Neurodermitis: Enzym hilft Zusammensetzung der Hautbakterien zu analysieren

Die Haut ist der Schutzwall des Körpers – doch nur, wenn die Zusammensetzung der hier angesiedelten Bakterien, das so genannte Mikrobiom, intakt ist. Ansonsten können Hautkrankheiten wie Neurodermitis entstehen. Forschenden ist es nun gelungen mithilfe des Enzyms Benzonase aussagekräftiger als bisher Bakterien in Hautabstrichen zu identifizieren. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Diagnose und Therapie in der Allergologie und Dermatologie.
Menschliche Haut - ©sema_srinouljan - stock.adobe.com

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Neurodermitis ist das Einfallstor für Krankheitserreger und begünstigt auch die Entstehung weiterer Allergien. Kennzeichnend für diese so genannte atopische Dermatitis ist, dass der bakterielle Schutzfilm der Haut geschädigt und infolge die Hautbarriere nicht voll funktionsfähig ist. Forschende haben nun eine neue Methode entwickelt, mit der sie die einzelnen Bakterien des Mikrobioms aussagekräftig analysieren können.

Mikrobiom bisher nicht exakt bestimmbar

Bisherige genetische Analyseverfahren haben den Nachteil, dass große Mengen an DNA-Abschnitten, also Teilen des Erbguts, aus Hautzellen sowie Bruchstücke toter Bakterien ebenso in die Analyse des Hautmikrobioms einfließen wie die tatsächlich gesuchten Erbgutabschnitte lebender Hautbakterien. Eine aussagekräftige Bestimmung, welche Bakterien tatsächlich auf der Haut des Probanden oder der Probandin leben, ist mit dieser Methode daher nicht möglich.

Enzym hilft lebende Bakterien zu identifizieren

Bekannt ist, dass das Enzym Benzonase die Fähigkeit hat, Bestandteile des Erbguts in kleine Bruchstücke zu zerlegen. Das Forschungsteam machte sich dies zunutze: Sie ließen das Enzym störende DNA- und RNA-Teile in kleinste Teilchen zerlegen und entfernten, die in dieser Form gut entfernt werden konnten. Das Ergebnis überzeugte: Störendes Erbgut von Hautzellen oder von hautfremden Bakterien ließ sich entfernen und das Mikrobiom der Haut genauer analysieren. 

Biomarker für Diagnose und Therapie

Das Forschungsteam erklärt: Genau zu wissen, welche Bakterien sich auf einer gesunden Haut tummeln und welche die von Menschen mit Neurodermitis besiedeln, bietet neue Möglichkeiten für Diagnose und Therapie. So könnte vorhergesagt werden, ob jemand zum atopischen Ekzem neigt. Therapeutisch eingesetzt könnten wiederum andere als Biomarker bezeichneten Bakterienarten helfen, einen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen oder sogar zu stoppen – beispielsweise wenn sie dem Mikrobiom gezielt zugeführt werden.

 

Quelle:

Amar Y. et al.: Pre-digest of unprotected DNA by Benzonase improves the representation of living skin bacteria and efficiently depletes host DNA Microbiome, 26. Mai 2021