Diagnose der Schimmelallergie

Die genaue Diagnose bei einer vermuteten Schimmelpilzallergie verlangt detektivischen Spürsinn. Es reicht nicht aus, festzustellen, ob das verantwortliche Schimmelpilzallergen aus dem Innenraum, der äußeren Umgebung oder dem beruflichen Umfeld kommt. Voraussetzung einer Behandlung ist vielmehr die genaue Identifizierung des krankheitsverursachenden Allergens.

Arztgespräch

Am Beginn der Diagnostik einer Schimmelpilzallergie steht das Arztgespräch (Anamnese). Dabei geht es zunächst um die Frage, wo Schimmel im Umfeld der Betroffenen auftritt, ob sie in ihrer Wohnung, bei ihrer  Arbeit oder in ihrer Freizeit mit Schimmel in Berührung kommen. An diesem Punkt ist ärztliche und bautechnische Expertise gefragt.

Stehen Schimmelpilze, die in Innenräumen vorkommen, unter Verdacht, die allergischen Beschwerden auszulösen, könnten folgende Punkte wichtig sein:

  • Vorhandensein von Feuchteschäden, Wärmebrücken oder Kondensatbildung in der Wohnung,
  • Abfallentsorgung, Umgang mit Biotonne und Müll, Kompostlagerung,
  • Tierhaltung und Zimmerpflanzen,
  • Hobbies,
  • Heizungs- und Lüftungsmöglichkeiten im Gebäude sowie
  • Baujahr, Dachkonstruktion, kürzlich erfolgte Bau- oder Renovierungsarbeiten.

Ein wichtiges Indiz ist das Vorhandensein von Asseln, Silberfischchen oder Staubläusen. Vor allem Staubläuse ernähren sich von Schimmelsporen.

Die Konzentration von Schimmelpilzsporen in der Außenluft ist im Spätsommer und Frühherbst besonders hoch, wenn heiße und feuchtkalte Wetterlagen einander abwechseln. Treten die allergischen Beschwerden zwischen Juli und September auf, könnten statt Pollen Schimmelpilze die Ursache sein. Ein Indiz ist, wenn die Beschwerden während langanhaltender Schönwetterperioden abnehmen und nach Niederschlägen zunehmen. An windigen Tagen werden Schimmelsporen ebenfalls stark aufgewirbelt.

Damit ist der Katalog an Fragen, die bei einem Verdacht auf eine allergisch oder toxisch verursachte Schimmelpilzerkrankung auftreten, noch nicht erschöpft. Denn oft tritt eine Schimmelpilzbelastung auch im Beruf auf. Daher gilt es auch folgende Punkte zu klären:

  • Gehören die Betroffenen zu einer der Berufsgruppen, die häufiger mit Schimmel konfrontiert werden?
  • Hatten sie mit Garten- und Landschaftsarbeiten zu tun?
  • Haben sie gar Laubbläser betätigt?
  • Gibt es Lüftungs- oder Klimaanlagen im Büro? Wie häufig werden sie gewartet?

Vermeidung der auslösenden Schimmelpilzallergene (Expositionskarenz)

Im zweiten Teil des Anamnesegesprächs geht es dann um die Krankheitserscheinungen selbst, ihren   Beginn, Verlauf und die Stärke der Symptome an verschiedenen Orten. Treten die allergischen Beschwerden ganzjährig auf, dann gehören Schimmelpilze, die im Innenraum vorkommen, zu den möglichen Ursachen. Bei saisonalen Beschwerden ist eine Allergie auf Schimmelpilze, die im Außenbereich vorkommen, nicht auszuschließen.

Nach dem Arztgespräch folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, vor allem der Schleimhäute der Augen, der oberen Atemwege und der Haut. Es kann nützlich sein, eine Expositionskarenz zu organisieren, mögliche Auslöser der Schimmelpilzallergie also für eine gewisse Zeit zu meiden. In der Praxis bedeutet das, die Betroffenen verlassen ihre Wohnung, wenn dort der Ursprung ihrer Erkrankung vermutet wird, oder sie gehen nicht mehr zur Arbeit, wenn ein beruflicher Zusammenhang anzunehmen ist. Klingen dann die Symptome ab? Verstärken sie sich erneut, sobald man sein Alltagsleben wieder aufnimmt?

