Neurodermitis: geschädigte Haut – brüchige Knochen

Eine großangelegte Studie aus Großbritannien kommt zu dem Schluss, dass Menschen mit Neurodermitis häufiger Knochenbrüche erleiden. Vor allem bei Betroffenen mit schwerem Krankheitsverlauf ist das Risiko erhöht.
Menschliches Becken mit Beckenbruch - Menschen mit Neuroderrmitis erleiden häufiger Knochenbrüche, zum Beispiel Beckenbrüche.

© Sebastian Kaulitzki/adobe.stock

 

Für die aktuelle Untersuchung werteten Forschende die anonymisierten Daten von insgesamt mehr als drei Millionen Menschen aus, die einen Arzt aufgesucht hatten oder sich im Krankenhaus behandeln ließen.

Knapp 530.000 der in der Studie berücksichtigten Erwachsenen litten unter Neurodermitis (atopisches Ekzem). Bei ihnen traten Knochenbrüchen deutlich häufiger auf als bei nicht betroffenen Personen. Insbesondere das Risiko für Wirbelkörperbrüche war erhöht.

Die Forschenden fanden dabei einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad des atopischen Ekzems und der Wahrscheinlichkeit für Knochenbrüche: Patientinnen und Patienten mit schwerer Neurodermitis erlitten mehr als doppelt so häufig Wirbelkörperbrüche, 66 Prozent häufiger Becken- und 50 Prozent häufiger Hüftknochenbrüche.

Bereits frühere Studien wiesen darauf hin, dass Neurodermitiker häufiger an Osteoporose, erkranken. Osteoporose ist eine Knochenstoffwechselstörung, die dazu führt, dass die Knochensubstanz abnimmt. Dadurch werden die Knochen brüchig. Typisch für die Erkrankung sind häufige Brüche, vor allem der Hüft- und Beckenknochen sowie der Wirbelkörper.
 

Ursachen der Knochenbrüchigkeit nicht bekannt

Weshalb Menschen mit Neurodermitis und vor allem Patientinnen und Patienten, die schwer betroffen sind, häufiger Brüche erleiden, kann die Studie nicht klären. Die Forschenden vermuten, dass dies zum Teil auf die Behandlung der Haut mit Cortison-Creme (Glukokortikoiden) zurückzuführen ist.

Bei systemisch wirkendem Cortison ist eine verminderte Knochendichte eine bekannte Nebenwirkung. Es gibt Hinweise darauf, dass auch örtlich auf die Haut aufgetragenes Cortison in kleinen Mengen in den Blutkreislauf gelangen kann. Es ist jedoch unklar, ob diese Konzentrationen ausreichen, um die Knochendichte zu beeinträchtigen. Das Wissenschaftsteam hält dies für eher unwahrscheinlich und empfiehlt, den Ursachen der Knochenbrüchigkeit bei Menschen mit Neurodermitis in weiteren Studien auf den Grund zu gehen.

Die Studienautorinnen und -autoren empfehlen, dass Menschen mit schwerer Neurodermitis regelmäßig ihre Knochendichte überprüfen lassen und Verhaltensweisen erlernen sollten, um Knochenbrüche zu vermeiden.

 

Quelle:

Lowe, K.E. et al.: Atopic eczema and fracture risk in adults: A population-based cohort study. In: J Allergy Clin Immunol, 2019, doi: 10.1016/j.jaci.2019.09.015

 

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