Ein Pflaster gegen Nahrungsmittelallergien

Bereits seit einigen Jahren wird in Studien die Wirksamkeit der sogenannten epikutanen Immuntherapie, kurz EPIT, als Therapieoption für Nahrungsmittelallergien untersucht. Studien zeigten nun im Tiermodell aussagekräftige Reaktionen des Immunsystems auf einen neuen EPIT-Ansatz. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine langfristige „Gewöhnung“, also Toleranz, gegenüber den speziellen Allergenen mit dieser Methode erzielt werden könnte.
Pflaster auf dem Arm zur epikutanen Immunisierung - ©Соболь Александр - stock.adobe.com

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Es gibt für alle Wunden Pflaster – so lautet ein Sprichwort. Vielleicht könnte diese Weisheit auf lange Sicht auch mal für allergische Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittelallergene gelten. Untersucht wurde in der aktuellen Studie ein neuer Ansatz der epikuntanen Immuntherapie, bei dem das als Allergen wirkende Zielprotein —in der Studie wurde das Erdnussprotein verwendet — mittels Mikronadeln direkt in die oberste Hautschicht gebracht wird.

 

Über winzige Nadeln in die oberste Hautschicht

Die winzigen Nadeln befinden sich auf der Unterseite eines Pflasters und sobald dieses auf die Haut geklebt wird, dringen sie in die oberste Hautschicht ein und entlassen direkt dort das spezielle Allergen. Der Wirkerfolg ist beim neuen Ansatz daher nicht wie bei vorherigen Studien, bei denen Pflaster mit dem Allergen beschichtet waren, auf Hautfeuchtigkeit als Transferhilfe in die Haut angewiesen.

 

Training für das Immunsystem

Wie bei der oralen Immuntherapie ist auch bei der EPIT das Ziel, die allergische Reaktion des Immunsystems auf das Allergen zu verringern. Es soll eine immunologische Toleranz erreicht werden, also eine stark abgeschwächte oder ganz ausbleibende Immunantwort gegenüber der Allergenquelle erreicht werden, sodass Betroffene gewisse Allergenmengen vertragen, ohne dass es zu unerwünschten Reaktionen kommt. Ein versehentlicher Konsum des Allergens sollte bei erfolgreicher Immuntherapie daher keine schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen mehr haben.

 

Weniger Nebenwirkungen

Bisher schien die orale Immuntherapie im Vergleich zu früheren EPIT-Studien eine bessere immunologische Wirkung zu haben – allerdings auch mehr unerwünschte, teils schwerwiegende Nebenwirkungen. Mit der neuen EPIT-Methoden, bei der Mikronadeln das Allergen gezielt unter die oberste Hautschicht freigeben, konnten die Wissenschafter:innen nun eine eindeutige immunologische Reaktion unter Verwendung niedriger Dosen von Erdnussprotein erzeugen. Wie zuvor, wurden auch bei diesem Verfahren keine schweren systemischen allergischen Reaktionen und damit unerwünschte Nebenwirkungen erzeugt, da die Allergene im systemischen Kreislauf nicht nachweisbar waren.

 

Sicher und unkompliziert

Wenn zukünftige Studien mit Menschen diese Ergebnisse widerspiegeln, könnte die EPIT mit Mikronadelpflaster eine sichere und unkomplizierte Methode zur Desensibilisierung von Menschen gegen Erdnuss- und andere Nahrungsmittelallergien sein.

 

Quelle:

 

Kulis M., et al.: Peanut protein-loaded microneedle patches are immunogenic and distinct from subcutaneous delivery. Journal of Allergy and Clinical Immunology, February 2021