Klimawandel steigert Risiko und Intensität von Allergien

Der Klimawandel hat gesundheitliche Auswirkungen: Nicht nur das Risiko, an Heuschnupfen zu erkranken, nimmt durch Klimakrise zu, auch die Intensität, mit der diese Allergie gegen Pollen auftritt, steigt. Behandlungsoptionen wie die spezifische Immuntherapie werden laut Studie umso wichtiger.
Gewitter kann Asthma hervorrufen - ©firewings - stock.adobe.com

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Mildere Temperaturen in Deutschland ermöglichen es so genannten Neophyten – also eingewanderten Pflanzen – sich auszubreiten. Eine von ihnen ist Ambrosia. Ihre Pollen sind für Menschen mit Heuschnupfen besonders allergen und können bei Ihnen zu starken allergischen Symptomen führen. In Verbindung mit Luftverschmutzung und erhöhtem CO2-Gehalt steigt deren Allergenität zusätzlich. Die Autor:innen der aktuellen Publikation verweisen auf das Angebot von Klimasprechstunden, in denen sich Patient:innen individuell über Klimaanpassung sowie über den Nutzen einer CO2-Reduktion informieren können – zur Verbesserung der eigenen Gesundheit und der Umwelt.

Häufiger Gewitterasthma durch Klimawandel

Durch Gewitter ausgelöstes Asthma – das so genannte Gewitterasthma – bezeichnet das gehäufte Auftreten von zum Teil schweren Asthmaanfällen im zeitlichen und räumlichen Umfeld von Gewitterstürmen. Die Autor:innen erwarten, dass schwere Gewitter durch den Klimawandel zunehmen. In Kombination mit hoher Pollenbelastung können Menschen mit Heuschnupfen und allergischem Asthma schwere Asthmaanfälle oder starke Symptome einer allergischen Rhinitis mit Juck- und Niesreiz und Schwellungen der Nasenschleimhaut mit behinderter Nasenatmung bekommen. Vermutete Ursache: Pollen – vor allem von Gräsern – sowie Pilzsporen werden im Vorfeld eines Gewitters vermehrt aufgewirbelt. Aufgrund der elektrostatischen Aufladung und der Luftfeuchtigkeit quellen sie osmotisch auf und platzen – die Allergie-auslösenden Bestandteile der Pollen werden in die Umgebungsluft geschleudert und kleine lungengängigere Pollenbestandteile können tiefer in die Lunge eindringen. Ein größeres Risiko bestehe laut Autor:innen insbesondere bei Patient:innen mit unzureichend behandeltem Asthma.

Hyposensibilisierung gewinnt an Bedeutung

Angesichts der zunehmenden Häufigkeit von Allergien der Atemwege, die auch eine Folge des Klimawandels sein können, empfehlen die Autor:innen eine frühzeitige Immuntherapie – die bislang einzige, zur Verfügung stehende Therapie, die allergische Erkrankungen ursächlich bekämpft. Derzeit steht diese spezifische Immuntherapie – auch Hyposensibilisierung genannt (SIT) – in subkutaner (unter die Haut verabreicht) oder sublingualer (unter die Zunge verabreicht) Form zur Verfügung.

 

Weiterführende Informationen:  

 

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann, Direktorin des Instituts für Umweltmedizin von Helmholtz Munich, Ordinaria für Umweltmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg und Direktorin der Hochschulambulanz für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg

 

Quelle:

Luschkova D. et al.: Climate change and allergies, Allergo J Int. 2022; 31(4): 114-120