Orale Immuntherapie bei Erdnussallergie: Durchhaltevermögen gefragt

Verschiedene Studien konnten zeigen, dass die orale Immuntherapie für die meisten Menschen mit Erdnussallergie wirksam und sicher ist. Doch wie lange muss die Behandlung fortgeführt werden und wie dauerhaft ist ihr Erfolg? Dies hat ein Forschungsteam in den USA nun untersucht und seine Ergebnisse im renommierten Fachjournal Lancet veröffentlicht.
Erdnüsse und Erdnussbutter

© Julia Sudnitskaya/fotolia.de

 

Orale Immuntherapie mit unterschiedlichen Erdnuss-Dosen

An der Studie nahmen 120 Menschen im Alter zwischen 7 und 55 Jahren teil, bei denen eine Erdnussallergie durch verschiedene diagnostische Tests (unter anderem Pricktest und orale Provokation) bestätigt war. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Eine Gruppe führte die orale Immuntherapie über einen Behandlungszeitraum von 104 Wochen (2 Jahren) durch. Nach einer Aufdosierungsphase nahmen sie 4.000 mg Erdnussmehl pro Tag ein. Danach war die Behandlung abgeschlossen und die Teilnehmenden sollten keine Erdnüsse wissentlich verzehren.
  • Eine Gruppe erhielt ebenfalls für 104 Wochen 4.000 mg Erdnussmehl pro Tag und führte die Behandlung anschließend ein weiteres Jahr mit einer reduzierten Dosierung von 300 mg täglich fort.
  • Die Kontrollgruppe erhielt für 104 Wochen täglich 4.000 mg eines Placebos (Hafermehl) und im folgenden Jahr 300 mg dieses Scheinmedikaments.

 

Erfolge in der oralen Provokation

Nach zwei Jahren Behandlung erfolgten erneut Allergietests. Mit einer oralen Provokation überprüften die Forschenden, ob die Teilnehmenden eine Erdnussdosis von 4.000 mg vertrugen. War dies der Fall, wurde der Test etwa alle drei Monate wiederholt, um zu testen, ob der Effekt von Dauer ist.

Nach zwei Jahren Behandlung vertrugen 85 Prozent der Teilnehmenden, die täglich 4.000 mg Erdnussmehl verzehrt hatten, diese Menge im Rahmen eines oralen Provokationstests. In der Kontrollgruppe waren es nur vier Prozent.


Allergentoleranz erhalten

Im Verlauf des dritten Untersuchungsjahres sank diese Allergentoleranz in den beiden Gruppen, die mit Erdnussmehl behandelt wurden wieder. Es hatte jedoch einen positiven Effekt, wenn die orale Immuntherapie mit 300 mg Erdnussmehl pro Tag fortgeführt wurde. In dieser Gruppe vertrugen nach dem dritten Untersuchungsjahr noch 37 Prozent die Höchstdosis von 4.000 mg Erdnuss in der oralen Provokation. In der Gruppe, die im dritten Jahr wissentlich keine Erdnüsse mehr verzehrt hatte, waren es nur noch 13 Prozent. Dieser Unterschied war statistisch eindeutig (signifikant). Allerdings traten in der Gruppe, die die Behandlung länger fortführte, im dritten Jahr häufiger Nebenwirkungen auf.

Das Wissenschaftsteam folgert aus diesen Ergebnissen, dass die orale Immuntherapie bei Erdnussallergie die Allergentoleranz zwar verbessern kann. Die Behandlung sollte jedoch mit einer geringeren Erhaltungsdosis fortgeführt werden, um diese Verbesserung zu erhalten. Welche Dosierungen und welche Dauer der Behandlung notwendig sind, muss weiter untersucht werden.

 

Erdnuss landet oft unbeabsichtigt auf dem Teller

Jährlich isst etwa jede achte Person mit einer Erdnussallergie versehentlich ein Nahrungsmittel, das Erdnüsse enthält. Eine Erdnussallergie ist eine der häufigsten Ursachen einer Anaphylaxie. Behandlungsansätze wie die orale Immuntherapie könnten die Situation von Betroffenen insofern verbessern, als dass dieser unbeabsichtigte Verzehr weniger schwerwiegende Folgen hat.

 

Quelle:

Chinthrajah, R.S. et al.: Sustained outcomes in oral immunotherapy for peanut allergy (POISED study): a large, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2 study. In: Lancet, 2019, 394: 1437-1449

 

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