Was macht die Heuschnupfen-Forschung?

Immer wieder werden neue Behandlungsformen erforscht, mit dem Ziel, Betroffenen die langwierige spezifische Immuntherapie (SIT) zu ersparen. Oft endeten diese Versuche bisher in Sackgassen. In einer aktuellen Studie erwiesen sich beispielsweise niedrig dosierte Allergen-Injektionen vor Beginn der Pollensaison als Fehlschlag, weil sie zwar Hautreaktionen erfolgreich unterdrückten, sich aber Atembeschwerden und allergische Symptome in der Nase verschlechterten.

Ein Wiener Forschungsteam untersuchte in Zusammenarbeit mit einem pharmazeutischen Unternehmen eine Methode, die mit weniger Injektionen auskommt als bislang eingesetzte Immuntherapien, und laut den Autoren weniger Nebenwirkungen hat. Der Studie zufolge lindert die Behandlung die Symptome der Betroffenen im Mittelwert um rund 25 Prozent. Allerdings räumen die Wissenschaftler ein, dass der primäre Endpunkt - ein Punktwert, der sich aus Symptomen und benötigten Medikamenten ergibt – statistisch nicht signifikant verbessert war.

Anti-IgE-Antikörper wurden in mehreren Studien zum allergischen Schnupfen eingesetzt. Das bedeutet, dass man die Antikörper des Immunsystems, die bei der Allergie eine wichtige Rolle spielen, blockiert – mit künstlichen Antikörpern. Möglicherweise hat diese Therapieform eine zusätzliche Wirkung, wenn sie gemeinsam mit einer Immuntherapie eingesetzt wird. Allerdings sind hier noch weitere Studien nötig.

Wirkt die Immuntherapie?

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Antikörper © ustas - Fotolia.com

Eine weitere Fragestellung der Forschenden ist, wie man den Erfolg der SIT, auch Hyposensibilisierung genannt, möglichst früh vorhersagen kann. Zu diesem Zweck wurden in einzelnen Studien bereits  Provokationstests an der Nase und am Auge genutzt. Einen weiteren Ansatz für einen Erfolgstest bei der SIT erforscht ein Forschungsteam der TU München und des Helmholtz Zentrums München. Dazu hat es während einer SCIT bei 32 Patienten über drei Jahre das komplexe Wechselspiel verschiedener Zelltypen und Substanzen des menschlichen Immunsystems beobachtet. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich das Abwehrsystem des Körpers in der zweiten Phase der Behandlung quasi entscheidet, ob es ein Allergen weiter massiv bekämpft oder beginnt, es zu tolerieren. Einen Hinweis auf den Therapieerfolg gab die Anzahl bestimmter Immunzellen, der regulatorischen B-Zellen und der Th-17-Zellen. Auf Grundlage ihrer Untersuchungsergebnisse arbeiten die Forschenden an der Entwicklung eines Tests. 

Zusätzlich wird erforscht, welche Umwelteinflüsse bestehende Allergien negativ beeinflussen oder die Allergiegefahr erhöhen könnten. So fanden Münchner Wissenschaftler heraus, dass die Allergen-Produktion der Ambrosia nochmals stark ansteigt, wenn die Pflanzen an viel befahrenen Straßen wachsen und dort stickstoffhaltigen Abgasen ausgesetzt sind.

Unser wissenschaftlicher Experte für diesen Text

Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann

Allergie-Centrum-Charité

Charité - Universitätsmedizin Berlin

E-Mail:
karlchristianbergmannnoSp@m@gmail.com

Quellen:

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

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  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Kindergesundheit-info.de: Was tun bei Heuschnupfen?
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  • Campbell, B. et al.: The effects of growing up on a farm on adult lung function and allergic phenotypes: an international population-based study. In: Thorax 2017; 72:236-244
  • Chaker, A.: Allergische Rhinitis im Kindesalter. In: Pädiatrische Allergologie 3/2013, S. 6-9
  • Demoly, P. et al.: Allergic Rhinitis Increases the Risk of Driving Accidents. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology (2017), doi: 10.1016
  • Graham-Rowe, D.: When Allergies go West. In: Nature, Vol 479, Nov. 2011. Online Publication
  • Gürlich, K. et Al.: Respiratory and allergic diseases of children: Temporal trends, urban-rural differences, and in association with environmental tobacco smoke exposure. In: Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 2016 Dec; 59(12):1566-1576.
  • Höflich, C.: Klimawandel und pollen-assoziierte Allergien der Atemwege. – Homepage des Umweltbundesamtes (Letzter Abruf: 14.02.2017)
  • IQWIG – gesundheitsinformation.de: Allergischer Schnupfen: Nichtmedikamentöse Maßnahmen, 2014 (letzter Abruf 06.03.17)
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  • Kanter, U. et al.: Molecular and Immunological Characterization of Ragweed (Ambrosia artemisiifolia L.) Pollen after Exposure of the Plants to Elevated Ozone over a Whole Growing Season. In: PLOS One, 13.04.13, online publication
  • Kinderumwelt – allum.de: Allergische Rhinitis (Heuschnupfen) (letzter Abruf 06.03.17)
  • Klimek, L., et al. (Hrsg.): Weißbuch Allergie in Deutschland. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage; Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018; ISBN 978-3-89935-312-9
  • Manabu S. et al.:  The role of long-lived reactive oxygen intermediates in the reaction of ozone with aerosol particles. In: Nature Chemistry 3/2011, 291
  • Menzel, A. et al.: Indoor birch pollen concentrations differ with ventilation scheme, room location, and meteorological factors. In: Indoor Air 2016. DOI: 10.1111/ina.12351
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  • Robert-Koch-Institut (RKI, Hrsg.): Gesundheit in Deutschland 2015, S. 77-82
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Letzte Aktualisierung:

1. Februar 2019

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