Umweltmonitoring

Beim Verdacht einer Erkrankung aufgrund von Schimmelbefall – insbesondere in der Wohnung – geht es oft um die Klärung komplexer rechtlicher Fragen, etwa ob eine Mietminderung zulässig ist. Hierfür wird oft ein Umweltgutachten, auch Umweltmonitoring genannt, in Auftrag gegeben, das schnell 1000 Euro und mehr kosten kann. Für die ärztliche Diagnose einer möglichen Schimmelpilzallergie ist ein solches Monitoring nach Ansicht von Fachleuten aber weder nötig noch aussagekräftig.

Denn das Ziel, den genauen Verursacher der Beschwerden zweifelsfrei festzustellen, kann auch mit einem Umweltgutachten kaum erreicht werden. So vermehren sich zum Beispiel im Fall von Feuchteschäden in der Wohnung nicht nur Schimmelpilze, sondern auch Bakterien. Beide können die Beschwerden verursacht haben, genauso wie ihre jeweiligen Stoffwechselprodukte und Zellbestandteile. Daneben gibt es an feuchten Stellen auch Milben und Amöben, die ebenfalls krankheitsauslösend und -fördernd wirken können. Selbst nach einer Desinfektion sind noch allergene Schimmelpilzsporen nachweisbar.

Schimmelpilze und die anderen Schadstoffe (Noxen) werden meist mit der Atemluft aufgenommen, können aber auch durch die Haut und mit der Nahrung in den Körper gelangen. Außerdem gibt es nur wenige Schimmelpilz-Allergenextrakte, mit denen sich die Auslöser identifizieren lassen. Die meisten gibt es für Gattungen, die in der Außenluft vorkommen, die also für die Analyse der Innenraumluft keine Rolle spielen.

All diese Faktoren machen es praktisch unmöglich, über (teure) Umweltuntersuchungen eine eindeutige Beziehung zwischen einem bestimmten Schimmelpilzallergen und der Erkrankung herzustellen. Außerdem sind solche Untersuchungen sehr zeitraubend. Doch Zeit ist ein entscheidender Faktor, um eine Krankheitsverschlimmerung zu vermeiden. Je schneller beispielsweise immungeschwächte Personen Schimmelpilz-verseuchte Wohnungen verlassen können, desto größer sind die Chancen, gesundheitliche Folgen zu vermeiden. Aus medizinischer Sicht reicht es daher bereits, wenn bei einer Ortsbegehung (am besten gemeinsam mit einem bauphysikalischen Sachverständigen) ein sichtbarer Schimmelpilzbefall oder Feuchteschäden festgestellt werden.

Eine Schimmelpilzallergie kann in Betracht gezogen werden, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Vorkommen eines Schimmelpilzallergens in der Umwelt,
  • zeitliche Beziehung zwischen den allergischen Symptomen und dem Einwirken des Allergens,
  • Neigung zu allergischen Erkrankungen (atopische Prädisposition),
  • spezifische IgE-Antikörper gegen Schimmelpilzallergene sind im Blut nachweisbar,
  • Karenzmaßnahmen wie das vorübergehende Verlassen des Wohnumfeldes zeigen Wirkung.

Kurz erklärt:

Hausstaubmilben, Gräser- und Kräuterpollen und einige andere Allergene können die gleichen Atemwegs-Symptome hervorrufen wie Schimmelpilze. Haut- und Bluttests sind auch zur Abgrenzung der Allergenquellen notwendig.

Hauttests

Begonnen wird in der Regel mit dem Pricktest. Die allergischen Reaktionen erreichen nach 15 bis 20 Minuten ihren Höhepunkt. Innerhalb von einer bis zwei Stunden verschwinden sie wieder. Einige Stunden danach können verzögerte Soforttyp-Reaktionen auftreten, Spättyp-Reaktionen sind Stunden bis Tage nach dem Test möglich. Diese Reaktionen können auch dann auftreten, wenn es keine nennenswerten Sofortreaktionen gab.

