Allergenspezifische Immuntherapie zu Pandemiezeiten

Wie in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung hat die Corona-Pandemie auch in der Behandlung von Allergien Unsicherheiten mit sich gebracht. Die Europäische Akademie für Allergie und klinische Immunologie (EAACI) wollte daher konkret in Erfahrung bringen, ob Ärztinnen und Ärzte seit Beginn der Pandemie in ihrer täglichen Praxis etwas am Einsatz oder an der Verträglichkeit von Immuntherapien geändert haben. Sie führte dazu eine Befragung bei Ärzten in verschiedenen europäischen Ländern durch, die Ergebnisse sind im Fachmagazin „Allergy“ veröffentlicht.
Krankenschwester spritzt Mädchen - subkutane Immuntherapie

Hyposensibilisierung – ©Photographee.eu - Fotolia.com

 

Ein Expertengremium der EAACI entwickelte die webbasierte Umfrage mit 27 standardisierten Fragen für Ärztinnen und Ärzte sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter des Gesundheitswesens. Insgesamt nahmen im Juli 2020 417 Befragte, die ihren Patienten in der täglichen Routine eine Immuntherapie anbieten, an der Umfrage teil. Die Forschenden fragten unter anderem ob allergenspezifische Immuntherapien aufgrund der Pandemiesituation verschoben wurden.

 

 

Subkutane Hyposensibilisierung verschoben

Ein bemerkenswertes Ergebnis der internationalen Befragung aus Sicht der Autoren: 60 Prozent der Befragten gaben an, bei Patienten ohne Symptome für COVID-19 eine geplante subkutane Immuntherapie (SCIT) auf die Zeit nach dem Lockdown verschoben zu haben. Im Vergleich dazu verschoben nur 35 Prozent der Befragten eine sublinguale Immuntherapie (SLIT). Ein möglicher Grund für diesen Unterschied zwischen SCIT und SLIT könnte nach Ansicht der Forschenden sein, dass Ärzte mehr Vertrauen in die Sicherheit der SLIT im Vergleich zur SCIT haben, insbesondere in der Anfangsphase der Behandlung.

Nach Ansicht der Autoren könnte ein solcher Aufschub wichtiger Immuntherapien während der Pandemie bei Allergie-Patienten das Risiko für lebensbedrohliche Reaktionen erhöhen, insbesondere etwa bei Patienten mit lebensbedrohlichen Insektengift-Allergien. Über dieses Risiko wurde bereits in anderen Krankheitsbereichen berichtet.

Quelle:
Pfaar, O. et al.: COVID-19 pandemic and allergen immunotherapy – An EAACI survey. Allergy online publiziert 02. März 2021; doi: 10.1111/all.14793. ((LINK: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33655519/))