Neurodermitis – Lässt sich der Verlauf vorhersagen?

Bei einem von drei Kindern, die im Säuglingsalter an Neurodermitis erkranken, entwickelt sich die Krankheit bis zum Jugendalter zu einer chronischen oder wiederkehrenden Erkrankung. Bei welchen Kindern dies der Fall ist, konnte bislang nicht vorhergesagt werden. Münchner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nun in einer Studie bestimmte klinische Faktoren unter die Lupe genommen, um dieser Vorhersage ein Stück näher zu kommen. Ihre Ergebnisse sind in der renommierten Fachzeitschrift Allergy veröffentlicht.

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In der Studie untersuchten die Forschenden das Blutserum von 144 Kindern mit Neurodermitis im Alter von 0 bis 3 Jahren auf verschiedene Entzündungsstoffe, darunter Immunglobolin E (IgE), verschiedene Zytokine und Wachstumsfaktoren. Durch weitere Analysen erkannte das Team Faktoren, die in Verbindung mit einer möglichen Fortdauer der Erkrankung standen: der Schweregrad der Neurodermitis nach dem sogenannten SCORAD-Score und die Beteiligung der Gliedmaßen. Bei Kindern im Alter von drei Jahren spielte auch die Verteilung der verletzten Stellen an den Beugen, beispielsweise Arm- oder Kniebeuge, sowie zusätzliche allergische Erkrankungen eine Rolle. Ebenso hing die Fortdauer der Erkrankung davon ab, ob und wie sich Neurodermitis durch Auslösefaktoren wie Stress, Pollenbelastung und Wetterwechsel jeweils verschlimmerten.

Drei immunologische Grundtypen der Erkrankung

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten drei immunologische Krankheitstypen identifizieren und zusätzlich anhand der beschriebenen Faktoren mit einem hohen Grad an Genauigkeit von über 80 Prozent vorhersagen, ob die Neurodermitis bis zum Alter von sieben Jahren fortdauern würde. Faktoren mit einem großen Einfluss auf diese Vorhersage waren insbesondere der SCORAD-Score im Alter von drei Jahren, niedrige Werte von Wachstumsfaktoren sowie Triggerfaktoren, die das Krankheitsgeschehen der Neurodermitis zusätzlich beeinflussen.

Den Krankheitsverlauf der in die Studie aufgenommenen Kinder bis zum Alter von sieben Jahren wurde rückblickend beurteilt, entsprechend ist wie bei allen sogenannten retrospektiven Studien die Aussagekraft für den direkten Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung eingeschränkt.

Die Forschenden schlagen eine Klassifikation der Neurodermitis im Säuglingsalter vor, mit deren Hilfe der weitere Verlauf vorhergesagt werden kann. Er könnte in die klinische Praxis übertragen werden und dazu beitragen, eine individuelle Risikoabschätzung und Präzisionsmedizin zu ermöglichen.

Quelle:
Lauffer, F. et al.: Predicting persistence of atopic dermatitis in children using clinical attributes and serum proteins. – In: Allergy 2020; 00:1–15. DOI: 10.1111/all.14557