Das Testergebnis ist schwierig zu bewerten, wenn die Patienten Medikamente einnehmen, die einen Einfluss auf die Immunreaktion haben (Antihistaminika, Cortison) oder wenn sie an einem Ekzem oder einer Urtikaria leiden. Außerdem stehen nur für etwa 30 bis 40 Schimmelpilzarten Testlösungen zur Verfügung. Dabei sind schon Hunderte Schimmelpilzallergene entdeckt worden.

Labortests

Üblich ist es, spezifische Antikörper vom IgE-Typ gegen Schimmelpilze im Blut zu bestimmen. Sind sie erhöht, gilt das als Indiz für eine Allergiebereitschaft (Sensibilisierung) gegenüber Schimmel. Nicht selten kommt es vor, dass bei Verdacht auf eine Schimmelpilzallergie die Ergebnisse von Haut- und Labortest einander widersprechen. Dann kann nur noch ein Provokationstest größere Klarheit bringen.

Provokationstests

Provokationstests können notwendig werden, wenn Anamnese und Bluttests kein eindeutiges Bild ergeben, was bei einer Schimmelpilzallergie häufig der Fall ist. Einen Provokationstest kann man an der Nase (nasal), am Auge (konjunktival) oder an den Bronchien (bronchial) durchführen. Da bei diesen Tests schwere allergische Reaktionen auftreten können, sollten Patienten nach einem Provokationstest mindestens eine halbe Stunde lang ärztlich überwacht werden.

Provokationstests sollten nicht erfolgen, wenn

  • der Sensibilisierungsgrad hoch ist,
  • die Nase akut entzündet ist,
  • akute allergische Erkrankungen an anderen Organen vorliegen,
  • es in der Vergangenheit schwere anaphylaktische Reaktionen gab,
  • die Patienten Medikamente nehmen, die das Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen erhöhen (ACE-Hemmer, Betablocker),
  • die Patienten jünger als fünf Jahre sind.

Auch hier ist ein Problem, dass es nur wenige kommerzielle Testallergenlösungen gibt, die zur Anwendung in Provokationstests geeignet sind  Sie können auch  je nach Hersteller  unterschiedlich in der Zusammensetzung des Extraktes sein. Dies bedeutet, dass Provokationstest negativ bleiben kann, weil im Extrakt nicht das klinisch wichtige Allergen in ausreichender Menge im Extrakt vorhanden war. Trotzdem bleiben Provokationstests die relativ geeignetste Methode, eine vorliegende Allergie, d.h. tatsächliche Erkrankung zu dokumentieren. Der bloße Nachweis von Antikörpern (Sensibilisierung) kann nicht als Bestätigung einer Krankheit dienen, da auch völlig Gesunde IgE-spezifische Antikörper gegen Schimmelpilze und andere Allergene haben können.

     

Letzte Aktualisierung: 06.11.2019 / Quellen
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Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

Quellen:

Quellen:

 

Die hier aufgeführten Leitlinien und Aufsätze richten sich, so nicht ausdrücklich anders vermerkt, an Fachkreise. Ein Teil der hier angegebenen Aufsätze ist in englischer Sprache verfasst.

 

Bozek, A., Pyrkosz K.: Imunotherapy of mold allergy: A review. In: Human Vaccines & Immunotherapeutics 2017, Vol. 13, No. 10, 2397 – 2401

 

Europäische Stiftung f. Allergieforschung (European Centre for Allergy Research Foundation, ECARF): www.ecarf.org (letzter Abruf: 18.10.2019)

 

UBA, Hrsg.: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden, November 2017

 

Wiesmüller, G. et al.: 161-001l S2k Schimmelpilzexposition in Innenräumen, medizinisch-klinische Diagnostik, 04/2016

Letzte Aktualisierung:
06.11.2019

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