Sind Immuntherapien bei Milbenasthma ausgereift und sicher?

Die Europäische Allergie-Akademie (EAACI) hat Empfehlungen zur allergenspezifischen Immuntherapie bei Milben-Asthma veröffentlicht. Quintessenz: Es gibt zu den meisten Anwendungsformen bei Erwachsenen und Kindern nur wenige hochwertige Studien und darüber hinaus noch einigen Forschungsbedarf.

©akf/fotolia

 

Asthma ist eine weltweite Volkskrankheit, die schon jetzt 350 Millionen Menschen betrifft. Bis 2020 soll die Zahl auf 400 Millionen steigen. Hausstaubmilben sind, wie man heute weiß, das wichtigste Innenraum-Allergen, das allergisches Asthma verursachen kann. Was liegt da näher, als bei durch Hausstaubmilben verursachtem Asthma die allergenspezifische Immuntherapie (Allergen immunotherapy, AIT; Hyposensibilisierung) anzuwenden? Sie ist die einzige ursächliche Therapie für allergische Erkrankungen, wird seit 100 Jahren eingesetzt und ist sehr erfolgreich bei anderen Allergenen, etwa Pollen sowie Bienen- oder Wespengift. Die Nationale Versorgungsleitlinie Asthma  empfiehlt bei allergischem Asthma generell die AIT, über alle Krankheitsstufen hinweg. Sie äußert sich allerdings nicht speziell zur AIT bei Asthma aufgrund einer Hausstaubmilben-Allergie.

 

Empfehlung für SLIT bei Erwachsenen

Diese Lücke versuchte die Europäische Allergie-Akademie (EAACI) in einer kürzlich erschienenen Leitlinie jetzt zu schließen. Sie hat den Forschungsstand zur Spritzen-, Tabletten- und Tropfen-Therapie mit Milbenallergenen gesichtet und für alle drei Anwendungswege getrennte Empfehlungen für Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene veröffentlicht. Es zeigte sich, dass nur für die Tabletten-Therapie (sublinguale Immuntherapie, SLIT) belastbare Forschungsergebnisse vorliegen. Die SLIT verringert deutlich die Zahl der akuten Asthma-Anfälle, verbessert die Asthma-Kontrolle und die Sicherheit der Patienten. Dies ist allerdings nur für Erwachsene gut belegt.

Die vorhandenen Studien zur wesentlich älteren AIT mit Spritzen (subkutane Immuntherapie, SCIT) lassen so klare Aussagen nicht zu. Sie haben oft nur eine sehr geringe Anzahl an Teilnehmern, sind nicht qualitativ hochwertig, da nicht doppelblind und randomisiert, und sie nutzten unterschiedlich beschaffene Allergene. Deswegen empfiehlt das Autorenteam, jedes Produkt einzeln zu beurteilen. Dennoch empfiehlt es die SCIT für Kinder und Erwachsene als zusätzliche Therapie bei kontrolliertem Asthma, um die Symptome zu lindern und den Medikamentenverbrauch zu senken. Trotz ähnlich schwacher Studienlage gilt dasselbe für die Tropfen-Therapie bei Kindern.

 

 

AIT nur bei kontrolliertem Asthma

Alle AIT gelten als sicher für Kinder und Erwachsene, aber die Datenlage wird auch in diesem Punkt  als nicht zufriedenstellend beurteilt. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, empfehlen die Forscherinnen und Forscher daher, bei unkontrolliertem Asthma nicht zur AIT zu greifen, sondern zunächst zu versuchen, die Asthmakontrolle zu verbessern. Auch Patienten mit schwerem, wenngleich kontrolliertem Asthma kommen nach ihrer Ansicht nur in Einzelfällen und unter sorgfältiger Überwachung für eine AIT infrage. Ein Schlüssel zum Erfolg sei auch, die Patienten sorgfältig auszuwählen. Sie sollten nicht nur sensibilisiert auf Hausstaubmilben sein, sondern auch deutliche Symptome nach Milbenkontakt aufweisen.

 

Quellen:

Agache, I. et al.: EAACI Guidelines on Allergen Immunotherapie: House dust mite-driven allergic asthma. In: Allergy 2019, 74: 855-873

 

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