Schützt Nahrungsmittelallergie vor Corona?

Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie könnten ein um die Hälfte verringertes Risiko haben, sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu infizieren. Die Hypothese: Dem Virus wird der Eintritt in die Wirtszelle erschwert.
Nahrungsmittelallergie könnte vor Corona schützen - ©eldarnurkovic - stock.adobe.com

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Mit einer Nahrungsmittelallergie verbindet man normalerweise nichts Gutes. Forschende erhielten jetzt in der Beobachtungsstudie HEROS Hinweise darauf, dass die Allergie gegen Nahrungsmittel einen schützenden Effekt vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 haben könnte.

Allergie und chronische Entzündung hängen zusammen

Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie haben häufig eine chronische Entzündung. Als Folge kommen spezielle Botenstoffe des Immunsystems, so genannte Typ-2-Zytokine, bei diesen Personen in größerer Anzahl vor. Die Botenstoffe haben unter anderem die Funktion, bestimmte Andockstellen an Zellen, die in der Fachsprache ACE2-Rezeptoren genannt werden, zu verringern.

Eintritt in die Wirtszelle versperrt

Genau dieser Rezeptor, der bei Menschen mit Nahrungsmittelallergie in verringerter Anzahl vorhanden ist, hat auch für den Krankheitsverlauf von Covid-19 eine wichtige Funktion: Er gilt als Eintrittspforte für das Coronavirus in die Wirtszelle. Bei einer geringeren Anzahl des ACE2-Rezeptors, vermuten die Forschenden der Studie, wird es dem Virus SARS CoV-2 erschwert, Zellen zu infizieren – das Coronavirus kann sich nicht in ausreichender Menge vermehren und das Risiko für einen akuten Krankheitsverlauf sinkt.

Fokus der Studie: Risiko einer Corona-Infektion

Mit der Beobachtungsstudie HEROS wollten Forschende Informationen zum Infektionsrisiko innerhalb von Familien beziehungsweise Haushalten ermitteln. Hierfür testeten sie in den Jahren 2020 und 2021 mehr als 4000 Menschen aus insgesamt knapp 1400 Haushalten regelmäßig auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS CoV2. Wenn ein Mitglied eines Haushalts Symptome entwickelte, die auf Covid-19 hinwiesen, wurden zusätzliche Nasenabstriche genommen. Zudem füllten die Teilnehmenden wöchentlich Fragebögen aus. Insgesamt wurden 261 Teilnehmende in 147 Haushalten positive auf SARS-CoV-2 getestet. Die Wahrscheinlichkeit für eine SARS-CoV-2-Infektion lag bei 25,8 Prozent.

Verblüffende und erwartete Ergebnisse:

Neben dem überraschenden Ergebnis, dass Menschen mit Nahrungsmittelallergie ein um die Hälfte verringertes Risiko haben, sich mit dem Coronavirus SARS CoV-2 anzustecken, konnten die Forschenden folgende frühere Beobachtungen bestätigen: Menschen mit einem hohen Body-Mass-Index (BMI) haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, Menschen mit Asthma nicht.

 

Quelle:

Seibold M. A. et al.: Risk factors for SARS-CoV-2 infection and transmission in households with children with asthma and allergy: A prospective surveillance study. J Allergy Clin Immunol. 2022 Aug; 150(2): 302-31

 

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