Neurodermitis: Schwere Bindehautentzündung durch Pollen möglich

Juckende, gerötete und tränende Augen sind während der Pollensaison häufige Beschwerden. Für Menschen mit Neurodermitis kann es besonders unangenehm werden. Was sie beachten sollten, erläutern Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).
Großaufnahme des Auges eines Mannes. Es ist durch eine Bindehautentzündung stark gerötet.

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Die Fachgesellschaft der Augenärzte macht darauf aufmerksam, dass Menschen mit Neurodermitis besonders anfällig für eine infektiöse Bindehautentzündung seien, die auch durch Pollen verursacht oder verstärkt werden könne. Bei 25 bis 40 Prozent der Betroffenen mit Neurodermitis verläuft diese schwerwiegend, in Form einer sogenannten atopischen Keratokonjunktivitis. Dabei ist neben der Bindehaut auch die Hornhaut des Auges betroffen. Unbehandelt sind Hornhautkomplikationen möglich, die das Sehvermögen beeinträchtigen können.

Das Strukturprotein Filaggrin könnte eine Ursache sein, warum eine Bindehautentzündung bei Menschen mit Neurodermitis schwerer verlaufen kann.

Denn es konnte nachgewiesen werden, dass dieses Eiweiß bei Menschen mit Neurodermitis sowohl in der Haut als auch in der Hornhaut fehlerhaft produziert wird. Auch Juckreiz bedingtes starkes Reiben in den Augen könne Hornhautkomplikationen weiter fördern, so die Experten der DOG. Dies spielt vor allem bei Kindern mit Neurodermitis eine wichtige Rolle.
 

Wie lässt sich diese schwere Form der Bindehautentzündung erkennen?

Die atopische Keratokonjunktivitis sieht zunächst wie eine normale Bindehautentzündung aus: Die Augen sind gerötet, jucken und tränen. Die Lider sind geschwollen. Betroffene haben das Gefühl, sie hätten etwas im Auge (Fremdkörpergefühl). Häufig sind diese Symptome bei der atopischen Sonderform jedoch stärker ausgeprägt als bei einer rein allergischen Bindehautentzündung.

Zusätzliche Symptome sind zum Beispiel:

  • Verdickungen an der Lidkante

  • Hautveränderungen wie Schuppungen, Falten

  • Hautrisse am unteren Augenlid

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Bindehautentzündung oft trotz pflegender Maßnahmen lange Zeit nicht bessert.Bei schweren Verläufen können dadurch Schäden an der Hornhaut entstehen – von oberflächlichen Defekten über Geschwüre bis zum Einwachsen von Blutgefäßen. Letzteres kann in Extremfällen bis hin zur Erblindung führen, da sich dadurch die Hornhaut trübt.

Die DOG-Experten raten Menschen mit Neurodermitis daher, bei Anzeichen einer Bindehautentzündung frühzeitig einen Augenarzt aufzusuchen. Dieser kann die Diagnose stellen, eine angemessene Behandlung einleiten und deren Ergebnis regelmäßig kontrollieren – damit es gar nicht erst zu Komplikationen kommt.

 

Quelle:

Pressemitteilung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft vom 6. Mai 2020: Wenn Neurodermitis ins Auge geht: Pollen können schwere Bindehautentzündung auslösen