Schulprobleme durch Neurodermitis

Sich konzentrieren, wenn die Haut juckt? Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis können vermehrt unter Lernstörungen leiden. Auf diesen Zusammenhang wollen Forschende mit einer Studie aufmerksam machen und die Bedeutung betonen, dass Therapien und Medikamente auch den Juckreiz lindern sollten.
Unkonzentrierte Schülerin ©Racle-Fotodesign - stock.adobe.com

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„Nicht kratzen!“, wenn dieser Gedanke dominiert, obwohl die Haut doch so juckt – wie soll dann noch Platz für Mathe und Englisch im Kopf sein? Manche Kinder und Jugendliche mit Neurodermitis zeigen deshalb sogar Lernstörungen. Bis zu dreimal höher ist ihr Risiko, Konzentrationsschwierigkeiten zu entwickeln, wenn ihre entzündliche Hauterkrankung stark ausgeprägt ist. Zu dieser Erkenntnis kamen Forschende in einer US-Studie. 

 

Atopisches Match – Neurodermitis und andere Allergien häufig kombiniert

Neurodermitis entwickelt sich vor allem im Kindes-, Jugendlichen- und jungen Erwachsenenalter. Kennzeichen der entzündlichen Hauterkrankung, die auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt wird, sind wiederkehrende, juckende, lokale Ekzeme. Patient:innen leiden aufgrund dieser Symptomatik neben Konzentrationsproblemen auch an Schlafstörungen und verminderter Produktivität im Alltag und bei der Arbeit. Dass viele Betroffene gleichzeitig unter allergischem Asthma, allergischer Rhinokonjunktivitis, Nahrungsmittelallergien und anderen unmittelbaren Überempfindlichkeitsallergien des Sofort-Reaktionstyps leiden, erschwert ihren Alltag zusätzlich. Forschende stellten fest, dass sich diese Belastungen auch nachteilig auf das emotionale und soziale Leben auswirken: Depression, Angstzustände und ein erhöhtes Selbstmordrisiko werden mit lang anhaltender atopischer Dermatitis in Verbindung erbracht.

 

Häufigkeit und Leidensdruck sind hoch

Neurodermitis gilt als Hauterkrankung mit der höchsten Krankheitslast. Die Global Burden of Disease Studie zeigte eine Prävalenz von 15 bis 20 Prozent bei Kindern und bis zu zehn Prozent bei Erwachsenen. Damit steht die atopische Dermatitis an der 15. Stelle der nicht tödlichen Erkrankungen.

Gezielte Therapien zu entwickeln ist jedoch schwierig: Das Erscheinungsbild von Neurodermitis unterscheidet sich sowohl individuell als auch abhängig von geographischen und ethnischen Einflüssen stark. Ein wichtiges Qualitätskriterium bei der Entwicklung neuer Medikamente sollte jedoch nach Meinung des Forscherteams sein, dass sie den mit der Erkrankung verbundenen Juckreiz mindern – denn dieser beeinflusst laut Studie das individuelle Wohlbefinden der Betroffenen mit großem Ausmaß.

 

Ständer, S.: Atopic Dermatitis, NEJM 384:1136-1143, 25. März 2021

DOI: 10.1056/NEJMra2023911