Normal leben mit Nahrungsmittelallergie

Je normaler die Nahrungsmittelallergie eines Kindes in den Familienalltag integriert ist, desto selbstverständlicher gehen Kinder und Jugendliche damit auch außerhalb der Familie um. Information und Akzeptanz in der Familie erhöhen den sicheren Umgang auch im äußeren Umfeld. Das stellten Forschende in einer australischen Studie fest.
Kinder essen in der Schulmensa©New Africa - stock.adobe.com

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„Ich darf das nicht essen!“ Noch immer werden Menschen manchmal merkwürdig angesehen, wenn sie mit diesem Satz eine Speise ablehnen. Dabei ist genau dieses Selbstverständnis wichtig, sich zur eigenen Nahrungsmittelallergie „offiziell“ im alltäglichen Leben zu bekennen, um Allergene im Essen zu meiden.
 

Selbstbewusstsein schützt

Forschende untersuchten in einer australischen Studie wie Kinder ihre Nahrungsmittelallergie wahrnehmen, und wie sich die Einstellung zwischen Kindern unter acht Jahren, im Alter von acht bis zwölf Jahren und bei Teenagern verändert. Die Online-Umfrage ergab, dass der Umgang mit der Nahrungsmittelallergie in der eigenen Familie einen Einfluss darauf hat, wie offen das Kind im Alltag und in der Schule mit seiner Allergie umgeht: Je besser informiert die Kinder sind und je normaler im häuslichen Umfeld Einschränkungen aufgrund der Allergie gelebt werden, desto weniger stark fühlen sich die Kinder „anders als Freunde“. Und sie fragen auch umso selbstverständlicher ihre Eltern oder Lehrkräfte, ob sie Lebensmittel gefahrlos essen können. Kinder, die einen selbstverständlichen Umgang mit ihrer Nahrungsmittelallergie in ihrer Familie erfahren, achten auch genauer darauf, genau ihr Mittagessen zu bekommen und nicht versehentlich das des Freundes oder der Freundin.
 

Übertriebene Fürsorge der Eltern nervt

Sowohl Kinder als auch Teenager reagieren nach Erkenntnissen der Studie ablehnend auf eine übertriebene Fürsorge der Eltern. Obwohl jüngere Kinder sich durch dieses Verhalten im größeren Ausmaß „anders als Freunde“ zu fühlen scheinen, befolgen diese die Ratschläge der Eltern dennoch besser als Teenager. Jugendliche wiederum gaben an, sich weniger „speziell“ zu fühlen. Sie scheinen es aber weitestgehend zu vermeiden, Freunden von ihrer Allergie zu erzählen – selbst, wenn sie dachten, gerade eine allergische Reaktion zu haben.
 

Jeder Mensch ist individuell-normal

Das Fazit des Forscher-Teams: Eltern können ihre Kinder am besten auf ein selbstständiges Leben mit einer Nahrungsmittelallergie vorbereiten, wenn sie ihren Nachwuchs von Anfang an altersgerecht über Risiken und einen sicheren Umgang mit der Allergie informieren und diese Verhaltensweisen selbstverständlich als „normal“ im Familienalltag leben.

 

Stockhammer D. et al.: J Child Health Care. 2021 Apr 29

/doi.org/10.1177/13674935211013689