Sorglos in den Apfel beißen – bald auch für Menschen mit Allergie möglich?

Bisher konnten Menschen mit Heuschnupfen auch einige Apfelsorten nicht ohne allergische Symptome essen. Ursache: Sie reagieren nicht nur auf das Allergen der Birke mit einer Pollenallergie, sondern auch mit einer Kreuzallergie auf das mit dem Birkenallergen verwandte Eiweiß im Apfel. Forschende haben nun zwei Apfelsorten entwickelt, die mit dem ECARF-Siegel – einem Zeichen für Allergiker-freundliche Produkte – ausgezeichnet wurden.
Rote Äpfel - ©New-Africa - stock.adobe.com

Rot, knackig und süßlich im Geschmack – diese Kriterien kennzeichnet die Äpfel der zwei neuen Sorten ZIN 168 und ZIN 186. Für Menschen, die allergisch auf Äpfel reagieren, interessant: Das Allergen Mal d 1, auf das Menschen mit einer Kreuzallergie reagieren, ist hier nur in besonders geringen Konzentrationen enthalten. Die beiden Sorten sind das Ergebnis einer gezielten Auslese: Ein Forscherteam der Hochschule Osnabrück, Technischen Universität München (TUM) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat in Zusammenarbeit mit der Züchtungsinitiative Niederelbe (ZIN) und mit Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aus über 700 Apfelsorten des Züchtungsprogramms gezielt jene mit geringem Allergenpotenzial ausgewählt.

Apfel-Allergen im Visier

Menschen, die eine Kreuzallergie gegen Äpfel haben, zeigen oft typische Symptome wie Juckreiz, Kribbeln im Mund sowie Anschwellen von Lippen, Zunge und Mundschleimhaut wenige Minuten nach dem Essen eines Apfels. Auf der Suche nach Allergiker-freundlichen Apfelsorten nutzen Forschende diese Symptome als Anzeiger für die Stärke der allergischen Reaktionen. Sie ließen Menschen mit einer Allergie gegen Äpfel unter medizinischer Aufsicht zunächst 30 Gramm und danach 100 Gramm frische Apfelproben essen und bewerteten deren allergische Symptome dabei in einer dreistufigen Skala entsprechend ihrer Intensität. Dabei zeigte sich, dass einige der getesteten ZIN-Sorten besser vertragen wurden als zum Beispiel die Vergleichssorte ‘Santana’, die als Allergiker-freundlich eingestuft wird.

Äußere Faktoren beeinflussen allergische Reaktion

Wichtig zum Verständnis ist hierbei jedoch: Allein anhand der Sorte eines Apfels kann nicht entschieden werden, ob und in welchem Ausmaß eine allergische Reaktion beim Essen auftritt. Zwar stimmt es, dass umso wahrscheinlicher Symptome auftreten und auch ihr Ausmaß größer ist, je mehr des Eiweiß Mal d 1  im Apfel enthalten ist.  Und es stimmt auch, dass dies von der Apfelsorte abhängt. Der Gehalt des Allergens Mal d 1 wird aber auch von äußeren Faktoren, wie zum Beispiel vom Nährstoffgehalt im Boden, den Temperaturen während der Wachstumsperiode, einem möglichem Schädlingsbefall des Baumes sowie die Lagerung des Apfels bestimmt. Lebensstilfaktoren wie Sport, Stress, Alkoholkonsum, eine Infektion und Medikamente sind darüber hianus mögliche Einflussfaktoren auf die Reaktionsstärke und Reaktionsbereitschaft des Immunsystems.

Allergische Reaktionen sind individuell

Da also neben der Apfelsorte weitere Faktoren das Allergenpotential beeinflussen können und Allergiker:innen individuell reagieren, müssen solche Tests über mehrere Jahre wiederholt werden. Und auch nach diesen genauen Untersuchungen wird es nie möglich sein, Äpfel zu entwickeln, die gesichert bei keiner Person eine geringe, gefühlte Reaktion auslösen. Was jedoch möglich ist, ist die Wahrscheinlichkeit einer allergischen Reaktion auf den Verzehr eines frischen Apfels zu verringern: Als Allergiker-freundlich ausgezeichnete Apfelsorten könnten daher für viele Menschen mit einer Allergie oder Kreuzallergie auf Apfel – nach persönlicher Risikoabwägung und nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin – eine Möglichkeit bieten, einen frischen Apfel zu essen.

 

Quelle:

Becker, S. et al.: Die Testung von Äpfeln auf ihre Allergenität, Erwerbs-Obstbau (2021) 63:409–415, https://doi.org/10.1007/s10341-021-00600-7