Dtsch Arztebl Int 2013; 110(46): 775–82
  • Schäfer, C. et al.: Fruktosemalabsorption. Stellungnahme der AG Nahrungsmittelallergie in der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). In: Allergo J 2010; 19: 66-69
  • Zopf, Y. et al.: Differenzialdiagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In: Dtsch Ärztebl Int 2009; 106 (21): 359-370

Letzte Aktualisierung: 13. März 2020