Neurodermitis: Antibiotika in Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr können Risiko erhöhen

Eine Antibiose, also eine Behandlung mit Antibiotika, kann die Darmflora verändern. Passiert das während der Schwangerschaft beim Ungeborenen oder in den ersten Lebensmonaten, kann dies die Neigung für Neurodermitis erhöhen.
Schwangere mit sichtbarem Baby im Bauch - ©Zffoto - stock.adobe.com

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Neurodermitis ist eine stark juckende Hautkrankheit, die nicht ansteckend ist und oft schubweise verläuft. Menschen mit einer solchen atopischen Dermatitis haben eine genetische Disposition, also genetische Veranlagung für verschiedene Allergien –  so etwa auch für allergische Rhinitis, also Heuschnupfen und Haustauballergie sowie Asthma. Schwedische Wissenschaftler:innen haben nun untersucht, ob die Medikation von Antibiotika während der Schwangerschaft oder im ersten Lebensjahr einen Einfluss auf das Entstehen  von Neurodermitis beim Kind hat.

Antibiotika während der frühen Entwicklung

Die Forschenden hatten anhand von Registerdaten von 723000 Kindern der Jahrgänge 2006 bis 2010 herausgefiltert, welche der Kinder während der ersten zwölf Lebensmonate ein Antibiotikum bekommen hatten oder ob ihre Mütter während der Schwangerschaft eine Antibiose erhalten hatten. Das Ergebnis:  21 Prozent der Kinder hatten während der Schwangerschaft Kontakt mit Antibiotika, 24 Prozent wurde selbst nach der Geburt ein solches antibakteriell-wirkendes Medikament verabreicht.

Antibiotika im ersten Lebensjahr erhöhen Risiko für Neurodermitis

Kinder, die bereits während der Schwangerschaft Antibiotika ausgesetzt waren, hatten eine um zehn Prozent erhöhte Neigung, eine Neurodermitis zu entwickeln. Für Kinder, die selbst mit einem Antibiotikum im ersten Lebensjahr behandelt wurden, stieg das Erkrankungsrisiko noch deutlicher an: Mehr als 50 Prozent der im Register erfassten Kinder entwickelten später eine Neurodermitis.

Atopie – auch Gene spielen eine Rolle

Die Forschenden betonen, dass bei diesen Kindern auch familiäre Faktoren, wie zum Beispiel die genetische Prädisposition, also eine erbliche Veranlagung, bei der Entstehung der Neurodermitis eine Rolle gespielt haben könnte.

Neurodermitis als Eintrittspforte für Allergien

Neurodermitis wird in Fachkreisen als Eintrittspforte für die „Karriere“ der Allergiker:innen angesehen: Oft entsteht erst durch die Barrierestörung der Haut eine Sensibilisierung und in der Folge dann eine manifeste Allergie. Die Forschung nach Ursachen und Präventionsmöglichkeiten sind neben einer frühzeitigen Therapie wichtig im Kampf gegen Allergien. 

 

Quelle:

Mubanga M. et al. Association of Early Life Exposure to Antibiotics With Risk of Atopic Dermatitis in Sweden. JAMA Netw Open. April 2021

 

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